Grabkammer Tutanchamuns in Tal der Könige bei Luxor | Bildquelle: dpa

Suche nach dem Grab der Nofretete Der Sensation ein Stück näher

Stand: 17.03.2016 17:13 Uhr

Irgendwas ist hinter den Wänden des Grabmals des Pharaos Tutanchamun. So viel steht fest. Die Ägypter fiebern schon einem Sensationsfund entgegen: der Entdeckung des Grabs der Nofretete. Radarbilder stützen diese Theorie. Jetzt wurden neue Ergebnisse vorgestellt.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

"Wir haben neue Informationen, die uns zu einem guten Ergebnis geführt haben", sagte Ägyptens Antikenminister Mamduh al-Damati und schafft es damit, die Spannung zu halten. Die "neuen Informationen" stammen von Radarmessungen, Bilder von Scans der Wände im Grab von Tutanchamun. Japanische Experten haben sie in den vergangenen Monaten ausgewertet. Jetzt liegen die Zwischenergebnisse vor. Und die lassen Damati mittlerweile sicher sein, dass sich hinter den Mauern der Grabkammer des Tutanchamun zwei weitere Kammern befinden.

Der ägyptische Minister für Altertümer, Mamdouh al-Damati, stellt die Ergebnisse der Forschung vor. | Bildquelle: dpa
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Der ägyptische Minister für Altertümer, Mamdouh al-Damati, stellt die neue Ergebnisse der ausgewerteten Radarbilder vor.

Außerdem konnten die japanischen Experten in den Radaraufnahmen andere interessante Dinge ausmachen, erläuterte der Minister weiter. Auf den Bildern, die er jetzt in Kairo präsentierte, sind es nur Farbflecken, aber sie sind vielsagend: "Sie sagen uns, dass wir hier einige unterschiedliche Dinge hinter der Wand haben. Der Radar-Spezialist meint, dass es unterschiedliche Materialien sind. Es könnte Metall sein; es könnte organisch sein."

Knochen, Leinen, eine Mumie?

Was die Spekulationen weiter anheizt: Organisches Material? Knochen, Leinen, eine Mumie? Und: Metall? Grabbeigaben, Gold vielleicht? Alles möglich. Was genau es sei, könne eine Radaraufnahme eben nicht sagen.

Ob Nofretete in einer der beiden Kammern bestattet ist, bleibt natürlich auch noch unklar. Dass es ausgerechnet ihr Grab sein könnte, das sich hinter Tutanchamuns Kammer verbirgt, diese Überlegung hatte der britische Archäologe Nicholas Reeves aufgebracht. Sie basiert unter anderem auf der Verbindung zwischen Nofretete und dem Kindkönig, der vor etwa 3300 Jahren gelebt hat.

Fest steht: Als Frau von Pharao Echnaton war Nofretete Tutanchamuns Stiefmutter. Und als solche, so Reeves Überlegung, könnte sie auch Tutanchamus Vorgängerin als Pharaonin gewesen sein, weshalb ihr ein Grab im Tal der Könige zugestanden hätte. Noch bleibt das eine Theorie; eine, die weiter geprüft wird. Am 31. März soll noch einmal mit einem Radar digital nachgemessen werden, um herauszufinden, wie dick die Wand zwischen Tutanchamuns Grabkammer und den Räumen dahinter ist - und wie groß die sind.

Es bleibt spannend - gut für Ägypten

Danach erst werde das zuständige Expertenteam den nächsten Forschungsschritt überlegen, so Minister Damati. Es bleibt also spannend. Und wahrscheinlich ist das auch etwas, was der Altertümer-Minister erreichen will: Nach all den Unsicherheiten seit Beginn der Umbrüche im Nahen Osten 2011 bringt das Ägypten in die positiven, die Neugier weckenden Schlagzeilen. Was, wenn sich tatsächlich eine neue Grabkammer, vielleicht sogar die der Nofretete, auftäte? "Das würde die Wiederentdeckung des Tutanchamun bedeuten. Wir hätten noch einmal Tutanchamun", sagt Damati.

Der britische Archäologe Howard Carter hatte Tutanchamuns Grab 1922 entdeckt. Die Geschichten von Carter und der ersten unberührten Grabkammer eines Pharaos gingen um die Welt; Geschichten von Räumen, die über und über mit Schätzen gefüllt waren. Auf eine Geschichte von goldenen Totenmasken, Schmuck und andere Grabbeilagen - dem Grab der Nofretete - auf so eine sensationelle Geschichte hoffen heute sicherlich auch viele. Die Spannung bleibt; vielleicht schaffen es die Ägypter ja sogar noch ein paar Jahre lang, sie aufrecht zu halten. Vielleicht öffnen sie die neuen Kammern erst 2022, wenn sich Carters Entdeckung zum 100. Mal jährt.

Suche nach Nofrotetes Grab: Neue Informationen nach Radarmessungen
Björn Blaschke, ARD Kairo
18.03.2016 05:22 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 17. März 2016 um 22:51 Uhr im Deutschlandfunk.

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