Nobelpreis Medizin: William C. Campbell, Satoshi Omura und Tu Youyou | Bildquelle: REUTERS, AFP

Nobelpreise für Medizin Hilfe für die Ärmsten der Armen

Stand: 05.10.2015 16:39 Uhr

Dank ihrer Forschung lassen sich Krankheiten besser bekämpfen: William C. Campbell, Satoshi Omura und Tu Youyou erhalten den Nobelpreis für Medizin. Ihre Arbeit rettete viele Menschen vor dem Tod - besonders in armen Regionen.

Von Norbert Hansen, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Die konkrete Therapie steht im Mittelpunkt der Nobelpreise für Medizin in diesem Jahr. Ein Drittel der Menschheit ist von Parasiten betroffen. Sie rufen verheerende Krankheiten wie Malaria, Flussblindheit oder Elephantiasis hervor - eine Krankheit, bei der sich ein Körperteil ungewöhnlich vergrößert. Und es trifft - wie so oft - die Ärmsten. Das Nobelkomitee ehrt in diesem Jahr den Kampf gegen solche Krankheiten.

Urban Lendahl vom renommierten Karolinska-Institut in Stockholm verkündete die Preisträger: William C. Campbell und Satoshi Omura teilen sich eine Hälfte während Tu Youyou die andere erhält. Das Institut würdigt die Verdienste der Forscher, die zur maßgeblichen Linderung von betroffenen Patienten geführt haben - hauptsächlich in Südasien, Afrika und Südamerika.

Medizin-Nobelpreis geht an Parasitenforscher
tagesschau 20:00 Uhr, 05.10.2015, M. Schmidt, ARD Peking

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Revolutionäre Therapien

Professor Hans Forsberg vom Karolinska Institut kann die Arbeiten der drei Preisträger nicht hoch genug einschätzen: "Die Entdeckungen von William Campbell und Satoshi Omura haben uns revolutionäre Therapien gegen Elephantiasis und Flussblindheit gebracht, und die Entdeckung von Tu Youyou mündete in eine wirksame Behandlung gegen Malaria."

Tu Youyou aus China machte sich das Wissen der traditionellen Medizin ihres Heimatlandes zunutze. In der Literatur über Kräuterheilkunde stieß sie auf eine Pflanze, die vielversprechend erschien.

Daraus entwickelte sie den Wirkstoff Artemisinin. Medikamente mit diesem Inhaltsstoff sind für die Weltgesundheitsorganisation WHO die Präparate erster Wahl, um Menschen zu behandeln, die akut an Malaria erkrankt sind. Dadurch konnten zahlreiche Patienten vor dem Tod gerettet werden. Tu ist erst die zwölfte Frau, die mit einem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wird.

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Die andere Hälfte bekommen der gebürtige Ire William C. Campbell und Satoshi Omura aus Japan. Sie haben ebenfalls einen Wirkstoff entwickelt: Avermectin. Der ist Ausgangsstoff für Medikamente, die die Häufigkeit von Flussblindheit und Elephantiasis radikal vermindert hätten. Von Flussblindheit sind 18 Millionen Menschen betroffen. Sie wird durch Würmer hervorgerufen. In Entwicklungsländern ist die Krankheit die Hauptursache für Blindheit.

"Es wäre angemessen, Mikroorganismen zu ehren"

Omura reagierte mit Bescheidenheit auf den Nobelpreis. Im japanischen Fernsehen sagte er: "Ich dachte: 'Darf ich es wirklich sein?'. Denn vieles habe ich ja von den Mikroorganismen gelernt. Es wäre angemessen, wenn man ihnen den Preis verleihen könnte."

Das Nobelkomitee lobt alle drei Preisträger: Der weltweite Nutzen ihrer Entdeckungen sei unermesslich. Ein Nobelpreis ist in diesem Jahr mit acht Millionen Schwedischen Kronen dotiert. Das sind umgerechnet rund 850.000 Euro.

Nobelpreis für Medizin verliehen
Norbert Hansen, ARD Stockholm
05.10.2015 16:14 Uhr

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