Seitenueberschrift
Nach Verkaufsstopp für Grippemittel
Novartis wegen Impfstoff-Problem unter Druck
In Deutschland und drei weiteren Ländern ist der Verkauf von Novartis-Grippeimpfstoffen gestoppt worden. Italiens Gesundheitsminister Balduzzi griff den Pharmakonzern bei einem Treffen am Abend scharf an. Novartis habe von dem Problem seit Juli gewusst und die Behörden nicht ausreichend informiert. Das Unternehmen kündigte eine enge Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden an.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Im Fall der potenziell gesundheitsgefährdenden Grippeimpfstoffe von Novartis hat der italienische Gesundheitsminister Renato Balduzzi das Verhalten des Pharmakonzerns scharf kritisiert. Das hat das italienische Gesundheitsministerium am Abend in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.
Italien hatte vorgestern vier Novartis-Medikamente verboten und durch eine Warnung auch einen Verkaufsstopp in mehreren anderen Ländern ausgelöst. In Deutschland sind die in Italien hergestellten Produkte Fluad und Begripal betroffen.
Aufregung um den Grippeimpfstoff Novartis
ARD-Morgenmagazin 05:30 Uhr, 26.10.2012, Daniel Hechler, ARD Genf
Mögliches Problem seit Juli bekannt
Italiens Gesundheitsminister hatte gesagt, dass der Konzern bereits seit Juli von möglichen Problemen bei den Impfstoffen wusste. Bei einem Treffen mit mehreren hochrangigen Vertretern der Pharmafirma hätten diese nun ihre Verantwortung im Bezug auf die fehlende und unvollständige Information der verantwortlichen Arzneimittelbehörde eingestanden, heißt es in der Erklärung des Gesundheitsministeriums. An dem Treffen nahmen demnach der Geschäftsführer des entsprechenden Konzernzweigs sowie die Verantwortlichen für Forschung und Produktion der Grippe-Impfstoffe teil.
Minister Balduzzi hat Novartis aufgefordert, ausführliche Unterlagen sowie Muster der auffälligen Präparate zur Verfügung zustellen, damit diese vom italienischen Gesundheitsinstitut überprüft werden können. Ein weiteres Urteil könne man erst danach abgeben.
Nebenwirkungen möglich
Bei den beanstandeten Impfstoffen soll es zu Ausflockungen von Eiweißstoffen gekommen sein. Diese könnten dadurch nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts bei Patienten möglicherweise Unverträglichkeiten auslösen - von leicht allergischen Störungen bis hin zu schweren Reaktionen des Immunsystems.
Der Novartis-Konzern hat sich nach dem Treffen bisher nicht geäußert. Italiens Gesundheitsministerium schaltet ab heute eine Experten-Hotline für besorgte Bürger.
Stand: 26.10.2012 05:07 Uhr
