Kundgebung in Pjöngjang (Bildquelle: REUTERS)

Eskalation auf der koreanischen Halbinsel Nordkorea verkündet Kriegszustand

Stand: 30.03.2013 12:37 Uhr

Nordkorea ist nach eigenen Angaben offiziell mit dem Süden in einen "Kriegszustand" getreten. Alle Angelegenheiten zwischen beiden Staaten würden von nun an gemäß des "Kriegsprotokolls" behandelt, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten gemeinsamen Erklärung der Regierung in Pjöngjang, der Kommunistischen Partei und anderer Organisationen. Die jahrelange Situation auf der koreanischen Halbinsel, die sich "weder im Frieden, noch im Krieg" befunden habe, sei nun vorüber.

Gemeinsamer Industriekomplex vor Schließung?

Nordkorea drohte nun auch damit, den gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industriepark Kaesong zu schließen. Dies könne geschehen, wenn Südkorea weiter die Würde des Nordens untergrabe, erklärte ein Sprecher des Komplexes an der Grenze zwischen den beiden Staaten.

Zu den Fabriken von Kaesong auf nordkoreanischem Territorium lässt die Führung in Pjöngjang trotz militärischer Drohgebärden bisher weiter südkoreanische Beschäftigte einreisen. Der Industriepark gilt als wichtige Devisenquelle für das weitgehend isolierte Land.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit Generälen (Bildquelle: REUTERS)
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Kim Jong Un ließ die Raketen in ständige Bereitschaft versetzen.

Die USA nehmen die neuerliche Drohung "ernst", sehen in dem Vorgehen jedoch ein altbekanntes Verhalten. "Wir haben die Berichte über eine neue und unkonstruktive Erklärung aus Nordkorea zur Kenntnis genommen", sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats in Washington. Hayden verwies darauf, dass Nordkorea eine "lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen" habe. "Die heutige Ankündigung folgt diesem bekannten Muster."

Ähnlich die Reaktion aus Südkorea: Die Drohung sei nichts Neues. Es handele sich um eine Fortschreibung von Kim Jong Uns Reaktionen auf die amerikanisch-südkoreanischen Manöver, teilte das Wiedervereinigungsministerium in Seoul mit.

Russland und Deutschland fordern Zurückhaltung

Die russische Regierung rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Alle Parteien müssten maximale Verantwortung zeigen, damit niemand die rote Linie überschreite, sagte ein Vertreter des Außenministeriums der Agentur "Interfax".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte Nordkorea zuvor vor einer Eskalation der Sicherheitslage gewarnt. Das Verhalten der Regierung in Pjöngjang sei eine ernste Gefahr für den Frieden in der gesamten Region, schrieb der FDP-Politiker in einem Gastkommentar für die "Bild"-Zeitung. Was auf der koreanischen Halbinsel geschehe, betreffe die Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt. "Das unverantwortliche Spiel Nordkoreas mit dem Feuer muss aufhören", mahnte Westerwelle.

Fast täglich neue Drohungen

Nordkorea hatte Südkorea und dessen Verbündeten USA wiederholt mit Angriffen gedroht. Gestern hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die Raketeneinheiten des Landes für einen Angriff auf US-Stützpunkte in Bereitschaft versetzt. Das Land reagierte damit auf ein gemeinsames Manöver der USA und Südkoreas, in dessen Rahmen zwei US-Tarnkappenbomber über den südlichen Teil der koreanischen Halbinsel flogen. Dem Manöver waren erneute Kriegsdrohungen Nordkoreas vorausgegangen.

Südkorea und Nordkorea befinden sich formal ohnehin noch im Kriegszustand: Der Korea-Krieg wurde im Jahr 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand beendet. Nach der Verhängung neuer UN-Sanktionen gegen Nordkorea hatte das Land jüngst auch den Nichtangriffspakt mit Südkorea aufgekündigt.

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