Flüchtlinge fahren mit dem Fahrrad über die Grenze von Norwegen | Bildquelle: AFP

Flucht über die "Eisroute" Russland stoppt Rückkehr von Flüchtlingen aus Norwegen

Stand: 24.01.2016 04:22 Uhr

Es ist der nördlichste Weg der Flüchtlinge: Über die "Eisroute" kommen Menschen meist per Fahrrad über Russland nach Norwegen. Norwegen hatte sie seit November nach Russland zurückgeschickt. Doch Moskau bat nun Oslo, dies nicht mehr zu tun.

Norwegen will vorerst keine Flüchtlinge mehr über die Grenze nach Russland zurückschicken. Damit werde einer Bitte Moskaus nachgekommen, erklärte das Außenministerium in Oslo. "Russland wünscht Gespräche über die Koordination der Rückkehr", sagte Außenminister Børge Brende am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos. Zudem habe Russland "Sicherheitsgründe" angeführt.

Abseits der Haupt-Flüchtlingsroute über den Balkan führt eine deutlich kleinere Bewegung über Russland nach Norwegen. Vor allem Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Iran, gelangten im vergangenen Jahr auf diesem Weg in das skandinavische Land.

Viele Flüchtlinge nutzten Fahrräder, weil Russland die Grenzüberquerung zu Fuß nicht zulässt und Norwegen die Fahrer von Flüchtlingstransportern als Schleuser behandelt.

Norwegen werde nun keine Flüchtlinge mehr über die Grenze bei Storskog zurückbringen. Die norwegische Regierung ziehe jetzt andere Möglichkeiten in Erwägung, die Flüchtlinge außer Landes zu bringen, etwa mit Flugzeugen. Über den Grenzübergang in Storskog sind bislang knapp 5500 Flüchtlinge gekommen.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Seit November kann Norwegen Asylbewerber, die in einem anderen, als "sicher" eingestuften Land bereits eine Aufenthaltserlaubnis haben, zurück in diese Länder bringen. Russland gilt als ein solches Land. Erst vor wenigen Tagen hatte Norwegen Flüchtlinge im Bus zurück nach Russland gefahren, was Menschenrechtsgruppen scharf kritisierten. Ihren Angaben zufolge werden die Menschen jenseits der Grenze bei eisigen Temperaturen ihrem Schicksal überlassen, zudem drohe die Rückführung durch Russland in ihre oft gefährlichen Herkunftsländer.

Norwegen ist kein Mitglied der Europäischen Union. Es gehört aber dem Schengen-Raum an. Flüchtlinge konnten aus dem skandinavischen Land also bisher relativ einfach in EU-Länder weiterreisen.

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