Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: dpa

Abschuss Richtung Japan Nordkorea testet erneut Rakete

Stand: 28.07.2017 19:47 Uhr

Nordkorea hat erneut eine Rakete gestartet. Das Geschoss soll etwa 45 Minuten in der Luft gewesen und zwischen der koreanischen Halbinsel sowie Japan im Meer gelandet sein. Das Pentagon sprach von einer Interkontinentalrakete. Japan und Südkorea beriefen ihre Nationalen Sicherheitsräte ein.

Nordkorea hat nach japanischen Angaben erneut eine Rakete abgefeuert und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen. Das Geschoss sei möglicherweise innerhalb der 200-Meilen-Zone Japans ins Meer gestürzt, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Nach US-Angaben handelte es sich um eine Interkontinentalrakete. Sie sei etwa tausend Kilometer weit geflogen, teilte das Pentagon mit. Erst Anfang Juli hatte das Land eine Interkontinentalrakete abgefeuert, die vor Japan ins Meer stürzte

Japan protestiere aufs Schärfste gegen das Vorgehen Nordkoreas. Abe berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein. "Wir werden die Information sofort analysieren und unser Äußerstes tun, um die Sicherheit des japanischen Volkes zu schützen", sagte er. Der japanische Sender NHK meldete, die Küstenwache habe eine Sicherheitswarnung an Flugzeuge und Schiffe herausgegeben.

Der japanische Kabinettschef Yoshihide Suga sagte, die Rakete sei rund 45 Minuten lang geflogen. Er kritisierte den Raketentest als nicht hinnehmbar und als klaren Verstoß gegen die UN-Resolutionen.

Start um kurz vor Mitternacht

Nach südkoreanischen Militärangaben wurde die Rakete kurz vor Mitternacht Ortszeit gestartet. Sie sei in der nordkoreanischen Provinz Jangang abgefeuert worden und vor der Ostküste der koreanischen Halbinsel ins Meer gestürzt. Auch Südkoreas Präsident Moon Jae In berief den Nationalen Sicherheitsrat zu einer Sitzung ein.

Die internationale Gemeinschaft hatte den neuen Raketentest seit Tagen erwartet, an Nordkoreas Raketentestgelände waren verstärkte Aktivitäten beobachtet worden. Vor wenigen Tagen hatte das Pentagon angekündigt, es erwarte einen Raketenstart um den 27. Juli herum - an diesem Tag jährte sich das Waffenstillstandsabkommen auf der koreanischen Halbinsel zum 64. Mal.

Videostill vom angeblichen Raketenstart in Nordkorea | Bildquelle: dpa
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Das Standbild eines Videos des nordkoreanischen Fernsehsender KRT von Anfang Juli soll den mutmaßlichen Start einer Interkontinentalrakete mit hoher Reichweite vom Typ Hwasong-14 zeigen.

Tests in bislang nie dagewesener rascher Folge

Nordkorea hat wiederholt Raketen getestet und damit gegen Resolutionen der Vereinten Nationen (UN) verstoßen. Die internationalen Vereinbarungen verbieten es Nordkorea, Raketen zu entwickeln oder zu testen. Die UN haben deshalb Sanktionen gegen das Land verhängt. Dennoch hat die Führung in Pjöngjang vor allem seit Anfang vergangenen Jahres zahlreiche Raketen in bislang nie dagewesener rascher Folge getestet.

Auch zwei der insgesamt fünf Atomtests fanden in diesem Zeitraum statt. Das Ziel Nordkoreas ist es, eine Langstreckenrakete zu entwickeln, die mit einem Nuklearsprengkopf das US-Festland erreichen kann.

Anfang Juli testete der Staat eine Rakete, die nach nordkoreanischen Angaben dazu in der Lage ist, weil sie bis Alaska fliegen könnte. Unklar war, ob sie auch einen Atomsprengkopf tragen kann. Experten zufolge ist Nordkorea noch Jahre davon entfernt, eine Interkontinentalrakete mit einem atomaren Sprengkopf bestücken zu können.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juli 2017 um 18:00 Uhr.

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