Kim Jong Un | Bildquelle: REUTERS

Nordkorea-Konflikt "Kim wurde es zu heiß"

Stand: 15.08.2017 16:27 Uhr

In der Krise mit den USA sendet Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ein erstes Signal der Entspannung. Grund dafür könnte die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump sein. Doch in wenigen Tagen droht bereits die nächste Eskalation.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Es ist ein vorsichtiges Zeichen der Entspannung im Nordkorea-Konflikt: Er werde das Verhalten der USA "ein wenig länger" beobachten, kündigte Staatschef Kim Jong Un vor seinen Generälen an und stellte damit den angedrohten Angriff auf das US-Territorium Guam im südlichen Pazifik vorerst zurück.

Vom Eis ist die Kuh damit allerdings noch nicht. Denn Kim behält sich weiter vor, eine Rakete in die Nähe der Insel zu schießen. Sollten die USA ihre "extrem gefährlichen und rücksichtslosen Handlungen auf der koreanischen Halbinsel" fortführen, werde er eine "wichtige Entscheidung treffen", so Nordkoreas Diktator.

Kim Jong Un stellt Angriffspläne zurück
tagesschau 17:00 Uhr, 15.08.2017, Uwe Schwering, ARD Tokio

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Ein Schritt Richtung Entspannung

Beobachter sehen in Kims Worten trotzdem einen Versuch, die Situation zwischen den USA und Nordkorea zu entschärfen. "Die Aussage ist ganz eindeutig ein Schritt Richtung Deeskalation", sagt Hanns-Guenther Hilpert, Koreaexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), im Gespräch mit tagesschau.de. "Kim Jong Un hat Abstand von einem konkreten Angriffsvorhaben genommen. Damit gibt es auch keinen Grund mehr für einen US-Präventivschlag."

Hilpert glaubt, dass die markigen Worte des amerikanischen Präsidenten in den vergangenen Tagen durchaus einen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet haben könnten. "Die Nordkoreaner dachten zuletzt, dass sie allein schon durch ihre konventionelle Bewaffnung in einer Situation sind, in der sie sich alles erlauben können", so der SWP-Experte. Doch durch Trumps Unberechenbarkeit seien sich die Machthaber in Pjöngjang zuletzt nicht mehr sicher gewesen, wie die USA reagieren würden. "Ich vermute, den Nordkoreanern ist die Situation zu heiß geworden", sagt Hilpert.

Riskante Übung

Für den Moment scheint die Gefahr einer militärischen Eskalation damit gebannt. Das könnte sich jedoch schnell wieder ändern. Denn in wenigen Tagen steht eine gemeinsame Militärübung der Vereinigten Staaten und Südkoreas an - ein Ereignis, das in Pjöngjang traditionell den Blutdruck steigen lässt.

Die Übung hänge "wie ein Damoklesschwert" über der derzeitigen Lage, sagt Hartmut Koschyk, Vorsitzender der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe, im Gespräch mit tagesschau.de. Schließlich waren die gemeinsamen Manöver von Washington und Seoul in der Vergangenheit immer wieder vom nordkoreanischen Regime als Provokation aufgefasst worden.

Der Süden setzt auf Deeskalation

Als etwa im März des vergangenen Jahres amerikanische und südkoreanische Truppen im Rahmen einer achtwöchigen Übung Truppenlandungen in Nordkorea simulierten, drohte Pjöngjang dem Süden mit einer "kompromisslosen Offensive" - und versetzte die Atomstreitkräfte in Gefechtsbereitschaft.

Angesichts dieser Vorgeschichte hofft Koschyk, dass die Übung in diesem Jahr zurückhaltender ausfällt. "In der derzeitigen Situation kann man das Manöver nicht einfach absagen. Aber es kann so ausgestaltet werden, dass nicht weiteres Öl ins Feuer gegossen wird", so der CSU-Politiker. Denkbar sei etwa eine Verteidigungsübung - oder auch eine Verschiebung des Termins. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Schließlich setzt Südkoreas neuer Präsident Moon Jae In im Konflikt mit dem Norden auf Deeskalation.

Einfrieren als Chance

Langfristig hofft Koschyk auf ein abgestimmtes Vorgehen der USA und China, um zu einer Lösung im Konflikt mit Nordkorea zu kommen. Die Regierung in Peking habe kein Interesse an einer nuklear aufgerüsteten koreanischen Halbinsel, stütze das Regime in Pjöngjang jedoch weiter, da sie die Folgen eines Zusammenbruchs fürchte. Deshalb müsse ein Interessenausgleich geschaffen werden.

"Der nordkoreanischen Regierung geht es um ihr eigenes Überleben. Deshalb will sie von den USA die Versicherung, dass kein Regime-Change geplant ist", sagt der CSU-Mann. Im Umkehrschluss sei denkbar, dass Pjöngjang sein Atomprogramm auf dem jetzigen Stand einfriere und keine weiteren Atomtests durchführe. Dies sei das Best-Case-Szenario, so Koschyk. "Über den Worst-Case will ich lieber gar nicht nachdenken."

Kim Jong Un beobachtet Raketenstart | Bildquelle: AP
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Kim Jong Un beobachtet einen Raketenstart.

Wie gut sind Kims Raketen?

Tatsächlich hätte eine militärische Eskalation der Korea-Krise wohl katastrophale Auswirkungen - selbst wenn sie nicht mit Atomwaffen geführt würde. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul mit knapp zehn Millionen Einwohnern liegt in Reichweite nordkoreanischer Artillerie. Zudem sind tausende amerikanische Streitkräfte in Südkorea stationiert. Und auch das Regime in Pjöngjang würde einen Krieg kaum überstehen.

Nicht nur deshalb glaubt Robert Schmucker, dass Diktator Kim wohl auf einen Raketenabschuss vor die Küste von Guam verzichten wird. Der Professor für Weltraumtechnik und ehemalige UN-Waffeninspekteur hat Zweifel, dass Nordkorea tatsächlich in der Lage ist, eine Rakete zielgenau vor dem amerikanischen Territorium einschlagen zu lassen. "Weit schießen ist schön, aber treffen ist wichtiger", sagt Schmucker im Gespräch mit tagesschau.de. Und dass Nordkorea auch treffen kann, ist für den Raketenexperten längst nicht ausgemacht.

Sowjetische Konstruktion?

"Bei den wenigen erfolgreichen Tests der Nordkoreaner sind die Raketen bislang nur nach oben geschossen worden. Weite einzustellen, ist jedoch deutlich komplexer", erklärt er. Dazu bräuchte das Regime deutlich mehr Daten, als durch die bisherigen Tests vorhanden seien. "Wenn Kim einen präzisen Abschuss ankündigt und scheitert, steht er blamiert da", so Schmucker.

Überhaupt glaubt der ehemalige Waffenkontrolleur nicht, dass Nordkorea die Raketen selbst entwickelt habe. Die Triebwerke etwa gehen seiner Einschätzung zufolge auf sowjetische Konstruktionen aus den 1960er-Jahren zurück. Auch sonst gibt es seiner Ansicht nach gute Gründe anzunehmen, dass die nordkoreanischen Raketen Hinterlassenschaften der Sowjetunion sind. Diese könnten nach Jahrzehnten noch eingesetzt werden. Und im Zweifelsfall auch treffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2017 um 12:00 Uhr.

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Julian Heißler, tagesschau.de

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