ISIS-Truppen kommen immer näher Bagdad bereitet sich auf Angriff vor

Stand: 14.06.2014 12:36 Uhr

Die Menschen in Bagdad haben Angst, denn die ISIS-Kämpfer sind auf dem Weg in Iraks Hauptstadt. US-Präsident Obama stellte zwar Hilfe in Aussicht, allerdings unter schwer erfüllbaren Bedingungen. Iran sicherte dem Nachbarland Unterstützung zu.

Von Nina Amin, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Armee und Freiwillige in Bagdad (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Tausende Iraker meldeten sich freiwillig, um mit der Armee gegen ISIS zu kämpfen.

Die irakische Hauptstadt Bagdad bereitet sich auf mögliche Angriffe von Islamisten vor. Soldaten und Polizisten patrouillieren durch die wichtigen Straßen, zudem wurden zusätzliche Kontrollposten in der ganzen Stadt eingerichtet. Die Einwohner kaufen Lebensmittel und Wasser - aus Angst, was sie in den nächsten Tagen oder Stunden erwartet.

Einer von ihnen ist Riyad Abdul Zahra. Auch er sorgt sich, denn die Islamisten kommen ihrem Ziel Bagdad immer näher. Riyad verfolgt die Meldungen genau. Er befürchtet, dass das Land endgültig auseinander bricht. Die meisten in Bagdad hätten Angst vor den Ereignissen in den Provinzen im Norden und Osten. Es gehe immer weiter und die Situation werde eskalieren, befürchtet Riyad. "Es ist ein politisches Tauzeihen, das ist sicher. Jeder Iraki wird dir das bestätigen." Es sei ein vorbereiteter Plan, um ethnische und konfessionelle Grenzen durch den Irak zu ziehen.

Bagdad bereitet sich auf Angriffe vor - die USA wägen weiter ab
N. Amin, ARD Kairo
13.06.2014 23:52 Uhr

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Premier Maliki hat es nicht geschafft, das Land zu einen

Regierungschef Nuri al Maliki hat es in der Vergangenheit nicht geschafft, das Land zu einen. Er weigerte sich stets, sunnitsche Milizen in die Armee zu integrieren. Als Schiit hat er die Sunniten seines Landes regelrecht diskriminiert. Die militanten Islamisten sind so erst stark geworden.

Nun scheint der Irak unter dem Vormarsch der ISIS-Kämpfer zu zerbrechen. Und sie arbeiten inzwischen nicht mehr alleine am Sturz Malikis. Irakische Abgeordnete und Geheimdienstkreise bestätigen, dass Sunniten des früheren Regimes von Saddam Hussein mit den ISIS-Kämpfer in der besetzten Stadt Tikrit zusammen arbeiten.

Hussam Eddin Al Delemy vom selbsternannten sunnitischen Revolutionsrat sagte im arabischen Fernsehen, die Stärke der ISIS sei auf das Scheitern von Maliki und seiner Regierung zurückzuführen. "Das Volk wird seit 2003 unterdrückt, deshalb darf diese Regierung nicht weitermachen. Denn nicht ISIS ist der Terror. Der kommt von der Regierung selbst."

Bagdad bereitet sich auf Islamisten-Offensive vor
tagesschau 11:15 Uhr, 14.06.2014, Thomas Aders, ARD Kairo

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Maliki steht mächtig unter Druck. Er hatte die USA um Hilfe im Kampf gegen die Islamisten gebeten. US-Präsident Barack Obama hat den Einsatz von Bodentruppen zwar ausgeschlossen, über andere Optionen werde aber in den nächsten Tagen beraten. Jedoch müsse jede Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte vom "ernsthaften Versuch der irakischen Regierung begleitet werden, konfessionelle Spannungen zu überwinden, die Stabilität im Land zu fördern und weiter daran zu arbeiten, eine schlagkräftige Armee aufzubauen", sagte Obama.

Eine Aufgabe, die in der momentanen Situation schier unmöglich scheint. Und die amerikanische Entscheidung über mögliche Hilfen wird noch ein paar Tage auf sich warten lassen. Die ISIS-Kämpfer sind derweil auf dem Weg nach Bagdad.

Tausende Iraker fliehen vor Islamisten
tagesthemen 21:45 Uhr, 13.06.2014, Volker Schwenck, ARD Kairo, zzt. Erbil

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Blitzausbildung für freiwillige Kämpfer

Die irakische Regierung bemüht sich daher weiter, Freiwillige für den Kampf gegen die Islamisten zu rekrutieren. Aus Kerbala, der Hochburg der Schiiten, südlich von Bagdad, haben sich mehr als 1000 junge Männer auf den Weg in die Hauptstadt gemacht. Um dort gegen die sunnitischen ISIS-Truppen zu kämpfen – sollten deren Kämpfer Bagdad erreichen.

Nach einer Blitzausbildung von einem Tag wollen diese jungen Männer dann gegen die Islamisten kämpfen, die im Norden des Landes mehrere Städte regelrecht überrannt und eingenommen haben. "Wir werden die Islamisten bekämpfen, unsere Heimat und Gebiete verteidigen", sagen sie. "Die ISIS-Kämpfer können uns nichts anhaben, wir opfern unser Leben für den Irak."

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