Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beobachtet den Start einer Rakete | Bildquelle: REUTERS

Nordkorea startet Weltraumrakete Allein gegen alle

Stand: 07.02.2016 17:45 Uhr

Nordkorea hat mit dem Start einer Langstreckenrakete weltweit Empörung ausgelöst. Die Sorge ist, dass Pjöngjang eine solche Rakete auch atomar bestücken könnte. Selbst China "bedauerte" die Aktion. Der UN-Sicherheitsrat berät zur Stunde in einer Sondersitzung.

Nordkorea hat mit dem Start einer Langstreckenrakete weltweit für Empörung gesorgt. Die USA verurteilten die Aktion als "destabilisierend und provokativ". Zudem sei er eine "schamlose Verletzung" zahlreicher UN-Resolutionen. Zugleich setzten sich die Vereinigten Staaten für "ernste Konsequenzen" ein, erklärte US-Sicherheitsberaterin Susan Rice in Washington.

Nordkorea hatte am Sonntag eine Weltraumrakete gestartet. Nach Angaben des Regimes brachte die Rakete einen Satelliten auf eine Erdumlaufbahn. Länder wie Südkorea und die USA sehen darin einen verdeckten Test einer atomar bestückbaren Interkontinentalrakete. Am 6. Januar hatte Nordkorea die Zündung einer Wasserstoffbombe verkündet und damit bereits weltweit Empörung hervorgerufen.

US-Außenminister John Kerry kündigte an, dass die USA mit ihren Partnern und Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates weiter an "bedeutenden" Maßnahmen arbeiten, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen. "Die Zeit ist jetzt gekommen, das entschlossen und vereint zu tun", erklärte Kerry.

Mehrere Staaten drohen Nordkorea nach Raketenstart mit Konsequenzen
tagesschau 13:15 Uhr, 07.02.2016, Uwe Schwering, ARD Tokio

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"Tief beklagenswert"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Aktion scharf. "Der Raketenstart ist eine verantwortungslose Provokation, die völkerrechtlich bindende Resolutionen des UN-Sicherheitsrats missachtet und die regionale Sicherheit zum wiederholten Male aufs Spiel setzt", kritisierte er. Das Land habe sich damit erneut über die Warnungen der internationalen Gemeinschaft hinweggesetzt. Diese offene Herausforderung dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Der UN-Sicherheitsrat tagt zurzeit in New York. Der Raketenstart verletze bestehende Resolutionen des Sicherheitsrats und sei "tief beklagenswert", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Auch Russland verurteilte den Start der Langstreckenrakete als Verstoß gegen internationale Vereinbarungen. "Solche Handlungen führen zu einer Verschärfung auf der koreanischen Halbinsel und im Nordosten Asiens", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. "Wir sind gezwungen festzustellen, dass Nordkorea ein weiteres Mal internationales Recht provokativ missachtet hat."

"Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Welt"

In Tokio sagte ein japanischer Regierungssprecher, der Raketenstart sei eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit der Welt. Man werde beim Regime in Pjöngjang vehement protestieren. Ministerpräsident Shinzo Abe übte ebenfalls scharfe Kritik und sprach von einem Verstoß gegen UN-Resolutionen. Japan habe jedoch nichts unternommen, um die Rakete abzufangen, hieß es von Seiten des Verteidigungsministeriums in Tokio. Japan unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea.

Auch aus Brüssel verlautete Kritik. Es handle sich um eine weitere schwere Verletzung der internationalen Verpflichtungen des Landes, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Zusammen mit dem "extrem schwerwiegenden und illegalen Atomtest" vom 6. Januar stelle dies eine "unmittelbare Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit in der Region und darüber hinaus" dar. Sie rief die Regierung in Pjöngjang zum Dialog auf.

Sogar China, Nordkoreas wichtigster Verbündeter, "bedauerte" den Start der Langstreckenrakete. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Regierung in Peking hatte Pjöngjang zuvor mehrfach vergeblich zur Zurückhaltung aufgefordert, um die Spannungen in der Region nicht weiter eskalieren zu lassen.

Südkorea verhandelt mit USA über Abfangraketen

Südkorea kündigte den Beginn offizieller Gespräche mit den USA über die umstrittene Lieferung amerikanischer Abfangraketen an. Beide Länder hätten sich darauf geeinigt, über die Möglichkeit der Aufstellung von Raketen des Typs THAAD durch die US-Streitkräfte in Südkorea zu reden, teilte das Verteidungsministerium in Seoul mit. 

Die Ankündigung dürfte vor allem China und Russland beunruhigen, die strikt gegen eine Aufstellung von THAAD-Raketen in Südkorea sind und diese als Bedrohung ansehen. Der nordkoreanische Atomtest im Januar und der Raketentest am Sonntag hätten gezeigt, dass ein solches Abfangsystem in Südkorea nötig sei, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Seoul. Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten als Abschreckung stationiert. Die Raketen des Typs THAAD wurden für das Abfangen ballistischer Kurz- und Mittelstreckenraketen entwickelt.  

Nordkorea zündet Langstreckenrakete
J. Hanefeld, ARD Tokio
07.02.2016 09:34 Uhr

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