Seitenueberschrift
Nach vier Jahren als Präsident
Was die erste Amtszeit aus Obama gemacht hat
Noch einmal vier Jahre? US-Präsident Obama wird heute auf dem Parteitag der Demokraten sagen, mit welcher Vision er wiedergewählt werden will. Viele Wähler sind enttäuscht von ihm - die Wirtschaftskrise, aber auch zahlreiche Kompromisse haben ihn Reputation gekostet. Wie also sieht die Bilanz der ersten Amtszeit Obamas aus?
Von Timo Fuchs, SR-Hörfunkstudio Washington, zzt. Charlotte
Zu der Zeit, als Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten wird, sind die Menschen am Boden. Bis zu 800.000 Amerikaner verlieren pro Monat ihren Job. Sie blicken erschüttert auf die Weltfinanzkrise, hervorgerufen durch die Gier des Bankensektors. Obamas Versprechen, dem Kapitalismus Werte der Menschlichkeit entgegenzusetzen, löst Begeisterung aus. Er erlangt die größte Zustimmung eines Präsidenten seit einem halben Jahrhundert. Obama verspricht einen tiefgreifenden Wandel.
Obama ist zum kühlen Taktiker geworden
T. Fuch, SR Washington, zzt. Charlotte
06.09.2012 16:24 Uhr
Und so macht Obama anfangs die Harmonie zu seinem Leitmotiv. In der Außenpolitik setzt er sich mit seinen Gegnern an einen Tisch: Er erreicht ein Abrüstungs-Abkommen mit Russland, und er kann China überzeugen, die US-Sanktionen gegen den Iran zu unterstützen. Auch innenpolitsch will Obama den Gegnern die Hand reichen. Die Republikaner sollen für seine Gesundheitsreform mit an Bord geholt werden, an der sich so viele Präsidenten vor ihm die Zähne ausgebissen haben. Aber hier endete die Harmonie. Die Republikaner planen, das Gesetz zu vernichten.
Kompromissvorschläge gegen Blockade der Republikaner
Um die Blockade der Republikaner zu verhindern, macht der Präsident immer mehr Kompromissvorschläge - und die verwässern die Reform. Sie wird zwar gerade so angenommen im Kongress, doch trotz der langen Verhandlungen hat nicht ein einziger Republikaner zugestimmt. Sie wollten das Gesetz um jeden Preis verhindern. Eine bittere Erfahrung für Obama.
Genauso frustriert steht er vor der Blockade der Republikaner, als die Schuldenkrise heraufzieht. Wegen der leeren Kassen führen ihn seine Gegner als Versager in Wirtschafts- und Haushaltspolitik vor, obwohl Obamas Vorgänger Bush schon bemerkt hatte, dass Obama viel davon versteht. Noch vor dem Amtswechsel zog George W. Bush Obama sogar zu wöchentlichen Wirtschaftsberatungen hinzu. Jetzt aber stempeln ihn die Republikaner ab.
Im Wahlkampf teilt Obama gegen Romney aus
Diese Erfahrungen machen Obama härter. Zum Ende seiner Amtszeit teilt er hart gegen seinen Konkurrenten Mitt Romney aus. Er distanziert sich nicht mal von einem besonders üblen Wahlwerbespot seiner Unterstützer, der suggeriert, dass Romney Verantwortung trage am Tod einer kranken Frau. Romney weiß gar nicht was er angerichtet hat, erzählt da ein angeblich entlassener Arbeiter: "Nachdem Romney unsere Fabrik dicht machte, verlor meine Familie ihre Krankenversicherung. Dann wurde meine Frau krank. Krebs. Die Ärzte konnten nichts mehr für sie tun".
In der Schlussphase seiner Amtszeit ist Obama zum kühlen Taktiker geworden. Im Hintergrund hetzen üble Werbespots seiner Unterstützer gegen Romney, während Obama im Vordergrund versucht, sein menschliches Image wieder herzustellen - etwa als Romney Paul Ryan zu seinem Vize-Kandidaten aufstellt. Obama gibt sich ganz versöhnlich. Ryan sei ein anständiger Mann - nur mit der falschen Vision für Amerika. Willkommen im Wahlkampf.
Präsident Obama offiziell als Kandidat nominiert
tagesschau 20:00 Uhr, 06.09.2012, Tina Hassel, ARD Washington
Ideale bleiben in der Schublade
Als Kämpfer für die Menschlichkeit will Obama auch auffallen, indem er sich für die Homo-Ehe ausspricht und sogar für schärfere Waffengesetze. Taten lässt er seinen Forderungen allerdings nicht folgen. Denn das könnte die unentschlossenen Wähler verschrecken. Sie sind schließlich hin und hergerissen zwischen seinem Plan und den konservativen Werten der Republikaner. Der Politiker Obama hat gelernt, dass Moral seinen Platz hat. Ob er nun die Ölindustrie umgarnt oder Menschen töten lässt, die nur terrorverdächtig sind. Es gibt Zeiten, da bleiben die Ideale in der Schublade. Und je länger man im Amt ist, umso voller wird sie.
Stand: 06.09.2012 19:19 Uhr
