Mehrere Personen verfolgen eine TV-Übertragung über Nordkoreas Raketentest. | Bildquelle: REUTERS

Nach Nordkoreas Raketentest USA kündigen weitere Sanktionen an

Stand: 29.11.2017 16:35 Uhr

US-Präsident Trump will schnell handeln. Noch heute sollen weitere "bedeutende Sanktionen" gegen Nordkorea verhängt werden. Das Land hatte zuvor offenbar einen neuen Raketentyp erfolgreich getestet. Pjöngjang sieht sich nun in der Lage, das gesamte US-Territorium anzugreifen.

Nach dem jüngsten Raketenabschuss durch Nordkorea hat US-Präsident Donald Trump neue Sanktionen gegen das Land angekündigt. Noch heute würden "zusätzliche bedeutende Sanktionen" gegen Pjöngjang verhängt, gab Trump über Twitter bekannt. Nordkorea hatte zuvor allen internationalen Warnungen zum Trotz seine bisher weitreichendste Interkontinentalrakete getestet.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Just spoke to President XI JINPING of China concerning the provocative actions of North Korea. Additional major sanctions will be imposed on North Korea today. This situation will be handled!

Die nordkoreanische Führung selbst gab an, einen neuen Typ - die Interkontinentalrakete Hwasong-15 - erfolgreich getestet zu haben. Das Land sehe sich nun zu Angriffen auf das gesamte Territorium der USA in der Lage, hieß es in einer in staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. Hwasong-15 könne mit einem großen Sprengkopf bestückt werden. Damit habe Nordkorea sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden. Die Rakete flog nach Darstellung der südkoreanischen Streitkräfte von Pyongsong nahe der Hauptstadt Pjöngjang in Richtung Osten.

Nordkorea kann mit neuer Rakete US-Festland erreichen
tagesschau 20:00 Uhr, 29.11.2017, Uwe Schwering, ARD Tokio

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Zehnmal höher als die ISS

Nach Angaben von US-Verteidigungsminister James Mattis wurde die Rakete um 17.17 Uhr MEZ abgefeuert und flog so hoch wie keine vor ihr. Allerdings habe der Raketentest "keine Gefahr für Nordamerika, unsere Gebiete oder unsere Verbündeten dargestellt". Die große Flughöhe und die demonstrierte potenzielle Reichweite deuten aber auf neue Fortschritte Nordkoreas bei der Entwicklung seiner Raketentechnologie hin.

Südkoreas Militär berichtete, die Rakete sei 4500 Kilometer hoch geflogen - zehnmal höher als die Umlaufbahn der internationalen Raumstation ISS. Nach etwa 50 Minuten sei die Rakete 960 Kilometer weiter und damit 250 Kilometer westlich von Japan ins Meer gestürzt. Damit könnte sie nach Expertenansicht das US-Kernland erreichen, wenn sie mit einem Standard-Abschusswinkel abgefeuert eine normale Flugbahn erreichen würde.

Allerdings ist weiter fraglich, ob die Sprengköpfe auf Nordkoreas Raketen auch den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstünden.

UN-Dringlichkeitssitzung - noch heute

Als Reaktion telefonierte US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Danach erklärte das Weiße Haus, Trump habe Peking aufgefordert, "alle verfügbaren Hebel" zu nutzen, um den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Trump hatte von China mehrfach verlangt, einen härteren Kurs gegenüber Pjöngjang einzuschlagen. Der chinesische Präsident erklärte der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge, Ziele seines Landes seien Frieden und Stabilität in der Region und eine nukleare Abrüstung auf der nordkoreanischen Halbinsel.

Trump sprach auch mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae In und mit Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Abe verurteilte den Test, der "die Sicherheit sowohl Japans als auch der USA bedrohe". Tokio gab allerdings keinen Befehl zum Abschuss der Rakete. Man sei zu der Einschätzung gelangt, dass sie weder auf japanischem Territorium noch in den Hoheitsgewässern landen würde, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera.

Japan, Südkorea und die USA beantragten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, der am Nachmittag (Ortszeit) in New York zusammenkommen will.

Trump kündigt neue Sanktionen gegen Nordkorea an
tagesschau 20:00 Uhr, 29.11.2017, Stefan Niemann, ARD Washington

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Ballistische Raketen

Ballistische Raketen können mit konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Die im antriebslosen Flug zurückgelegte Strecke - auch Freiflugphase genannt - kann bis zu zehn Mal so lang sein wie der Weg, den die Rakete mit Antrieb während der Schubphase zurücklegt.

Südkorea reagiert mit Manövern

Südkorea sah einen Grund zum sofortigen Handeln. Nur fünf Minuten nach dem Start der Rakete reagierte das Militär mit Manövern und schoss drei Raketen für Zielübungen ins Meer. Präsident Moon sagte, die Tests stellten eine Bedrohung für den Weltfrieden dar. Er forderte härtere Sanktionen gegen Nordkorea und betonte, Südkorea werde nicht einfach "da sitzen und zusehen", wie Nordkorea provoziere.

Das südkoreanische Fernsehen zeigt Aufnahmen vom erneuten nordkoreanischen Raketentest. | Bildquelle: AFP
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Nordkorea spricht von seiner bislang stärksten Rakete, die abgefeuert wurde. International wurde der Test massiv verurteilt.

Internationale Proteste

Auch in anderen Ländern und Institutionen stieß der neue Raketentest auf scharfe Kritik. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte: "Dies ist ein weiterer Bruch zahlreicher UN-Sicherheitsrats-Resolutionen, der die regionale und internationale Sicherheit untergräbt."

Kanzlerin Angela Merkel verurteilte "Nordkoreas neueste Provokation" scharf. "Es ist wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen in der Region deutlich verschärft, nachdem Kim mehrfach Raketen sowie Anfang September eine weitere Atombombe testen ließ und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen hatte. Die USA hatten Nordkorea vor einer Woche auf die Liste der staatlichen Unterstützer von Terrorismus gesetzt, was Pjöngjang als schwere Provokation kritisiert hatte.

Trump kündigt zusätzliche Sanktionen gegen Nordkorea an
Martin Ganslmeier, ARD Washington
29.11.2017 19:16 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 29. November 2017 tagesschau24 um 15:00 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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