Start einer Langstreckenrakete in Nordkorea | Bildquelle: REUTERS

Reaktion auf Raketentest USA stationieren Abwehrsystem gegen Nordkorea

Stand: 09.02.2016 04:05 Uhr

Nach dem nordkoreanischen Raketenstart bereitet das US-Militär die Stationierung eines mobilen Raketenabwehrsystems in Südkorea vor. Laut einem Pentagon-Sprecher könnte dies bereits in zwei Wochen installiert sein. Sollte Pjöngjang nicht einlenken, seien weitere Sanktionen und auch ein Militärschlag denkbar.

Von Susanne Heberer, ARD-Studio Washington

Die US-Regierung will hart gegen das Regime in Pjöngjang vorgehen. Es gebe keine Zweifel, hieß es im Weißen Haus: Der Raketenstart vom Sonntag diene keineswegs friedlichen Zwecken, wie von Pjöngjang behauptet, sondern stelle den verdeckten Test einer militärischen Langstreckenrakete dar. Dies verstoße gegen bestehende UN-Resolutionen und bedrohe die Sicherheit Südkoreas.

Kim Jong Un | Bildquelle: REUTERS
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Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un beobachtet den Raketenstart.

Damit sei die USA als enger Verbündeter gefordert, so der Sprecher der US-Regierung Josh Earnest: "Südkorea ist ein enger Verbündeter und wir nehmen das sehr ernst. Wir stehen für die Sicherheit von Südkorea."

Deshalb plant die US-Regierung nun die Stationierung eines mobilen Raketenabwehrsystems in Südkorea. Eine Einheit dieses Systems solle "so schnell wie möglich" nach Südkorea verlegt werden, kündigte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Peter Cook, in Washington an. Derzeit liefen die Beratungen mit den südkoreanischen Verbündeten. "Wir hoffen, dass es so schnell wie möglich installiert werden kann", sagte Cook. Er rechne bestenfalls mit einem Zeitraum von zwei Wochen.

USA hoffen auf Unterstützung aus China

Mit dem mobilen Abwehrsystem können Abfangraketen abgeschossen werden, die feindliche Geschosse in der Luft zerstören. Damit soll Südkorea gezielt vor möglichen Angriffen aus dem Norden geschützt werden. Die Debatte über ein US-Abwehrsystem auf der koreanischen Halbinsel läuft schon lange. Allerdings lehnt China die Stationierung bislang ab. Die chinesische Regierung ist engster Handelspartner und Verbündeter von Nordkorea.

Peking will verhindern, dass die Amerikaner ihre Militärmacht ausweiten, meint der Politologe und Sicherheitsberater Joseph Cirincione: "Südkorea will das System haben als Schutz vor Raketen aus dem Norden. Aber China ist total besorgt: Sie wollen auf keinen Fall noch mehr westliche Militärpräsenz auf der Halbinsel an ihrer Grenze." Diesmal sei die Lage aber anders, meint Pentagon-Sprecher Cook. Man hoffe auch auf die Unterstützung durch China.

"Wir sind jetzt in einer Situation, in der nicht nur wir, sondern auch der UN-Sicherheitsrat, Russland und China das Verhalten Nordkoreas verurteilen."

Sanktionen und/oder Militärschlag gegen Nordkorea?

Das mobile Raketenabwehrsystem richte sich allein gegen Nordkorea und bedeute keine Gefahr für China, versichert Cook. Präsident Barack Obama stehe in engem telefonischen Kontakt mit seinem chinesischen Amtskollegen, um hier eine weitere Annäherung zu erreichen.

Abwehr, Sanktionen, Militärschlag - USA überlegen Reaktionen auf Nordkorea
S. Heberer, ARD Washington
09.02.2016 09:58 Uhr

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Bei den Gesprächen geht es auch um die mögliche Ausweitung von Sanktionen gegen Nordkorea. Allerdings sei der Spielraum nicht groß, so der Sprecher der US-Regierung Earnest: "Es bestehen ja schon harte Sanktionen, die jeden Handel zwischen USA und Nordkorea unmöglich machen." Auch hier würden Sanktionen, die von China ausgehen, das Regime in Nordkorea am härtesten treffen.

Sollten die zusätzlichen militärischen Abwehrmaßnahmen und ein Ausbau der Sanktionen kein Einlenken Nordkoreas bewirken, dann sei auch ein Militärschlag denkbar, so Pentagon-Sprecher Cook: "Wir haben zurzeit mehr als 28.500 Soldaten auf der koreanischen Halbinsel stationiert. Und das werden wir weiter den Umständen anpassen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. Februar 2016 um 23:30 Uhr.

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