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10.02.2010

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Rechtsradikale werfen Pflastersteine (Foto: REUTERS)
Kritik an tschechischer Polizei nach Nazi-Krawallen
Kritik an tschechischer Polizei nach Nazi-Krawallen

"Rechtsradikale haben zu viel Spielraum"

Hat die tschechische Polizei die Neonazis unterschätzt? In der Kleinstadt Litvínov lieferten sich gestern hunderte Rechtsradikale Straßenschlachten mit der Polizei. Sie waren während einer genehmigten Demonstration von der Route abgewichen und versuchten, in ein Roma-Viertel einzudringen.

Von Peter Hornung, ARD-Hörfunkstudio Prag

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Schutzkleidung nähern sich Polizisten den Brandsätzen]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Polizist versucht eine Rauchgranate aus dem Weg zu schaffen]
 

Litvínov gestern Nachmittag, eine Kleinstadt an der Grenze zu Sachsen. Hunderte Rechtsradikale lieferten sich hier Straßenschlachten mit der tschechischen Polizei. Brandsätze wurden geworfen und Pflastersteine. Offenbar verließen die Neonazis die Strecke einer genehmigten Demonstration, so berichtet es der Chef der Bezirkspolizei. Sie wollten zu einem Roma-Viertel, "um dort alte Rechnungen zu begleichen." Das genau jedoch versuchte die tschechische Polizei zu verhindern. Tausend Beamte mit schwerer Schutzausrüstung, ein Hubschrauber, Wasserwerfer. Trotzdem dauerte es fast zwei Stunden, bis die Lage unter Kontrolle war. Insgesamt gab es 14 Verletzte, 15 Strafanzeigen und drei Festnahmen.

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Schwere Vorwürfe an die Polizei

Die Polizei habe schwere Versäumnisse begangen, schreibt heute die tschechische Tageszeitung Pravo. Nachdem es vor vier Wochen schon einen kleineren Aufmarsch an gleicher Stelle gegeben habe, hätte man wissen können, was passiert, so die Zeitung.

Brennender Polizeiwagen in Litvinov (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die tschechische Polizei versucht einen brennenden Einsatzwagen zu löschen ]
Ondřej Cakl von der Bürgerinitiative "Toleranz und bürgerliche Gesellschaft" war selbst in Litvínov. Auch er macht der Polizei heftige Vorwürfe: "Unsere Bürgerinitiative ist davon überzeugt, dass die Polizei gleich am Anfang alles hätte auflösen sollen", sagt er. Die Neonazis hätten schon in ihren Internet-Aufrufen klar gemacht, dass sie bewaffnet sein würden. "Dass sie Barrikaden bauen wollen und zu weiterer Gewalt aufrufen. Das allein schon ist gesetzeswidrig", so Cakl. 

"Nicht nur schwarz angezogene Jungs"

Offenbar stießen die Neonazis bei einem Teil der Bevölkerung auf Unterstützung. Die da demonstrierten, das seien "nicht nur schwarz angezogene Jungs", sagt eine Frau in die Kamera, sondern auch "anständig arbeitende Bürger." Die rechtsextreme Arbeiterpartei macht sich wohl mit Erfolg einen Konflikt um angeblich kriminelle Roma zunutze, den auch ein bemühter Bürgermeister bislang nicht in den Griff bekommen konnte.

Deutsche Neonazis wurden in Litvínov gestern übrigens nicht gesichtet - obwohl bekannt ist, dass Rechtsextremisten beider Seiten enge Kontakte pflegen. Was jenseits der Grenze vor sich geht, nimmt man auf jeden Fall auch in Sachsen wahr. Auf einer Internetseite deutscher Neonazis heißt es zynisch, anders als in Deutschland werde ihresgleichen in Litvínov "von der Bevölkerung herzlichst begrüßt".

Stand: 18.11.2008 16:08 Uhr
 

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