Kim Jong Nam auf dem Flughafen in Peking (Aufnahme aus dem Jahr 2010) | Bildquelle: AP

Malaysia Zweite Verdächtige nach Kim-Tod festgenommen

Stand: 16.02.2017 08:56 Uhr

Nach dem Tod des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Malaysia hat die Polizei eine zweite Verdächtige festgenommen. Trotz der laufenden Ermittlungen soll der Leichnam von Kim Jong Nam an Nordkorea übergeben werden.

In Malaysia ist nach dem Tod des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un eine zweite Verdächtige festgenommen worden. Die 25-jährige Frau ist im Besitz eines indonesischen Passes, wie die Polizei mitteilte.

Verdächtige in Untersuchungshaft

Polizeifoto mit einer Verdächtigem nach dem Tod von Kim Jong Nam | Bildquelle: AP
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Bilder einer Überwachungskamera am Flughafen sollen eine der Verdächtigen zeigen. (Aufnahme vom 15.02.2017)

Die Ermittler verhörten sie zusammen mit einer bereits am Mittwoch festgenommenen ersten Verdächtigen. Die 28-jährige Frau im Besitz eines vietnamesischen Passes war am Flughafen von Kuala Lumpur gefasst worden, wo Kim Jong Nam am Montag getötet worden war. Wie der Polizeichef des Bundesstaats Selangor, Abdul Samah Mat, der Nachrichtenagentur AFP sagte, ordnete das Gericht für beide Frauen zunächst sieben Tage Untersuchungshaft an.

Übergabe der Leiche an Nordkorea

Kims Leiche wurde am Mittwoch in einem Krankenhaus in Kuala Lumpur obduziert. Anschließend kündigte Malaysias Vize-Regierungschef Ahmad Zahid Hamidi an, die Leiche an Nordkorea zu übergeben. Malaysia komme damit einem Wunsch der Regierung in Pjöngjang nach, die Ermittlungen würden aber fortgesetzt. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hatte Nordkorea der Obduktion widersprochen. Nordkoreanische Botschaftsmitarbeiter waren in der Gerichtsmedizin zugegen.

Kim Jong Nam war am Montag im Flughafen von Kuala Lumpur offenkundig Opfer eines Anschlags geworden. Er hatte sich nach Polizeiangaben auf dem Weg von Malaysia in die chinesische Sonderverwaltungszone Macau befunden, als er in dem Terminal zusammenbrach. Bevor er auf dem Weg ins Krankenhaus starb, soll er angegeben haben, er sei mit einer Chemikalie besprüht worden.

Verschiedene Attentats-Versionen

Allerdings kursieren auch andere Versionen von dem Attentat. So heißt es, Kim sei mit einem mit Flüssigkeit getränkten Tuch oder mit präparierten Nadeln beziehungsweise Giftspritzen attackiert worden. Südkoreas Geheimdienst geht davon aus, dass nordkoreanische Agentinnen Kim Jong Nam vergiftet haben. Auch in den USA vermuten Experten, dass nordkoreanische Agenten hinter der Tat steckten.

Der ältere Halbbruder von Kim Jong Un verbrachte viel Zeit im Ausland und hatte sich öffentlich kritisch über die Führungsqualitäten seines jüngeren Halbbruders geäußert. Beide haben denselben Vater, den früheren nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il, aber unterschiedliche Mütter. Ursprünglich hatte Kim Jong Nam als Nachfolger seines Vaters gegolten. Doch nachdem er 2011 am Flughafen Tokio mit einem gefälschten Pass aufgegriffen worden war und erklärt hatte, er habe Disneyland Tokio besuchen wollen, war er offenbar in Ungnade gefallen.

Flucht ins Ausland

Danach kehrte er Nordkorea den Rücken und lebte vor allem in Singapur und Macau. Wiederholt hatte es Gerüchte gegeben, sein Halbbruder trachte ihm nach dem Leben. 2012 wurde in Südkorea ein Spion verhaftet, der angab, mit einem Mordauftrag für Kim Jong Nam aus Pjöngjang gekommen zu sein. Südkoreas Geheimdienstchef Lee Byung Ho sagte vor Abgeordneten in Seoul, das Regime in Pjöngjang habe seit fünf Jahren versucht, Kim Jong Nam aus dem Weg zu räumen.

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un soll in den vergangenen Jahren mehrmals Menschen aus seinem politischen und familiären Umfeld aus dem Weg geräumt haben. Unter anderem ließ er 2013 seinen Onkel Jang Song Thaek wegen angeblichen Verrats hinrichten.

Mit Informationen von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2017 um 08:00 und 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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