Sinn-Fein-Politikerin Michelle O'Neill | Bildquelle: REUTERS

Nordirland Generationswechsel bei Sinn Fein

Stand: 23.01.2017 21:52 Uhr

Die 40-jährige O'Neill ist neue Sinn-Fein-Vorsitzende in Nordirland. Damit vollzieht die katholisch-republikanische Partei einen einschneidenden Generationswechsel. Die einst in den Bürgerkrieg verstrickten Männer treten in die zweite Reihe.

Die katholisch-republikanische Sinn-Fein-Partei in Nordirland wird künftig von Michelle O'Neill geleitet. Die 40-Jährige wird auch Spitzenkandidatin für die Wahl im März und hat durch die im Karfreitagsabkommen vereinbarte Machtteilung von Katholiken und Protestanten gute Chancen, eine der beiden Regierungschefinnen zu werden.

Es sei ihr eine "große Ehre", das Amt zu übernehmen, sagte O'Neill nach der Bekanntgabe der Entscheidung. Ihren Vorgänger Martin McGuinness bezeichnete sie als "politischen Giganten", dessen Arbeit sie fortsetzen werde. Der 66-jährige McGuinness hatte das Regierungsbündnis im Streit über ein Förderprogramm für Erneuerbare Energien verlassen und somit die Neuwahlen ausgelöst.

Michelle O'Neill (mi) flankiert von Sinn-Fein-President Gerry Adams (li.) und dem ehemaligen stellvertretenden | Bildquelle: AFP
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Flankiert von der "alten Garde" der Partei sitzt Michelle O'Neill bei einer Pressekonferenz in Belfast: Sinn-Fein-President Gerry Adams (li.) und ihr Vorgänger Martin McGuinness

Brexit-Angst in Nordirland

Sinn Fein rechnet sich Chancen aus, bei einer Neuwahl erstmals stärkste Kraft zu werden und dadurch den Posten des Regierungschefs zu übernehmen. Dies liegt weniger am demografischen Wandel als am bevorstehenden Brexit. Die Mehrheit der Nordiren hatte beim Referendum für den Verbleib in der EU gestimmt. Viele Menschen fürchten negative Effekte, wenn zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied wieder eine feste Grenze mit Kontrollen eingeführt wird.

Der Abschied der alten Männer

Die Entscheidung für O'Neill stellt auch einen Generationswechsel bei Sinn Fein dar, die bisher von Männern geleitet wurde, die selbst in den Bürgerkrieg verstrickt waren. Davon ist sie persönlich unbelastet, auch wenn sie aus einer Familie kommt, die mit der Sinn Fein und dem Konflikt verbunden ist.

In einer Videobotschaft verwies sie auf den prägenden Einfluss ihres Vaters und ihres Cousins. Ihr Vater Basil saß im Gefängnis, weil er für die Terrororganisation IRA gekämpft hatte. Ihr Cousin Tony Doris, ebenfalls Mitglied der IRA, wurde 1991 von britischen Spezialeinheiten erschossen. Sie selbst gilt als überzeugte irische Nationalistin und Befürworterin eines vereinigten Irlands.

In ihrer Videobotschaft ging sie auch auf die Anhänger eines Verbleibs Nordirlands bei Großbritannien zu. "Das vereinigte Irland, das wir anstreben, ist ein Ort für jeden", sagte sie. "Niemand hat etwas zu fürchten."

Auch in Irland wird ein Machttransfer bei Sinn Fein erwartet. Die Partei-Ikone Gerry Adams hat angedeutet, den Parteivorsitz bald niederzulegen. Es wird vermutet, dass seine Stellvertreterin Mary Lou McDonald seine Nachfolgerin wird. Die ehemalige Europaparlamentarierin ist 47 Jahre alt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. März 2017 um 06:10 Uhr.

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