Chemie-Nobelpreisträger 2015 | Bildquelle: AFP

Chemie-Nobelpreis für drei Erbgut-Forscher Den Krebs besser bekämpfen

Stand: 07.10.2015 17:26 Uhr

In den menschlichen Zellen gibt es einen Mechanismus zur Reparatur von DNA. Mit seiner Funktionsweise beschäftigen sich die diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger Lindahl, Modrich und Sancar. Ihre Erkenntnisse helfen, Krebs zu bekämpfen.

Von Norbert Hansen, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Ein Werkzeugkasten der Zellen, um die DNA zu reparieren - genau darum geht es, sagt Göran K. Hansson vom Nobelkomitee. Diese Entdeckung ist der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften in diesem Jahr der Chemienobelpreis wert. Zellen müssen sich ständig gegen Angriffe wehren: durch UV-Licht aus der Sonne oder durch Giftstoffe im Zigarettenqualm. Moleküle versuchen dabei, das Erbgut exakt nachzubilden. Das klappt aber nicht immer. Es entstehen auch Fehler bei der Zellteilung.

Drei Erbgutforscher erhalten Nobelpreis
tagesschau 20:00 Uhr, 07.10.2015, Sophie König/Sonja Legisa, SWR

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Sara Snogerup Linse von der Akademie erklärt, was der Körper ständig leistet: "Jeden Tag treten Schäden in Ihrer DNA auf. Genau hier und genau jetzt. Wenn alle diese Fehler nicht korrigiert würden, hätte Ihr genetisches Material nur sehr wenig Ähnlichkeit mit den ursprünglichen Chromosomen in Ihrer ersten Zelle."

Das Leben, wie wir es kennen, wäre ohne Handwerker in den Zellen nicht möglich: Ein Reparaturservice, der lange Zeit verborgen war. Man hielt die DNA - unser Erbgut - für ein stabiles Molekül. Ist es aber nicht.

Deshalb musste es einen Reparaturmechanismus geben. Der Schwede Thomas Lindahl hat ihn entdeckt. Paul Modrich aus den USA konnte zeigen, wie die Werkzeuge bei der Zellteilung greifen. Der dritte Preisträger, Aziz Sancar, hat herausgefunden, wie Zellen Schäden durch Sonnenlicht ausbessern. Sancar ist in der Türkei geboren und lebt jetzt in den USA.

Werden die Informationen der DNA durch Schäden geändert, dann kann das ernste Folgen haben. Eine davon ist Krebs. Auf der anderen Seite sind diese Änderungen der Erbgutinformation auch völlig normal. Dadurch werden wir älter.

Ein Mitglied des Nobelpreis-Komitees präsentiert einen armgroßes Modell eines DNA-Stranges zur Veranschaulichung der Forscherleistung. | Bildquelle: AFP
galerie

Zur Veranschaulichung der Forschungsergebnisse präsentierte das Nobelpreis-Komitee ein Modell eines DNA-Stranges.

Krebs und andere Krankheiten bekämpfen

Nobelpreisträger Thomas Lindahl wurde bei der Bekanntgabe per Telefon zugeschaltet. Dass die Wissenschaft mit den Entdeckungen auf dem Weg zum ewigen Leben sei, daran glaubt er nicht: "Nein, an ewiges Leben glaube ich nicht, aber viele DNA-Schäden können ja in Krebs und anderen Krankheiten münden. Deshalb möchten wir diese Schäden so stark wie möglich bekämpfen. Dafür müssen wir aber erst verstehen, wie dieser Reperaturmechanismus genau funktioniert."

Lindahl zeigte sich überrascht von der Auszeichnung: "Ich fühle mich sehr glücklich und bin stolz darauf, ausgewählt worden zu sein." Er beschrieb auch, wie Zigarettenrauch die DNA schädigt. "Zigarettenrauch enthält reaktive kleine Chemikalien, die sich an die DNA binden und verhindern, dass die DNA korrekt gelesen oder richtig reproduziert werden kann. Sie sind also Mutagene. Sobald sie DNA schädigen, kann dies zu einer Reihe von Krankheiten, unter anderem Krebs führen."

Die große Hoffnung, die mit den Entdeckungen der drei Chemienobelpreisträger Thomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar zusammenhängt, ist, dass die Wissenschaft besser verstehen lernt, wie die Reparaturmechanismen in der Zelle arbeiten. Damit soll den Ärzten wiederum ein Werkzeugkasten gereicht werden, um die Volkskrankheit Krebs ein Stück besser bekämpfen zu können.

Clas Oliver Richter, ARD Stockholm, zur Vergabe des Chemie-Nobelpreises
tagesschau 12:00 Uhr, 07.10.2015

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