Plakate gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühren in der Schweiz | Bildquelle: REUTERS

Schweizer Rundfunk und TV Nach "No Billag" ist nicht Schluss

Stand: 05.03.2018 14:04 Uhr

Eine klare Mehrheit der Schweizer hat die Abschaffung der Rundfunkgebühren abgelehnt. Das ist aber kein Ruhekissen für die öffentlich-rechtliche SRG - im Gegenteil.

Von Martin Bohne, MDR, zzt. Zürich

Am Tag nach der Entscheidung ist die Erleichterung in den Redaktionsräumen der SRG, der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft, spürbar. Die Gefahr, dass dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch die komplette Abschaffung der Gebühren der Stecker gezogen wird, ist erst einmal gebannt.

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand | Bildquelle: PETER SCHNEIDER/EPA-EFE/REX/Shut
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SRG-Generaldirektor Marchand will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk reformieren.

Auf ruhige Zeiten kann sich die Belegschaft dennoch nicht freuen, trotz der Bestätigung durch eine satte Mehrheit der Bevölkerung. Während der Kampagne wurde viel Kritik an der SRG laut. Und die werde jetzt nicht verstummen, prognostiziert der Zürcher Medienwissenschaftler Mark Eisenegger: "Der Druck wird aufrechterhalten bleiben", ist er sicher. "Die politischen Parteien haben reagiert. Von rechts kommt ganz klar die Forderung, die SRG muss schrumpfen, kleiner werden. Selbst gemäßigte Parteien stimmen jetzt ein, die SRG muss sich reformieren."

Umfassendes Reformprogramm geplant

Der politische Druck von rechts bis links ist also da - ein "Weiter so" kann es nicht geben. Und die SRG-Führung signalisierte bereits gestern: Wir haben verstanden. Einen "Wendepunkt in der Geschichte der SRG" nennt es deren Generaldirektor Gilles Marchand. Und er legte ein umfassendes Reformprogramm vor. "Wir möchten uns reformieren, weil es eine andere digitale Gesellschaft gibt", lautet seine Begründung. "Aber dann müssen wir auch effizienter sein."

Auf mehr als eine Milliarde Euro Gebührengelder kann die SRG mit ihren sieben Fernseh- und 17 Radiostationen derzeit zurückgreifen. Ganz unabhängig von der abgelehnten Initiative zur kompletten Gebührenabschaffung hatte die Politik bereits eine Deckelung der Zuschüsse auf einem etwas niedrigeren Niveau beschlossen: Ab nächstem Jahr werden die Gebühren von jetzt 450 auf dann 365 Franken jährlich sinken.

Rückbesinnung auf Kernkompetenzen

Medienministerin Doris Leuthard gab am Sonntag das Ziel aus, die Abgaben im Zwei-Jahres-Rhythmus weiter zu senken. Die SRG muss also sparen. 100 Millionen Franken an Einsparungen hat Marchand bereits nach der Abstimmung angekündigt, mit durchaus schmerzhaften Konsequenzen. "Dieser Plan zur Effizienzsteigerung wird sich auch auf die Arbeitsplätze auswirken", sagt Marchand.

Sparen reiche aber nicht, meint hingegen Eisenegger. Die SRG werde ohne Frage kleiner werden, denkt er. Und dies sei "ganz entscheidend, dass sie auch eine Vorwärtsstrategie entwickelt". Grundzüge einer solchen Vorwärtsstrategie versuchte SRG-Generaldirektor Marchand denn auch schon zu entwickeln. Eine Säule: die Besinnung auf die Kernkompetenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. "50 Prozent der Gebühreneinnahmen werden im Programm für die Information aufgewendet", verspricht er.

Die schweizer Medienministerin Doris Leuthard | Bildquelle: ANTHONY ANEX/EPA-EFE/REX/Shutter
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Die schweizer Medienministerin Doris Leuthard kündigte bereits Gebührensenkungen an.

Weniger Werbung

Zugleich solle das Engagement bei der einheimischen Kulturproduktion noch stärker und das digitale Angebot verbessert werden. Darüber hinaus will die SRG die Werbung einschränken, kündigt Marchand an. "Wir wollen uns noch besser unterscheiden, deshalb verzichtet die SRG künftig darauf, Spielfilme durch Werbeblöcke zu unterbrechen."

Damit geht die SRG auch auf die privaten Verleger zu, die die Stellung des gebührenfinanzierten Rundfunks auf dem Werbemarkt für zu dominant halten. Der besseren Abgrenzung zum Printangebot dient auch die Zusicherung der SRG, im Netz nur noch Texte zu veröffentlichen, die einen direkten Bezug zu Audios oder Videos haben.

Reaktionen nach Schweizer Volksabstimmung zum Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk
Martin Bohne, ARD Zürich
05.03.2018 13:41 Uhr

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