Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres | Bildquelle: REUTERS

UN beraten über Nordkorea Guterres warnt vor Weltkrieg

Stand: 06.09.2017 05:06 Uhr

Wie umgehen mit den Provokationen aus Nordkorea? UN-Generalsekretär Guterres mahnt zur Vorsicht. Er verweist auf den ersten Weltkrieg, wie schnell alles ging. Er wolle selbst vermitteln, doch dafür brauche es die Bereitschaft von allen Seiten.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Antonio Guterres, der UN-Generalsekretär und die Philosophie der Kriege. Alle, sagt Guterres, der eigentlich über Nordkorea reden will, alle erinnerten sich doch noch, wie der Erste Weltkrieg begann. Guterres verweist auf das Buch "Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog."

Der Generalsekretär hat die Lektüre eben dieses Buches im Kopf, als er sich an die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates wendet: "Wenn man sich die Geschichte des Ersten Weltkrieges anschaut. passierte alles Schritt für Schritt. Die eine Partei tat dieses, die nächste reagierte mit jenem. Und plötzlich stellten alle fest: Wir sind im Krieg." Dieses Risiko müsse in Bezug auf Nordkorea unbedingt vermieden werden, warnt Guterres.

Streit über mögliche Sanktionen

Aber das Risiko scheint da. Die Rhetorik wird kriegerischer, nachdem Nordkorea seinen sechsten Atomtest seit 2006 durchgeführt hat. Der nächste Test einer Interkontinentalrakete ist möglicherweise bereits in Planung. Die Drohung mit Nuklearwaffen klingt zunehmend real.

So real, dass Guterres, der Mann, der zuletzt gern die Hintertür-Diplomatie pflegte, jetzt deutlich wird: Konfrontative Rhetorik könnte zu unbeabsichtigten Konsequenzen führen, die Lösung müsse eine politische sein. Aber während die westliche Welt neue, noch härtere Sanktionen will, allen voran die USA, winken die Russen und wohl auch die Chinesen bisher ab.

Sanktionen, sie seien keine Lösung, sagt der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia nur Stunden vor dem Auftritt des UN-Generalsekretärs. "Wir haben gesehen, dass Sanktionen eben nicht funktioniert haben", sagt Nebensia. Darum sei die für Montag angesetzte Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über weitere Strafmaßnahmen "etwas verfrüht".

Nordkorea droht weiter

Vor allem die USA pochen auf weitere Sanktionen. Das Regime in Pjöngjang warf der amerikanischen Regierung darum vor, eine feindselige Politik und dazu eine "hektische Sanktionskampagne" zu führen, auf die man mit "unserer eigenen Art der Gegenoffensive antworten" werde, hieß es von einem Ministeriumssprecher in den nordkoreanischen Staatsmedien.

Aber wenn keine neuen Sanktionen - was soll funktionieren? Die Schweiz hat jetzt angeboten, vermitteln zu wollen und Gespräche zwischen Nordkorea, den USA und allen anderen Beteiligten zu moderieren.

Guterres bietet sich als Vermittler an

Und noch einer, der UN-Generalsekretär persönlich, bietet jetzt an, vermitteln zu wollen. Zu reisen, Türen zu öffnen. Dialog statt Krieg. Er wisse, sagt Guterres, der Einfluss der UN sei begrenzt, die Mittel der UN limitiert, aber er stehe zur Verfügung. Verhandlungen, fügt Guterres hinzu, könne es aber nur geben, wenn die Parteien auch verhandeln wollten.

Der UN-Generalsekretär als Vermittler in der Nordkorea-Krise? Was auch immer funktioniert, sagt Guterres. Man müsse reden und reden und verhandeln. Die Auswirkungen eines militärischen Konfliktes, sie seien schlicht zu grauenhaft.

Nordkorea - schleichender Weg in den Weltkrieg?
Georg Schwarte, ARD New York
05.09.2017 23:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2017 um 20:00 Uhr.

Darstellung: