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John Gurdon (li.) und Shinya Yamanaka

Gurdon und Yamanaka geehrt

Medizin-Nobelpreis für Zell-Umprogrammierer

Pluripotente Zellen sind eine der großen Hoffnungen der modernen Medizin. Aus ihnen könnte man eines Tages Organe züchten, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden. Für ihre wichtige Forschung in diesem Bereich erhalten der Brite Gurdon (79) und der Japaner Yamanaka (50) den diesjährigen Medizin-Nobelpreis.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Die beiden Preisträger 2012 sind so etwas wie die Pioniere des Klonens. Die Namen John Gurdon und Shinya Yamanaka wurden bereits im Vorfeld der Verkündung in Stockholm hoch gehandelt. Göran Hansson vom Nobelkomitee begründete die Entscheidung auch auf deutsch: "Die Nobelversammlung am Karolinska-Institut hat beschlossen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin des Jahres 2012 gemeinsam an John B. Gurdon und Shinya Yamanaka für ihre Entdeckung der Umprogrammierung reifer Zellen in Pluripotenz zu verleihen."

Mit "Pluripotenz" meint der Sprecher des Karolinska-Institutes die menschlichen Stammzellen.

Pioniere des Klonens mit Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet
T. Krohn, ARD Stockholm
08.10.2012 14:38 Uhr

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Zellentwicklung keine Einbahnstraße mehr

Tatsächlich hatte der 50-jährige Japaner Yamanaka vor sechs Jahren entdeckt, dass sich Zellen aus einem erwachsenen Körper mehr oder weniger in embryonale Stammzellen zurückverwandeln lassen. Die Grundlagenforschung dazu stammt von dem Briten Gurdon.

"Der Nobelpreis dieses Jahres zeichnet eine Entdeckung aus, die unser Verständnis über die Zellentwicklung im Körper verändert hat. Diese Entdeckung gibt uns neue Werkzeuge an die Hand für die Entwicklung neuer Therapien und Behandlungsmöglichkeiten", sagte Professor Thomas Perlman vom Nobel-Komitee. "Eigentlich schien es unmöglich, dass sich reife Zellen zurückentwickeln können. John Gurdon hat diese Sichtweise verändert."

Die Zellentwicklung, so Perlman, sei keine Einbahnstraße mehr. Man wisse jetzt, dass man die Zellen auch rückprogrammieren kann - mit möglicherweise weitreichenden Folgen.

Japaner und Brite mit Medizin-Nobelpreis für Stammzellenforschung ausgezeichnet
tagesthemen 22:15 Uhr, 08.10.2012, Sarah Weiss, SWR

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"Ersatzteile aus den eigenen Zellen"

Forscher auf der ganzen Welt hoffen, dass sich aus den von Gurdon und Yamanaka entdeckten Stammzellen eines Tages Ersatzgewebe oder sogar ganze Organe erschaffen lassen, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden. Schließlich stammen diese Organe dann aus dem eigenen Körper.

Für Malin Attefall, Medizinreporterin des schwedischen Fernsehens, sind das ungeahnte neue Möglichkeiten: "Alle Zellen in unserem Körper haben alles, was es braucht, um sich in eine andere Zelle weiterzuentwickeln. Wir können so Ersatzteile aus unseren eigenen Zellen machen."

Yamanaka freut sich über die geteilte Ehre

Schon 1962 hatte der Cambridge-Professor Gurdon seine ersten Experimente dazu gestartet und anhand von Fröschen bewiesen, dass die Entwicklung der Zellen tatsächlich umkehrbar ist. In Cambridge gibt es ein eigenes "Gurdon Institute" mit mehreren Forschungsabteilungen.

Professor Shinya Yamanaka während einer Pressekonferenz an der Universität von Kyoto
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Professor Yamanaka bezeichnete...

Sir John Gurdon während seiner ersten Stellungnahme nach Bekanntgabe seiner Nobelpreis-Auszeichnung
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... Sir Gurdon als großes medizinisches Vorbild.

Das Nobelinstitut erwischte den 79-jährigen heute bei der Arbeit in seinem Labor. Der britische Forscher zeigte sich überaus erfreut über die Auszeichnung. Ähnlich glücklich fiel auch Reaktion in Kyoto aus. Dort lehrt Yamanaka als Medizin-Professor. Er sagte: "Der Nobelpreis ist eine gewaltige Ehre für mich. Vor allem, dass ich den Preis mit Professor John Gurdon teile, ehrt mich sehr. Ich respektiere ihn sehr."

Den Briten bezeichnete Yamanaka schon oft als eines seiner großen medizinischen Vorbilder. Der Preis sei eine gewaltige Ermutigung für die Wissenschaft, weiter mit den sogenannten pluripotenten Zellen zu arbeiten.

Die Nobelpreise

Die Nobelpreise sollen nach dem Willen des Stifters Alfred Nobel alljährlich diejenigen erhalten, deren Leistungen in den Bereichen Chemie, Physik, Medizin, Literatur und bei der Völkerverständigung "der Menschheit den größten Nutzen gebracht" haben. Mit der Auszeichnung wollte der 1896 verstorbene schwedische Chemiker und Industrielle, der mit seiner Erfindung des Sprengstoffs Dynamit im Jahr 1867 zu Reichtum gelangt war, über seinen Tod hinaus Einsatz zugunsten der Mitmenschen fördern. 1968 stiftete die Schwedische Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung einen Preis für Wirtschaftswissenschaften, der 1969 erstmals verliehen wurde.

Überreicht werden die Nobelpreise alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters. Die Preise für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft werden in Stockholm vergeben. Den Friedenspreisträger bestimmt ein gewählter Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo. Jeder Nobelpreis war bislang mit zehn Millionen Kronen dotiert. Das Preisgeld wurde 2012 von der Nobelstiftung unter Hinweis auf die Finanzkrise allerdings um 20 Prozent auf acht Millionen Schwedische Kronen gekürzt. Die Preisträger erhalten eine Urkunde und eine Goldmedaille und werden zu einem festlichen Bankett geladen.

Dieser Beitrag lief am 8. Oktober um 14:51 Uhr auf NDR Info

Stand: 08.10.2012 15:04 Uhr

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