Frankreichs Präsident Hollande in Washington | Bildquelle: AFP

Hollande und sein Plan einer Anti-IS-Koalition Gestern Obama, heute Merkel, morgen Putin

Stand: 25.11.2015 02:48 Uhr

Nicht weniger als eine globale Allianz gegen den IS-Terror will Frankreichs Präsident Hollande schmieden und reist dafür diese Woche um die Welt. "Totale Solidarität" bekam er in Washington zugesichert. Doch der Abschuss des russischen Kampfjets verkompliziert seinen Plan zusätzlich.

Frankreich will eine globale Allianz gegen die Terroristen des "Islamischen Staats" schmieden. Dafür reist Präsident François Hollande in dieser Woche um die halbe Welt oder lädt zu sich nach Paris ein: Am Montag beriet er mit dem britischen Premierminister David Cameron, gestern traf er US-Präsident Barack Obama in Washington, heute trifft er Kanzlerin Angela Merkel in Paris, bevor er morgen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau fliegt. Am Sonntag trifft er noch Chinas Staatschef Xi Jinping, der zum Klimagipfel nach Paris kommt.

Auf Initiative Frankreichs hatte der UN-Sicherheitsrat in der vergangenen Woche einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der die Staatengemeinschaft aufgefordert wird, "alle nötigen Maßnahmen" im Kampf gegen die Dschihadisten des IS zu ergreifen. Der IS hatte sich zu den Anschlägen in Paris mit 130 Toten bekannt. Hollande hatte den Terroristen daraufhin mehrfach öffentlich den "Krieg" erklärt, jetzt sucht er in den Hauptstädten der Welt nach Verbündeten.

USA - an der Seite Frankreichs

In Washington sicherte ihm Obama volle Unterstützung im Kampf gegen die IS-Terrormiliz zu. "Die Vereinigten Staaten stehen in totaler Solidarität an der Seite Frankreichs", sagte er bei einem gemeinsamen Auftritt im Weißen Haus. Hollande sagte, dass beide Länder eine Ausweitung der Luftangriffe gegen die Dschihadisten in Syrien und im Irak beschlossen hätten. Frankreich werde aber nicht mit eigenen Bodentruppen in Syrien eingreifen. Zugleich betonte er die Notwendigkeit, die Grenze zwischen Syrien und der Türkei zu schließen, damit keine Terroristen mehr nach Europa gelangen könnten.

Hollande zu Besuch im Weißen Haus
tagesschau 20:00 Uhr, 24.11.2015, Ina Ruck, ARD Washington

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Obama appellierte an Russland, eine "konstruktivere" Rolle zu spielen und sich bei den Luftangriffen auf die Dschihadisten zu konzentrieren. Eine Kooperation Moskaus wäre "enorm hilfreich, um den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden und die Aufmerksamkeit von uns allen auf den IS zu lenken", sagte er.

Unterschiedliche Interessen im Kampf gegen IS

Doch nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im türkisch-syrischen Grenzgebiet ist die Lage nicht einfacher geworden. Im Gegenteil, zeigt der Zwischenfall doch die verworrene Lage im Kampf gegen die IS-Miliz: Die USA greifen an der Spitze einer internationalen Koalition die Dschihadisten aus der Luft an. Zu den Alliierten gehört auch Frankreich. Seit September fliegt auch Russland eigene Luftangriffe in Syrien - der Westen wirft Moskau jedoch vor, mit seinem Militäreinsatz vor allem den verbündeten syrischen Machthaber Bashar al-Assad zu stützen. Den wiederum will der Westen loswerden.

"Russland ist willkommen, Teil unserer breiten Koalition zu sein", sagte Obama nun. Vorher müsse Moskau sich bei Luftangriffen in Syrien aber auf den IS als Ziel statt auf die gemäßigten Rebellen konzentrieren und einen politischen Wandel in Damaskus unterstützen. "Wir wollen niemanden ausschließen", bekräftigte Hollande. "Wir wollen alle Länder versammeln, die gewillt sind, eine politische Lösung zu finden und umzusetzen."

Hollande trifft am Donnerstag mit Putin zusammen. Bereits heute empfängt er Kanzlerin Merkel (CDU) in Paris. Deutschland hatte Frankreich eine enge Zusammenarbeit zugesichert. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche größere militärische Unterstützung Frankreichs in Ländern wie Mali, sondern auch um die Koordination der Sicherheitsbehörden.

Ellis Fröder, ARD Paris, zu Merkels Besuch bei Hollande
tagesschau 20:00 Uhr, 25.11.2015

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