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Obama nimmt Nominierung offiziell an
"Ich habe nie gesagt, dass es leicht wird"
US-Präsident Obama hat seine Anhänger auf dem Nominierungsparteitag auf eine Schicksalswahl eingeschworen. Es werde noch einige Jahre dauern, bis Amerikas Probleme gelöst seien, sagte er. Deshalb bitte er um mehr Zeit, um Schulden abzubauen und neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington, zzt. Charlotte
Am Tag zuvor hatte ihn Bill Clinton als Mann bezeichnet, der sich nach außen cool gibt, aber tief drinnen für Amerika brennt. Wenn er doch nur endlich etwas von diesem Feuer wieder aufblitzen lassen könnte, hatten sich viele Demokraten von ihrem Präsidenten gewünscht.
Doch in seiner wohl wichtigsten Rede in seinem letzten Wahlkampf blieb Barack Obama seiner pragmatischen Linie treu: Angesichts der im Volk weit verbreiteten Enttäuschung über den zu langsamen Weg aus der Krise bat der Präsident um mehr Zeit, die Probleme des Landes zu lösen. "Ihr habt mich nicht gewählt, damit ich Euch sage, was Ihr hören wollt. Ihr habt mich gewählt, damit ich Euch die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, es wird mehr als einige Jahre dauern, um die Probleme zu lösen, die über Jahrzehnte entstanden sind."
US-Präsident Obama wirbt für vier weitere Jahre im Weißen Haus
tagesthemen 21:45 Uhr, 07.09.2012, S. Niemann, ARD Washington zzt. Charlotte
Die Wahl als Richtungsentscheidung
In den kommenden Jahren gehe es darum, wichtige Weichen zu stellen: in der Wirtschaft, im Energie-Sektor, in der Bildung und in der Außenpolitik. Deshalb sei die Wahl am 6. November eine Richtungsentscheidung zwischen zwei fundamental unterschiedlichen Visionen für Amerikas Zukunft: "Ich glaube nicht, dass uns weitere Steuersenkungen für Millionäre gute Jobs bringen oder unser Defizit verkleinern. Ich glaube nicht, dass Entlassungen von Lehrern oder Kürzungen bei Stipendien unsere Wirtschaft ankurbeln oder uns im Wettbewerb mit Wissenschaftlern aus China helfen." Seine Politik folge den Interessen der Mittelklasse, nicht denen großer Unternehmen, betonte Obama - ohne dabei seinen Konkurrenten Mitt Romney zu erwähnen.
Wie bei Präsident Franklin D. Roosevelt nach der Großen Depression in den 1930er-Jahren sei eine aktive Rolle der Regierung nötig, betonte Obama, mahnte jedoch seine, Partei dass nicht jedes Problem mit einem Regierungsprogramm aus Washington gelöst werden kann.
"Unsere Probleme sind lösbar"
Obama, der bewusst nicht begeistern, sondern mit Argumenten überzeugen wollte, wurde nur manchmal persönlich: Einige Ziele habe er nicht erreicht und auch Fehler gemacht. Dennoch sei er überzeugt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist: "Unsere Probleme sind lösbar. Die Herausforderungen können wir schaffen. Der Weg, den wir anbieten, ist vielleicht schwieriger, aber er führt an einen besseren Ort. Und ich bitte Sie, diese Zukunft zu wählen."
Obamas Rede beendet Parteitag
M. Ganselmeier, NDR Washington zzt. Charlotte
07.09.2012 07:01 Uhr
Mehr Geld für Bildung
Seine Bitte um eine zweite Amtszeit verband der Präsident mit einer konkreten Agenda für die nächsten Jahre: eine Million neuer Industrie-Arbeitsplätze bis Ende 2016, Verdopplung der Industrie-Exporte in den nächsten zwei Jahren. Bis 2020 soll die Importmenge ausländischen Öls halbiert und stattdessen die heimische Erdgas-Förderung ausgebaut werden. Durch das Ende der Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan könne das Defizit im Staatshaushalt in den nächsten zehn Jahren um vier Billionen Dollar abgebaut werden, versprach Obama. Mehr Geld investieren will er in die Bildung: Der Anstieg der Studiengebühren soll in den nächsten zehn Jahren halbiert werden. An Amerikas Schulen sollen 100.000 neue Mathe- und Naturwissenschaftslehrer eingestellt werden.
Den Namen seines Herausforderers Romney erwähnte der Präsident in seiner Rede mit keinem Wort. Doch in Anspielung auf Romneys Bemerkung, der Präsident kümmere sich mehr um das globale Klima als um Amerikas Bürger, sagte Obama: "Der Klimawandel ist kein Jux. Mehr Dürren und Überschwemmungen und Waldbrände sind kein Witz. Sie bedrohen die Zukunft unserer Kinder. Bei dieser Wahl können Sie etwas dagegen tun."
Beim Thema Außenpolitik ein Seitenhieb auf Romney
Selbstbewusst erwähnte Obama seine außenpolitischen Leistungen. Das Ansehen der USA in aller Welt sei wieder hergestellt, der Krieg im Irak beendet. Bis 2014 werde er die US-Soldaten aus Afghanistan nach Hause holen. In New York entstehe ein neuer Wolkenkratzer, Al Kaida stehe vor dem Aus, und Osama bin Laden sei tot.
Als größte außenpolitische Herausforderungen bezeichnete Obama den Kampf gegen Terroristen und die Finanzkrise in Europa. Auch die Sicherheit Israels stehe für ihn außer Frage. Wer Russland dagegen als größten Feind bezeichne, so Obama über Romney, der sei im Kalten Krieg steckengeblieben.
Zum Schluss ein Konfetti-Regen
Nach der bewegenden Rede von First Lady Michelle Obama und der begeisternden Rede von Bill Clinton war der Auftritt des Präsidenten eher eine Rede zur Lage der Nation. Selbst kurz vor Schluss, als viele der Delegierten schon in Jubel ausbrachen, blieb Obama eher cool: Er habe nie gesagt, diese Reise werde einfach - und das werde er auch jetzt nicht versprechen.
Und auch das Finale des Parteitags fiel bescheidener als sonst aus: Weil die Rede des Präsidenten wegen des schlechten Wetters in Charlotte vom Football-Stadion in eine überdachte Basketball-Arena verlegt wurde, musste sich der Präsident mit einem Konfetti-Regen begnügen.
Stand: 07.09.2012 07:42 Uhr
