Donald Trump | Bildquelle: AFP

Nordkorea-Konflikt Druck erzeugt Gegendruck

Stand: 09.08.2017 19:27 Uhr

Die USA und Nordkorea überziehen sich gegenseitig mit Kriegsrhetorik und wecken Ängste vor einer unkalkulierbaren militärischen Eskalation. Wie gefährlich ist die Situation im Nordkorea-Konflikt? Und welche Wege aus der Krise könnte es geben?

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Mit "Feuer, Wut und Macht" will Donald Trump notfalls den jüngst bekannt gewordenen Fortschritten Nordkoreas auf dem Weg zur Atommacht begegnen. Nordkorea reagierte prompt: Mit der Androhung eines Raketenangriffs auf die US-Pazifikinsel Guam. Die Streitkräfte zögen eine solche Attacke "ernsthaft in Erwägung", meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Plan könne "jederzeit" ausgeführt werden. Doch droht tatsächlich eine militärische Eskalation im Nordkorea-Konflikt?

Studiogespräch mit Klaus Scherer, NDR, zum USA-Nordkorea-Konflikt
nachtmagazin 00:00 Uhr, 09.08.2017

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"Militärschlag wenig erfolgversprechend"

"Wir können das natürlich nicht ausschließen, ich halte es aber momentan für eher unwahrscheinlich", sagt der Korea-Experte Eric Ballbach von der Freien Universität Berlin. Aus mehreren Gründen: Zum einen hätte "ein solcher Krieg in einer der wirtschaftlich dynamischsten Weltregionen dramatische Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, denn hier überlappen sich wirtschaftliche Interessen Südkoreas, Japans, Chinas und Russlands und indirekt auch der USA und Europas", so Ballbach im Gespräch mit tagesschau.de.

Zum anderen wäre ein solcher Militärschlag aus Sicht der USA wenig erfolgversprechend, denn: "Ein Präzisionsschlag gegen Nordkoreas nukleare Infrastruktur ist sehr schwierig. Die Standorte werden natürlich geheim gehalten und dürften vor allem unterirdisch existieren, sehr tief in die nordkoreanische Gebirgslandschaft eingegraben."

Ganz abgesehen davon wäre bei einem Gegenschlag Nordkoreas mit einer großen Zahl von Todesopfern zu rechnen. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul, in der zehn Millionen Menschen leben, ist nur 47 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Auch etwa 27.000 US-Soldaten sind dort stationiert. Ein Angriff aus dieser Nähe wäre nicht gänzlich abzuwehren.

"Verbale Eskalation ernst zu nehmen"

Trotzdem birgt die Rhetorik Donald Trumps nach Einschätzung von Experten ein erhebliches Risiko. Auch der USA- und Sicherheitsexperte Marco Overhaus von der Stiftung Wissenschaft und Politik hält die Wahrscheinlichkeit eines konkreten Militärschlags zwar momentan für sehr gering. Aber: Trump habe hier faktisch so etwas wie eine rote Linie gezogen, bei deren Überschreitung er relativ unverhüllt mit Krieg drohe. "Da aber nicht zu erwarten ist, dass Nordkorea sein Nuklearprogramm oder die Raketentests einstellt, könnte Trump vor der Wahl stehen, entweder seine Glaubwürdigkeit zu verlieren oder einem Militärschlag zuzustimmen." Die aktuelle verbale Eskalation sei deshalb sehr ernst zu nehmen.

Konflikt zwischen den USA und Nordkorea verschärft sich
tagesthemen 23:00 Uhr, 09.08.2017, Claudia Buckenmaier, ARD Washington

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Von den Fortschritten, die Nordkorea in sehr kurzer Zeit sowohl bei seinem Nuklearprogramm als auch beim Raketenprogramm gemacht hat, wurden selbst viele Beobachter überrascht. Nordkorea ist nach Erkenntnissen der USA und Japans inzwischen in der Lage, seine Raketen mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken - auch Interkontinentalraketen. Dass Nordkorea damit bereits das Festland der USA erreichen könnte, halten Experten für eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

"Sanktionen haben noch nie geholfen"

Lösungsvorschläge, um diese Krise zu entschärfen, sind allerdings nicht leicht zu finden. Barack Obamas Ansatz der "strategischen Geduld", also letztlich des Hoffens auf einen Kollaps des Landes, habe sich nicht bewährt, meint Eric Ballbach. Genauso wenig wie der Versuch, Druck auf das Land auszuüben. "Trotz aller Sanktionen ist die nordkoreanische Wirtschaft im Jahr 2016 nach konservativen Schätzungen um vier bis fünf Prozentpunkte gewachsen. Und Chinas Handel mit Nordkorea stieg im ersten Quartal 2017 um 37 Prozentpunkte."

Selbst als in den 1990er-Jahren eine schwere Hungersnot das Land heimgesucht habe, bei der zehn Prozent der Bevölkerung gestorben sei, habe es keinen internen Widerstand gegeben. "Seit mehr als einem halben Jahrhundert gibt es Sanktionen gegen Nordkorea und das Ergebnis ist nicht der Abbau, sondern der Fortschritt des Atomprogramms", so Ballbach. Sanktionen allein seien also keine Lösung. Und eine Rhetorik des Säbelrasselns, wie sie derzeit von Donald Trump zu hören ist, erst recht nicht.

"Fortschritte nur durch Diplomatie"

Er sieht den einzig gangbaren Weg in der Diplomatie - womöglich kombiniert mit Sanktionen. "In der Geschichte der Beziehungen zu Nordkorea wurden Fortschritte immer nur durch Diplomatie erzielt. Druck führte nur zu Gegendruck." Wie genau ein Weg der Diplomatie aber aussehen könnte, ist schwer zu sagen.

Durch die verbale Eskalation haben US-Präsident Trump und Staatschef Kim Jong Un sich in eine Ecke manövriert, aus der so leicht kein Herauskommen ist. Eric Ballbach ist sich sicher, dass eine Lösung nur durch einen sukzessiven Prozess des Gebens und Nehmens funktionieren kann, bei dem beide Seiten Zugeständnisse machen.

Kim Jong Un | Bildquelle: AP
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Durch die verbale Eskalation haben US-Präsident Trump und Staatschef Kim Jong Un sich in eine Ecke manövriert, aus der so leicht kein Herauskommen ist.

Verhandlungen auf Arbeitsebene

"Solche Verhandlungen müssten zunächst auf einer Arbeitsebene ansetzen, und nicht gleich auf der Ebene von Ministern und Staatsmännern. Dafür gäbe es meines Erachtens auch in den USA momentan innenpolitisch keine Rückendeckung." Ein wichtiger Schritt wäre schon erreicht, wenn Nordkorea sicherstellen würde, Teile des nuklearen Arsenals, beziehungsweise das damit verbundene Know How nicht an andere Länder weiterzugeben. Das werde es aber nicht ohne Gegenleistungen tun.

Auch Marco Overhaus von der Stiftung Wissenschaft und Politik hält zunächst einmal "ein Abrüsten der Worte" für notwendig. Vielleicht gebe es mehr Spielraum als es angesichts der harschen Rhetorik derzeit erscheint. "Die Spannung ist zwar so groß wie lange nicht, aber auch in der Vergangenheit gab es häufiger schwierige Situationen, bei denen die Wogen am Ende doch wieder geglättet werden konnten."

Black Box: Donald Trump

Für die USA stellt sich die Frage, ob man nicht auch mit einem nordkoreanischen Regime leben könne, das die USA auch direkt nuklear bedrohen könne, so Overhaus. "Donald Trump hat sich diese Debatte freilich bislang nicht zu Eigen gemacht, aber denkbar wäre durchaus, ob man nicht - wie bei anderen Staaten auch - auf gegenseitige Abschreckung setzen kann."

Säße im Weißen Haus ein anderer Präsident, wäre die Lage mutmaßlich zumindest ein wenig kalkulierbarer. "Was uns im Falle Donald Trumps so nervös werden lässt, ist, dass er keinerlei Erfahrung in einer politischen Bedrohungslage wie dieser hat", sagt USA-Expertin Sylke Tempel gegenüber tagesschau.de. Er habe den Übergang von der Geschäftswelt, in der es üblich sei, auch mal auf den Tisch zu hauen, hin zur internationalen Diplomatie noch nicht geschafft. "Er hat sicherlich Experten und Berater um sich herum, die die Situation gemäßigter angehen. Ob die allerdings am Ende zu ihm durchdringen werden, kann niemand wissen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2017 um 16:00 Uhr.

Autorin

Sandra Stalinski  Logo tagesschau.de

Sandra Stalinski, tagesschau.de

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