Kim und Moon reden bei einem Spaziergang | Bildquelle: REUTERS

Vor USA-Nordkorea-Treffen Nordkorea sagt Gespräche mit Süden ab

Stand: 16.05.2018 04:19 Uhr

Wenige Wochen vor dem USA-Nordkorea-Gipfel kommen die Friedensgespräche ins Stocken. Grund soll ein geplantes Militärmanöver Südkoreas mit den USA sein - Nordkorea droht offenbar zudem mit einer Absage des Trump-Treffens.

Nordkorea hat laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap mit der Absage des Gipfeltreffens zwischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump gedroht. Zudem sagte Pjöngjang für heute geplante hochrangige Gespräche mit Südkorea ab. Das berichtete Yonhap unter Berufung auf die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Pjöngjang reagierte dem Bericht zufolge auf das alljährliche Militärmanöver "Max Thunder", an dem Streitkräfte Südkoreas und der USA teilnehmen. An der zweiwöchigen Luftverteidigungsübung, die am Freitag begann, nehmen nach Berichten südkoreanischer Medien etwa 100 Kampfflugzeuge teil.

Südkorea bedauert die Absage

Diese Übung verletze die gemeinsamen Vereinbarungen von Süd- und Nordkorea nach dem Gipfeltreffen vom 27. April und sei eine vorsätzliche militärische Provokation, hieß es in dem Bericht der KCNA. "Die Vereinigten Staaten werden sorgfältige Überlegungen anstellen müssen über das Schicksal des geplanten nordkoreanischen Gipfeltreffens."

Südkorea bedauerte die Absage der Versöhnungsgespräche. Das Vereinigungsministerium in Seoul rief das Nachbarland auf, so früh wie möglich Gespräche zu führen, die "dem Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel" dienten. Die Regierung sei entschlossen, die gemeinsame Erklärung des bilateralen Gipfeltreffens umzusetzen.

Gespräche auf hoher Ebene

Die für heute geplanten Gespräche auf hoher Ebene sollten auf der südlichen Seite des Waffenstillstandsdorfes Panmunjom stattfinden, um Folgemaßnahmen zu dem Gipfeltreffen der beiden koreanischen Führer im vergangenen Monat zu diskutieren.

Das Treffen zwischen Kim Jong Un und Trump, das erste direkte zwischen den Staatschefs Nordkoreas und den USA, soll hingegen am 12. Juni in Singapur stattfinden und hatte Hoffnungen auf eine Lösung des Atomkonflikts genährt.

US-Regierung reagiert zurückhaltend

Das Weiße Haus reagierte zurückhaltend. "Wir sind uns des Medienberichts aus Südkorea bewusst. Die Vereinigten Staaten werden prüfen, was Nordkorea unabhängig davon gesagt hat", erklärte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Man werde sich weiter eng mit den Verbündeten abstimmen.

Die USA sehen keinen Anlass zur Kursänderung: "Wir machen weiter und treiben die Planungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim Jong Un voran", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Die Militärübungen stellten keinesfalls eine Provokation dar. "Das sind Dinge, die wir auf der ganzen Welt machen", sagte Nauert. Das Verteidigungsministeriums erklärte, die Übungen seien lange angekündigt gewesen, es handele sich um regelmäßige Frühlingsmanöver.

Konflikt existiert schon lange

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea schwelt seit Jahrzehnten. Der Krieg (1950-1953) zwischen dem kommunistischen Nordkorea und der Republik Südkorea mit mehreren Millionen Toten zementierte die Spaltung. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht - zuletzt standen die Zeichen aber auf Wandel.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. Mai 2018 um 22:15 Uhr.

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