Flüchtlinge überqueren im November 2015 die Grenze zwischen Russland und Norwegen.  | Bildquelle: dpa

Grenzübergang an Eisroute geschlossen Moskau nimmt keine Flüchtlinge zurück

Stand: 24.01.2016 15:23 Uhr

Russland nimmt keine Flüchtlinge mehr aus Norwegen zurück. Der Grenzübergang im hohen Norden sei aus Sicherheitsgründen geschlossen worden, bestätigte das Außenamt in Moskau. In den vergangenen Monaten waren mehrere tausend Flüchtlinge über Russland nach Norwegen gelangt.

Die russische Regierung will keine Flüchtlinge mehr aus Norwegen zurücknehmen. Die Regierung in Moskau bestätigte entsprechende Berichte. Die arktische Grenze sei "aus Sicherheitsgründen" geschlossen worden, so eine Außenamtssprecherin. Zuvor hatte schon Norwegen die umstrittenen Abschiebungen gestoppt und war damit auf russische Forderungen eingegangen.

Abseits der Balkan-Route hatte sich die Strecke von Russland nach Norwegen für rund 5500 Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran zu einer wichtigen Fluchtstrecke entwickelt. Viele Flüchtlinge mussten sich zu Wucherpreisen Fahrräder mieten, da Russland eine Grenzüberquerung zu Fuß nicht zulässt und Norwegen die Fahrer von Flüchtlingstransportern als Schleuser ansieht.

Flüchtlinge fahren mit dem Fahrrad über die Grenze von Norwegen | Bildquelle: AFP
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Das Fahrrad war für viele Flüchtlinge häufig die einzige Möglichkeit, die Grenze von Russland nach Norwegen zu überqueren.

Norwegische Regierung wollte Sammelabschiebungen

Die rechtsgerichtete norwegische Regierung hatte am Dienstag 13 Migranten an den arktischen Grenzübergang Borisoglebsk-Storskog zurückgeschickt. Weitere Sammelabschiebungen waren geplant, wurden dann aber aus "logistischen" Gründen abgesagt. Menschenrechtsgruppen kritisierten das Vorgehen der Regierung. Die Flüchtlinge würden in der Winterkälte ihrem Schicksal überlassen, außerdem drohte ihnen nach der Abschiebung aus Norwegen in Russland die Rückführung in ihre Herkunftsländer.

Norwegen und der Schengen-Raum

Das 5,2 Millionen Einwohner zählende Norwegen gehört - so wie auch die Schweiz, Liechtenstein und Island - nicht zur EU, aber zum Schengenraum. Inhaber eines gültigen Schengenvisums können sich im gesamten Schengenraum bis zu 90 Tage je Zeitraum von 180 Tagen aufhalten, soweit dies durch die zulässige Nutzungsdauer des Visums abgedeckt ist.

Die Norwegische Organisation für Asylbewerber (Noas) kritisiert die russische Asylpolitik scharf: Flüchtlinge müssten in Russland Schmiergeld zahlen und bekämen es mit dem Geheimdienst zu tun. Im vergangenen Jahr hatten 5000 Syrer in Russland Asyl beantragt, nur zwei Anträge wurden anerkannt, 2900 Menschen erhielten vorläufige Aufenthaltstitel.

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