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Kim Jong Il und Kim Jong Un

Nach dem Tod Kim Jong Ils

Der Rest der Welt hält den Atem an

Während die nordkoreanischen Staatsmedien die öffentliche Trauer um den "geliebten Führer" Kim Jong Il zelebrieren, blicken die Regierungen in Seoul, Tokio und Washington mit Sorge nach Pjöngjang. Kims Nachfolger, sein Sohn Kim Jong Un, ist politisch ein unbeschriebenes Blatt.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Nachdem der Tod von Kim Jong Il bekannt geworden ist, wird in Nordkorea öffentlich getrauert, während der Rest der Welt den Atem anhält. Die diplomatischen Drähte laufen heiß vor allem zwischen Seoul, Tokio und dem gemeinsamen Verbündeten, den USA. Worum es geht, brachte Japans Premierminister Yoshihiko Noda auf den Punkt: "Wir hoffen, dass diese unerwartete Situation den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel nicht beeinträchtigt."

In Peking liegt der Schlüssel zum Frieden

Japans Außenminister Koichiro Gemba ereilte die Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Führers ausgerechnet in Washington, wo er mit seiner Amtskollegin Hillary Clinton vereinbarte, die Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel genau zu beobachten. Mit Blick auf die so genannten Sechs-Parteien-Gespräche zur atomaren Aufrüstung Nordkoreas, die seit drei Jahren auf Eis liegen, versprach Clinton, mit ihren Amtskollegen aus Südkorea und Japan sowie aus Russland und China in Kontakt zu treten, während Gemba mit Südkorea und ebenfalls mit China reden will.

In Peking liegt der Schlüssel zum Frieden. China ist die Schutzmacht Nordkoreas und dessen einziger, aber starker Verbündeter. Der Pressesekretär der chinesischen Regierung versprach: "Die Volksrepublik China wird sich mit Nordkorea weiter darum bemühen, die Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern zu verstärken und zu entwickeln. China möchte zu Frieden und Stabilisierung auf der koreanischen Halbinsel und im nordkoreanischen Gebiet beitragen."

Alles blickt nun auf Kim Jong Un

Kim Jong Un
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Über Kim Jong Un ist wenig bekannt - ausgebildet wurde er unter anderem in Europa.

Aus diesen Äußerungen wird deutlich, dass die Lage in Nordkorea nach dem Tod des "geliebten Führers" auch aus chinesischer Sicht keineswegs stabil ist. Alles blickt seit gestern auf den weitgehend unbekannten "Großen Nachfolger", den jüngsten Sohn des Verstorbenen.

Kim Jong Un ist mit seinen vermutlich 28 Jahren zwar bereits Vier-Sterne-General, politisch aber ein unbeschriebenes Blatt. Pessimisten befürchten, der unerfahrene Jung-Politiker könnte seinen Durchsetzungswillen gegenüber der mächtigen Militärclique durch unbedachte Aktionen unter Beweis stellen wollen: Spekuliert wird über einen weiteren Atomtest oder erneute militärische Provokationen wie zuletzt die Attacken auf ein südkoreanisches Kriegsschiff und eine Insel.

Nicht von ungefähr haben Südkorea und auch Japan gestern bereits ihre Streitkräfte in Alarmbereitschaft gesetzt. Die USA, so heißt es, seien ebenfalls auf den Konfliktfall eingerichtet. Sie sind immerhin mit 28.000 eigenen Soldaten direkt an der Grenze zu Nordkorea präsent.

Ebenso gut aber könnte Kan Cholufan Recht behalten, ein nordkoreanischer Journalist, der in seiner Heimat zehn Jahre lang als so genannter Staatsverbrecher im Gefängnis saß und seit seiner Flucht für eine südkoreanische Zeitung arbeitet: "Durch den Tod von Kim Jong Il ist die Demokratisierung Nordkoreas näher gerückt. Wenn sein Nachfolger allerdings weitermacht wie bisher, ohne eine Lösung für die existenziellen Probleme, den Hunger und die Armut zu finden, dann bleibt dem Volk nichts anderes übrig, als das Regime zu stürzen."

"Wir vertrauen ganz auf Kim Jong Un"

Was bisher aus dem Volk zu hören ist, klingt allerdings nicht nach Umsturz. Stattdessen staatlich gesteuerte Trauer in vielfältiger Form, auf Knien rutschende Menschen, die den Verlust Kim Jong Ils beweinen, und sich nur trösten können durch die Ernennung des "Großen Nachfolgers": "Der Shogun war unser Himmel und unsere Sonne. Aber jetzt, nach dem Tod des geliebten Führers, vertrauen wir ganz auf Kim Jong Un. Mit General Kim Jong Un an der Spitze lassen wir uns nicht einschüchtern."

Kims Leiche ist in einem Mausoleum aufgebahrt
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Trauerende ziehen an Kims Leiche vorbei, die in einem Mausoleum aufgebahrt ist. Dort ruht auch der einbalsamierte Leichnam seines Vaters Kim Il Sung.

Stand: 20.12.2011 08:29 Uhr

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