Bosco Ntaganda | Bildquelle: AFP

Ex-Rebellenchef Ntaganda in den Haag vor Gericht Kongos "Terminator" auf der Anklagebank

Stand: 02.09.2015 17:19 Uhr

Mord, Vergewaltigungen und weitere Verbrechen soll Ex-Rebellenchef Ntaganda im Kongo begangen haben. Seit heute muss er sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten. Wer ist der Mann, den viele nur den "Terminator" nennen?

Von Antje Passenheim, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Über die Kriegsfelder des Ostkongo soll Bosco Ntaganda gern mit einem Lächeln geschritten sein. "Meine Soldaten lieben mich", hat er einmal über seine eigenen Führungsqualitäten gesagt. An Spitznamen mangelt es ihm nicht: Räuber, Marschall, Tango Romeo nannte er sich. Doch seine Opfer erinnern sich vor allem an diesen Namen: "Der Terminator". Der Mann, der vielen Leben ein Ende gesetzt haben und dessen Liste an Grausamkeiten von Mord über Vergewaltigung bis hin zur Rekrutierung von Kindersoldaten reichen soll.

Ein elfjähriger Junge erinnert sich: "Wir wurden gefoltert, um hart zu werden. Wir haben alles trainiert. Auch auf Ziele zu schießen. Damit wir bereit waren, wenn wir im Gefecht gebraucht wurden." Ein 17-jähriges Mädchen berichtete der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Rebellenchef Ntaganda habe sie brutal vergewaltigt. "Ich hatte keine Möglichkeit, mich ihm zu verweigern. Ich hatte Angst, dass er mich töten würde. Denn er ist ein Killer."

Sexuelle Gewalt und Morde

Auch seinen Kämpfern gestand er es zu, ihre jungen Kolleginnen zu vergewaltigen. "Wenn du Soldat bist, kriegst du eine Frau umsonst", so seine Devise. Einen Priester soll Ntaganda persönlich getötet haben - mit mehreren Kopfschüssen. Nur eine von zahlreichen Grausamkeiten beim Überfall auf das Goldminendorf Mongbwalu, sagt Anne van Woudenberg von Human Rights Watch: "In dieser Stadt attackierten er und seine Kämpfer gezielt Zivilisten von der gegnerischen ethnischen Gruppe. Über Wochen massakrierten sie 800 Menschen, viele von ihnen Alte, Frauen und Kinder. Ntaganda war ganz vorn dabei."

Ntaganda zum Auftakt des Prozesses | Bildquelle: REUTERS
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Ntaganda zum Auftakt des Prozesses in Den Haag

Er selbst begann zu kämpfen, als er fast noch ein Kind war: Anfang der 1990er-Jahre schloss er sich als Teenager den ruandischen Tutsi-Rebellen an. Später kämpfte Ntaganda im Kongo gegen die Regierung in Kinshasa. Bereits 2006 klagte ihn der Gerichtshof in Den Haag für seine mutmaßlichen Kriegsverbrechen an. Ntaganda gab nichts drauf; er musste sich nicht einmal verstecken.

Ein Leben im Luxus

Kongos Präsident Joseph Kabila weigerte sich nicht nur, den Warlord zu verhaften. Um nicht den fragilen Frieden in seinem Land zu gefährden, gliederte er den Kriegsherrn auch noch in der kongolesischen Armee ein. In der Freizeit spielte der international gesuchte Kriegsverbrecher Tennis, speiste in Luxusrestaurants und bereicherte sich tatkräftig an den Rohstoffen des Ostkongo.

Doch vor zwei Jahren klingelte es plötzlich in der amerikanischen Botschaft in Kigali. Der gesuchte General stand vor der Tür - und streckte die Waffen. Offenbar aus Angst um seine eigene Haut, denn seine eigenen Anhänger waren zerstritten oder geflohen, vermutete damals die Menschenrechtlerin Ida Sawyer von Human Rights Watch: "Ntaganda wird wohl gemerkt haben, dass die Regierungen im Kongo ihm keinen ausreichenden Schutz mehr geben wollten. Deshalb hat er wohl zu seiner eigenen Sicherheit aufgegeben." Das gab es bis dahin noch nie.

Prozess gegen kongolesischen Rebellenführer Ntaganda
tagesschau 15:00 Uhr, 02.09.2015, Arnim Stauth, ARD Brüssel

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Ein Novum auch der Prozess selbst: Erstmals nämlich muss sich im internationalen Strafrecht ein Kommandeur wegen Vergewaltigung und sexueller Versklavung in seiner eigenen Miliz verantworten. Ntaganda beteuert seine Unschuld. Doch die Vorwürfe der mehr als 2000 mutmaßlichen Opfern sprechen dagegen. Der Prozess könnte sich also über Jahre ziehen.

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