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Trauer um die Opfer der Anschläge von Olso und Utöya am 24. Juli in Norwegens Hauptstadt.

Kritik an Norwegens Polizei nach Breivik-Anschlägen

Viel zu spät, viel zu langsam

Viel zu spät habe Norwegens Polizei auf Notrufe reagiert, wichtige Augenzeugenberichte wurden nicht weitergeleitet: Eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der Anschläge von Oslo und Utöya hat schwere Vorwürfe gegen die norwegische Polizei erhoben.

Der Bericht zeige "mehrere große Schwächen" in der Reaktion auf die Anschläge auf, sagte Kommissionschefin Alexandra Bech Gjorv bei der Übergabe des 500-Seiten-Werks an Ministerpräsident Jens Stoltenberg. So habe etwa die Kommunikation zwischen verschiedenen Einheiten der Polizei nicht ausreichend funktioniert. Die Notrufzentralen seien zudem überlastet gewesen. Berichte von Augenzeugen, die Breivik nach den Anschlägen im Osloer Regierungsviertel gesehen hatten, wurden nicht an die richtige Stelle weitergeleitet. Wäre das geschehen, hätten seine Bluttaten schon eher gestoppt werden können, heißt es weiter. "Eine Intervention der Polizei war wirklich möglich", schreiben die Autoren.

Kommission erhebt schwere Vorwürfe gegen norwegische Polizei
T. Krohn, ARD Stockholm
13.08.2012 17:09 Uhr

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Der Bombenanschlag im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo hätte demnach sogar verhindert werden können, wenn die "bereits existierenden Sicherheitsmaßnahmen effektiv angewandt worden wären." Und auch auf der Ferieninsel Utöya habe die Polizei versagt: Eine schnellere Reaktion auf Utöya sei "eine realistische Möglichkeit" gewesen. So vergingen demnach 35 Minuten zwischen dem Eintreffen der ersten Polizisten aus einem örtlichen Kommissariat am Festlandufer gegenüber von Utöya und der Ankunft von Spezialeinheiten auf der Insel. Während die ersten beiden Polizisten laut Regelwerk alles hätten unternehmen müssen, um auf die Insel zu gelangen, blieben sie auf dem Festland - sie gaben an, kein Boot gefunden zu haben.

Als Angehörige der Polizei-Sondereinheit Delta aus dem 40 Kilometer entfernten Oslo schließlich versuchten, auf die Insel zu gelangen, fiel ihr überladenes Schlauchboot aus. Die Polizisten mussten daraufhin auf zwei Privatboote umsteigen. Die Verzögerung von 35 Minuten sei "nicht akzeptabel", heißt es nun in dem Bericht wörtlich.

Anschuldigungen erhob die Kommission auch gegen den norwegischen Geheimdienst. Dieser hätte mehr tun können, um den Rechtsextremisten noch vor der Tat aufzuspüren.

Anschlag in Oslo
galerie

Die Polizei habe zu langsam reagiert, lautet der Vorwurf.

Für die Zukunft rät die Kommission, den Verkauf von Waffen und Chemikalien schärfer zu kontrollieren, halbautomatische Waffen zu verbieten und die Teilnahme an terroristischer Ausbildung zu einer Straftat zu machen.

Für ein "sicheres Norwegen"

Ministerpräsident Stoltenberg hatte vor einem Jahr die zehn Mitglieder der Kommission benannt und ihnen den Auftrag auf den Weg gegeben, ein "sichereres Norwegen" zu schaffen und die Fakten zu Breiviks Anschlägen auf den Tisch zu legen. Gjorv sagte, die Berichterstatter hätten von der Polizei und anderen Behörden alle erbetenen Informationen erhalten. Der Bericht der Kommission hat einen Umfang von fast 500 Seiten.

Bereits kurz nach den Anschlägen war die norwegische Polizei in die Kritik geraten. Zwischen der Bombenexplosion in Oslo und Breiviks Festnahme auf Utöya vergingen mehr als drei Stunden, obwohl Breiviks Name den Sicherheitsbehörden bereits bekannt war. Auf Utöya feuerte Breivik rund eineinviertel Stunden lang auf die Teilnehmer des Lagers, bevor er festgenommen werden konnte.

Kommission erhebt Vorwürfe gegen Norwegens Polizei
nachtmagazin 00:17 Uhr, 14.08.2012, Clas Oliver Richter, ARD Stockholm

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Urteil gegen Breivik am 24. August

Der geständige Täter Breivik hatte am 22. Juli 2011 im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet. Anschließend erschoss er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya 69 Menschen.

Das Urteil gegen ihn soll am 24. August verkündet werden. Trotz seines Tatbekenntnisses plädierte Breivik auf nicht schuldig. Er gab an, die 77 Menschen aus "Notwehr" getötet zu haben, um Norwegen vor fremden Einflüssen zu schützen.

Stand: 13.08.2012 17:03 Uhr

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