Logo am AT&T-Gebäude in Dallas | Bildquelle: dpa

US-Telekommunikationsfirma half Geheimdienst Wie AT&T die NSA unterstützte

Stand: 16.08.2015 08:02 Uhr

Bei ihren Ausspähaktionen erhielt die NSA offenbar Unterstützung des US-Telekommunikationsriesen AT&T. US-Medien berichten, die Firma gewährte dem Geheimdienst Zugriff auf Milliarden von Mails und Telefonverbindungen - auch aus dem UN-Hauptquartier.

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T hat Medienberichten zufolge dem US-Geheimdienst NSA "bereitwillig" Zugang zu Milliarden E-Mails gewährt, die durch seine Netzwerke zirkulierten. Im Rahmen des bereits 1985 gestarteten Programms "Fairview" habe AT&T dem Geheimdienst auch erlaubt, über die von ihm betriebenen Leitungen die Internetkommunikation des UN-Hauptquartiers in New York zu überwachen, berichteten die Zeitung "The New York Times" (NYT) und die Rechercheorganisation "ProPublica". Sie berufen sich dabei auf neue Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

AT&T gewährte NSA Zugang zu Milliarden E-Mails
tagesschau 20:00 Uhr, 16.08.2015, Stefan Niemann, ARD Washington

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"Extreme Bereitschaft zu helfen"

Der Konzern habe sich "sehr kooperativ" gezeigt und eine "extreme Bereitschaft zu helfen" bewiesen, schrieben die Medien. Laut den Dokumenten gewährte AT&T dem Geheimdienst Zugang zu den Daten von Milliarden von E-Mails und Handygesprächen. Die Gesellschaft habe "binnen weniger Tage" nach Beginn des Programms zur Überwachung ohne richterliche Vollmacht im Oktober 2001 damit angefangen, Unterlagen an die NSA weiterzuleiten. Im September 2003 sei sie der erste "Partner" gewesen, der eine neue Technik zur Datensammlung freigeschaltet habe, durch die der NSA zufolge eine "Live-Präsenz im globalen Netz" möglich geworden sei.

Unter dem Programm mit dem Namen "Fairview" wurden den Angaben zufolge eine Million E-Mails pro Tag an die NSA-Zentrale in Fort Meade im US-Staat Maryland weitergeleitet. Ein separates Programm namens "Stormbrew", das Verbindungen zum Telekommunikationskonzern Verizon und dem früheren Unternehmen MCI aufweist, war da noch in der Vorbereitung, wie die "NYT" schrieb. Dieses war offenbar für den Nachrichtenverkehr von Ausländern an Ausländer bestimmt.

Dokument aus den Jahren 2003-2013

AT&T und andere Firmen werden in den Dokumenten nur mit Codenamen genannt, doch identifizierten frühere Geheimdienstmitarbeiter die Unternehmen. Es ist unklar, ob die Programme heute noch weiter laufen. Die Dokumente Snowdens stammten von 2003 bis 2013.

Ein Unternehmenssprecher von AT&T betonte, dass die Firma Ermittlungsbehörden keine Informationen ohne entsprechenden Gerichtsbeschluss gebe, außer wenn Gefahr in Verzug sei. Den Berichten zufolge erfolgte die Überwachung der Kommunikation der Vereinten Nationen auf Anweisung des geheimen Sondergerichts Foreign Intelligence Surveillance Court. Allein "Fairview" kostete die NSA den Berichten zufolge im Jahr 2011 rund 189 Millionen Dollar. Das zweitgrößte Programm "Stormbrew" schlug demnach mit 67 Millionen Dollar zu Buche.

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Die NSA warb aktiv um "Partner" aus der Telekommunikationsbranche.

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