Männer in Uniform vor dem neuen Wohnblock in Pjöngjang | Bildquelle: REUTERS

Nordkorea Ein Wohnblock und atomare Drohungen

Stand: 13.04.2017 14:15 Uhr

Tausende Nordkoreaner haben in Pjöngjang die Einweihung eines neuen Wohnkomplexes bejubelt. Das neueste Prestigeprojekt wurde pünktlich zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung fertigstellt. Anlässlich der Feierlichkeiten fürchten Experten einen weiteren Atomwaffentest.

Inmitten der Spannungen wegen Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm hat Machthaber Kim Jong Un einen neuen Wohnkomplex in der Hauptstadt Pjöngjang feierlich eingeweiht. In Anwesenheit Zehntausender Funktionäre und Bürger durchschnitt er das rote Band vor den neuen Hochhäusern mit rund 5000 Wohnungen. Eine Rede hielt er nicht. Stattdessen bedankte sich Ministerpräsident Pak Pong Ju bei dem Machthaber für seine "weise" Führung. Das Projekt sei ein Beweis für den "Geist unseres Volks und der Armee", die stets um jeden Preis die Anweisungen der Partei umsetzten, sagte Pak.

Kims neuestes Prestigeprojekt, das die Modernität des isolierten Landes zeigen soll, besteht aus mehreren Hochhäusern von unterschiedlicher Höhe und Form. Eines der Wohngebäude ist mit 70 Stockwerken das höchste von Pjöngjang. Seine Penthouse-Wohnungen geben den Blick auf die Stadt und ihre Umgebung frei. Sie sind mit grünen Tapeten und violetten Sofas ausgestattet - haben aber kein Warmwasser.

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Kim Jong Un eröffnet Wohnhauskomplex

Zehntausende auf dem Weg zur Eröffnung des neuen Wohnblocks

Zehntausende Nordkoreaner kommen zur Eröffnung des neuen Wohnhauskomplex in Pjöngjang. | Bildquelle: AP

Ein Zeitrahmen von einem Jahr

Der Bau hat mit rasantem Tempo stattgefunden. In einem Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr wurden sämtliche Gebäude errichtet. Lediglich im vergangenen Herbst wurden die Arbeiten kurz unterbrochen. Aufgrund von Überflutungen im Nordosten Nordkoreas mussten Ressourcen dorthin vorübergehend für den Wiederaufbau von Häusern umgeleitet werden.

Die nordkoreanische Führung hatte versprochen, das Prestigeprojekt bis zum 105. Geburtstag von Kims verstorbenem Großvater, Staatsgründer Kim Il Sung, fertigzustellen, der am kommenden Samstag gefeiert wird. Die nordkoreanische Führung verbindet historische Bauprojekte gerne mit wichtigen Terminen. So war 2015 eine neue Straße zum 65. Jahrestag der Gründung der regierenden Arbeiterpartei gebaut worden.

Startklarer atomarer Sprengsatz?

US-Experten befürchten, dass das stalinistisch geführte Land anlässlich der Geburtstagsfeier auch seine militärische Stärke zeigen will, indem es erneut eine Atomwaffe testet. Nach Angaben der Gruppe "38 North" von Baltimores Johns-Hopkins-Universität zeigen aktuelle Satellitenbilder verdächtige "Aktivitäten" auf dem Testgelände Punggye Ri. Laut US-Auslandssender Voice of America wurde bereits ein atomarer Sprengsatz in einen Tunnel geschoben. Er könnte demnach am Samstagmorgen nordkoreanischer Zeit gezündet werden.

Wegen der anhaltenden verbotenen Tests herrschen zwischen Pjöngjang und Washington derzeit scharfe Spannungen. US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach damit gedroht, das nordkoreanische Atomprogramm notfalls im Alleingang zu stoppen. Am Wochenende entsandte Washington als Demonstration der Stärke eine Flugzeugträgergruppe in Richtung der Koreanischen Halbinsel.

Auch Japan fühlt sich von Nordkorea zunehmend bedroht. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sagte vor einem Parlamentsausschuss zur nationalen Sicherheit und Diplomatie, Nordkorea sei möglicherweise bereits dazu in der Lage, eine mit dem Nervengas Sarin geladene Rakete in Richtung Japan abzufeuern. Sarin soll auch bei dem jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien eingesetzt worden sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. April 2017 um 23:22 Uhr

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