Protest gegen UN-Sanktionen in Pjöngjang | Bildquelle: dpa

Nordkoreas Streit mit den USA "Trump erzählt völligen Unsinn"

Stand: 10.08.2017 05:24 Uhr

Nordkorea hat seine Drohung gegen die USA erneuert und Präsident Trump vorgeworfen, "vollkommenen Unsinn" zu erzählen. Das Regime präzisierte zudem den Plan einer möglichen Attacke auf Guam. US-Verteidigungsminister Mattis warnte - Pjöngjang werde ein Wettrüsten verlieren.

Die verbale Eskalation zwischen den USA und Nordkorea geht in die nächste Runde. Die Militärführung in Pjöngjang nannte die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump "vollkommenen Unsinn". "Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen", hieß es in einer Stellungnahme der Streitkräfte, aus der die nordkoreanische Staatsagentur KCNA zitierte. Offenbar erkenne Trump nicht den Ernst der Lage, hieß es weiter.

Der Befehlshaber des Raketen-Kommandos, Kim Rak Gyom, soll laut der Nachrichtenagentur AP gegenüber nordkoreanischen Staatsmedien nachgelegt haben, indem er Trumps geistige Leistungsfähigkeit mit beleidigenden Ausdrücken in Frage stellte. Trump agiere senil, während er auf dem Golfplatz sei, sagte Kim demnach. Außerdem gehe Trump Kims Soldaten "extrem auf die Nerven" mit Kommentaren, die seine "Altersschwäche" zeigten.

Nordkorea präzisiert Angriffsplan

Gleichzeitig erneuerte Nordkorea die Drohung, Raketen in Richtung der Insel Guam abzufeuern. Dort sind Tausende US-Soldaten stationiert. Bis Mitte August solle der Einsatzplan stehen, um vier Mittelstreckenraketen vom Typ Hwasong-12 auf Guam abzufeuern, berichteten staatliche nordkoreanische Medien. Der Plan werde Staatschef Kim Jong Un vorgelegt, der dann über das weitere Vorgehen entscheiden werde. Die Raketen würden 30 bis 40 Kilometer vor Guam im Meer niedergehen.

Mann fotografiert TV-Bildschirm mit Bild von Kim Jong-Un in Tokio | Bildquelle: AP
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Bild des nordkoreanischen Machthabers Kim in Tokio.

Bericht: Trump stimmte Aussage nicht ab

Damit reagiert Nordkorea auf eine bisher ungeahnt deutliche Drohung aus den USA. "Nordkorea wird mit Feuer und Wut begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat", hatte Trump gesagt, nachdem aus einem japanischen Militärbericht hervorgegangen war, dass Nordkorea beim Atomwaffenprogramm erhebliche Fortschritte macht und möglicherweise über Atomsprengköpfe verfügt.

Nach Informationen der "New York Times" hatte Trump seine Äußerungen nicht vorher mit seinem Stab abgesprochen. Der Präsident habe spontan auf eine Reporterfrage reagiert, berichtet die Zeitung. Sie stützt sich dabei auf Aussagen von Beratern Trumps. Der Präsident habe demnach vor allem ein "starkes Signal" senden wollen.

Trump löst mit seinen Äußerungen neue Eskalationsstufe aus
tagesschau 20:00 Uhr, 10.08.2017, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Tillerson moderat, Mattis kämpferisch

US-Außenminister Rex Tillerson hatte sich danach mäßigend geäußert. Bei einem Stopp auf Guam sagte Tillerson, er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen. Trump habe nur die nordkoreanische Rhetorik in gleicher Sprache beantworten wollen. Verteidigungsminister James Mattis richtete dagegen eine Warnung an Pjöngjang: "Die Demokratische Volksrepublik sollte jeden Gedanken an Handlungen aufgeben, die zum Ende ihres Regimes und zur Vernichtung ihres Volkes führen würden", sagte er. Einen Rüstungswettlauf könne Nordkorea nur verlieren.

Kräftemessen zwischen USA und Nordkorea geht weiter
tagesschau 16:00 Uhr, 10.08.2017, Uwe Schwering, ARD Tokio

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Zugleich veröffentlichte die "Washington Post" eine Einschätzung, nach der Trumps Aussage, das US-Atomwaffenarsenal sei unter seiner Präsidentschaft heute "stärker und kraftvoller als jemals zuvor", nicht der Wahrheit entspricht. "Das Atomwaffenarsenal ist dasselbe wie vor der Amtseinführung (Trumps)", zitiert das Blatt den Chef der Arms Control Association, Daryl Kimball. Demnach besteht das nukleare Arsenal der USA aus rund 1750 strategischen atomaren Sprengköpfen, die auf ballistischen Interkontinentalraketen eingesetzt werden, U-Boot-gestützten ballistischen Raketen und strategischen Kampfflugzeugen sowie rund 180 taktischen Atomwaffen auf europäischen Stützpunkten.

Südkorea hält Krisensitzung ab

Auch Südkorea vertritt eine harte Linie gegenüber seinem Nachbarn. Sollte der Norden seine "Provokationen" nicht unterlassen, werde das kommunistische Nachbarland "die harte und resolute Vergeltung der Alliierten" zu spüren bekommen, sagte der Generalstabschef der südkoreanischen Streitkräfte, Roh Jae Cheon. Am Donnerstag soll der Nationale Sicherheitsrat Südkoreas zu einer Krisensitzung zusammentreten.

Raketentests und scharfe Sanktionen

Trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland hatte Nordkorea am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Über dieses Thema berichtete am 10. August 2017 die tagesschau um 06:00 Uhr und NDR Info um 06:45 Uhr.

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