US-Außenminister Tillerson bei einer Pressekonferenz mit Kanadas Außenministerin Freeland | Bildquelle: AFP

Nordkorea-Treffen Gesprächstherapie für Kims Gegner

Stand: 16.01.2018 03:52 Uhr

Der Druck auf Nordkorea soll wachsen. 18 Staaten beraten heute auf Einladung der USA und Kanadas über Wege zu diesem Ziel. Weil aber China und Russland fehlen, mutet das Treffen wie eine Gesprächstherapie an.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

"Die USA werden Pjöngjang nicht erlauben, die Welt als Geisel zu nehmen." Das ist die Ausgangslage, wenn heute US-Außenminister Rex Tillerson als Gastgeber neben Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland in Vancouver an Kanadas Pazifikküste steht. Es ist eine Stadt, die der Regierung in Pjöngjang zufolge in der Reichweite nordkoreanischer Raketen liegt.

"Ministertreffen über Sicherheit und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel" heißt die Konferenz der Außenminister offiziell. Sie dient aber eigentlich nur einem Ziel: Wie zieht die Welt die Daumenschrauben für Nordkorea weiter an?

Mit Druck den Weg zu Gesprächen ebnen

Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un winkt applaudierenden Männern zu | Bildquelle: REUTERS
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un muss keine konkreten Folgen des Treffens in Vancouver fürchten.

"Wir glauben, es wird erfolgreich sein. Die internationale Druckkampagne wird den Weg zu Gesprächen ebnen", so Kanadas Außenministerin Freeland. Maximaler Druck auf Nordkorea - darum soll es ihr zufolge ab heute gehen.

Die USA und Kanada haben eingeladen. 18 Nationen, darunter Großbritannien, Japan, Südkorea und Frankreich kommen. Auf der Tagesordnung stehen die Instrumente, um maximalen Druck aufzubauen: mehr Sanktionen, komplette Umsetzung der bestehenden - verbunden mit diplomatischen Lösungen bei Wohlverhalten. Zuckerbrot und Peitsche eben.

Brian Hook aus dem amerikanischen Außenministerium sagt schon jetzt, das Rezept funktioniere: "Es gibt deutliche Hinweise, dass die maximale Druckkampagne Auswirkungen in Nordkorea hat. Das Land fühlt die Konsequenzen und wir glauben, dass die Kampagne der beste Weg ist, Kim Jong-Un an den Verhandlungstisch zu bringen."

Russland und China fehlen

Das heutige Treffen hatten die Gastgeber USA und Kanada im Dezember vereinbart, einen Tag nach der jüngsten Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates über Nordkorea. Schon damals hatte Tillerson im Sicherheitsrat folgende Botschaft formuliert: "Nordkorea muss alle Bemühungen für das eigene Atomprogramm aufgeben, bevor es Gespräche gibt. Nordkorea muss sich den Weg an den Verhandlungstisch verdienen."

Mit am Tisch in Vancouver sitzen zwei Gastgeber und 18 Staaten. Darunter sind alle Länder, die damals am Koreakrieg beteiligt waren und als sogenannte Sendestaaten nach dem Waffenstillstand 1953 Truppen stellten. Ausgerechnet China und Russland aber kommen nicht. China als letzter Verbündeter Nordkoreas, Russland als das Land, das sich zuletzt als Vermittler anbot. Sie wurden zu dem Treffen erst gar nicht eingeladen, erhalten aber, so das US-Außenministerium, nachher immerhin eine Abschrift des Protokolls.

Mehr Symbolik als konkrete Folgen

Wie erfolgreich aber kann eine breite multilaterale Front ohne Russland und China sein? Zuletzt hatte es erneut Berichte über Treibstofflieferungen Chinas an Nordkorea gegeben. Auch deshalb werde heute offen über eine Seeblockade und das mögliche Abfangen von unerlaubten Schiffsladungen gesprochen, so der Experte des amerikanischen Außenministeriums.

Unmittelbare Auswirkungen des Treffens erwartet dennoch kaum jemand. Selbst der südkoreanische Botschafter in Kanada sagt, Nordkorea werde weiter am Atomprogramm arbeiten. Aber in Vancouver gehe es eben auch um ein Zeichen, dass die ganze Welt zusammenstehe. Zumindest fast die ganze Welt. China und Russland müssen danach ja das Protokoll lesen. 

18 Staaten beraten über Umgang mit Nordkorea
Georg Schwarte, ARD New York
16.01.2018 13:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2018 um 05:16 Uhr.

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