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Überraschende Entscheidung des Nobel-Komitees Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis

Stand: 09.10.2009 11:36 Uhr

Sensation in Oslo: Der Friedensnobelpreis 2009 geht an US-Präsident Barack Obama. Das hat das norwegische Nobel-Komitee in Oslo bekannt gegeben. Er vertrete genau die Positionen, für die das Nobelkomitee seit 108 Jahren werbe.

Obama erhalte den Preis für seine herausragenden Bemühungen für die internationale Diplomatie und die Verständigung zwischen den Menschen: "Nur sehr selten hat ein Mensch im gleichen Ausmaß wie Obama die Aufmerksamkeit der Welt gefangengenommen und seinem Volk Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben", lautet die offizielle Begründung. "Seine Diplomatie gründet auf der Vorstellung, dass diejenigen, die die Welt führen sollen, dies auf der Grundlage von Werten und Einstellungen tun müssen, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden."

Dialog und Verhandlungen bevorzugte Instrumente

Obama habe in seiner noch kurzen Präsidentschaft ein neues internationales Klima geschaffen. Besonderes Gewicht sei auch auf Obamas Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt worden. Multilaterale Diplomatie mit einer Betonung auf der Rolle der Vereinten Nationen und internationaler Institutionen sei durch ihn wieder in den Mittelpunkt gerückt worden.

Selbst für die schwierigsten internationalen Konflikte seien nun Dialog und Verhandlungen die bevorzugten Lösungsinstrumente. Auch in der Klimapolitik hätten die USA unter Obama eine konstruktive Rolle eingenommen.

"Entwicklungen für den Frieden stimulieren"

Der norwegische Komiteechef Thorbjörn Jagland begründete die Entscheidung für Obama, trotz dessen noch sehr kurzer Präsidentschaft: "Alles, was er in seiner Zeit als Präsident angepackt hat, und wie sich das internationale Klima durch ihn verändert hat, ist schon mehr als Grund, ihm dem Friedensnobelpreis zu verleihen."

Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern, sagte Jagland. Das sei auch bei den Vergaben an Bundeskanzler Willy Brandt und den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow der Fall gewesen.

Gratulationen von Barroso und ElBaradei

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gehörte zu den ersten Gratulanten: "Die Auszeichnung für den Führer der größten Militärmacht der Erde zu Beginn der Amtszeit spiegelt die Hoffnungen wider, die er weltweit mit seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt geschaffen hat", ließ Barroso mitteilen. Zudem sei der Preis ein Zeichen der Erwartungen an Obamas Entschlossenheit, eng mit den Partnern der USA bei den globalen Herausforderungen zusammenzuarbeiten. Norwegens Staatschef Jens Stoltenberg lobte die Entscheidung als "spannend und nach vorne gerichtet".

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Ehrung sei ein "Ansporn für den Präsidenten und für uns alle". Obama sei es in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen. Jetzt sollte er in seinem Engagement für eine atomwaffenfreie Welt unterstützt werden.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, Mohammed ElBaradei äußerte sich in Wien begeistert: "Mir fällt niemand ein, der diese Ehre mehr verdient hätte." Der afghanische Präsident Hamid Karzai bezeichnete die Entscheidung als "richtige Wahl": Obamas harte Arbeit und seine Vision für globale Beziehungen machten ihn zu einem angemessenen Preisträger. Die radikalislamischen Taliban hingegen kritisierten die Entscheidung als "ungerecht". Obama habe in Afghanistan "keinen einzigen Schritt in Richtung Frieden" unternommen.

Spontanreaktion aus dem Weißen Haus: "WOW"

Auch in den USA zeigte man sich von der Auszeichnung Obamas überrascht: Wie der TV-Sender CBS berichtete, habe sich Regierungssprecher Robert Gibbs mit einer E-Mail an den Sender gewendet, die lediglich aus einem einzigen Wort besteht: "WOW". Eine offizielle Erklärung des Weißen Hauses gab es bislang aber noch nicht.

Neuer Rekord: 205 Nominierungsvorschläge

Der von Alfred Nobel gestiftete Preis wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen. Er ist mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert.

Alfred Nobel, der Stifter des Preises, verfügte in seinem Testament, dass der Preis für Beiträge zur Verbrüderung zwischen den Völkern, die Verminderung oder Abschaffung von stehenden Heeren und die Förderung und Abhaltung von Friedenskongressen vergeben wird. Für den diesjährigen Preis waren 205 Nominierungsvorschläge eingereicht worden, darunter 33 Organisationen. Dies sind die meisten Nominierungen, die es jemals gab.

Hintergrund: Der Zeitplan für den Friedensnobelpreis

Einmal im Jahr vergibt das Nobel-Komitee den Friedensnobelpreis. Die Entscheidung über den Preisträger erfolgt immer nach den gleichen Regeln und demselben Zeitplan:

September: Das Nobel-Komitee versendet Einladungen an mehrere tausend Akademiker, Universitätsprofessoren und Wissenschaftler verschiedener Länder und frühere Preisträger mit der Bitte, Kandidaten für den Preis vorzuschlagen.

Februar: Bis zum 1. Februar müssen die Vorschläge an das Komitee eingereicht werden. Später eingereichte Vorschläge werden für die Auswahl im darauffolgenden Jahr berücksichtigt.

Februar-März: Das Komitee überprüft die Einsendungen und erstellt eine kleine Auswahl der vorgeschlagenen Kandidaten.

März-August: Ständige Berater des Komitees prüfen die Vorschläge. Sie werden wegen ihrer speziellen Kenntnisse über den jeweiligen Kandidaten zugeordnet. Die Berater geben weder ein Urteil noch eine spezifische Empfehlung ab.

Oktober: Das Nobel-Komitee entscheidet über den Preisträger in Mehrheitsabstimmung. Die Entscheidung ist endgültig und kann nicht angefochten werden. Anschließend wird der Name bekannt gegeben.

Dezember: Der Friedensnobelpreises wird am 10. Dezember im norwegischen Oslo übergeben. Die Preisträger erhalten die Nobel-Medaille, eine Urkunde und ein Dokument als Beleg über das Preisgeld.

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