Passanten halten an einem Gedenkmal für die Opfer des Nizza-Attentats inne | Bildquelle: REUTERS

Jahrestag des Nizza-Attentats Zusammenrücken in Trauer

Stand: 14.07.2017 23:52 Uhr

Die Erinnerung an die Toten des Anschlags von Nizza hat Frankreich am Jahrestag des Lkw-Attentats geeint. Die Geschichten vom Mut vieler Helfer gaben aber auch Zuversicht, die vielen dabei, mit dem Schmerz weiterzuleben.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Es war einer der vielen bewegenden Momente an diesem schmerzlichen Tag, der das Gesicht Nizzas und ganz Frankreichs so nachhaltig verändert hat: "Nissa et belle" - "Nizza ist schön", sang ein Kinderchor gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern der Oper von Nizza beim feierlichen Gedenkakt. Nizza ist schön - wie zum Trotz gegen das viele Hässliche gerichtet, das sich hier auf der Uferpromenade vor einem Jahr ereignet hatte.

Zusammenrücken, den Schmerz teilen, um irgendwie mit ihm leben zu können: Mit dieser Absicht waren schon den ganzen Tag über Menschen an die Uferpromenade gekommen. Menschen wie Leonardo Vilani, dem an diesem Ort - wie vielen anderen - unendliches Leid zugefügt worden war: "Ich habe meinen Sohn verloren, meinen Enkel, meine Exfrau und ihren Freund. Meine Tochter Caroline wurde verletzt. Ich bin seit einem Jahr nicht hier gewesen. Aber jetzt bin ich da, um den Moment meiner Familie zu widmen. Das tut dem Herzen gut."

Macron erinnert an die Opfer

Als beim Gedenkakt schließlich die Namen aller 86 Getöteten noch einmal verlesen wurden - auch Namen von kleinen Kindern - war die Trauer auf der Ehrentribüne zum Greifen, da wo Vilani und die vielen anderen Angehörigen Platz genommen hatten.

In seiner Rede wandte sich Präsident Emmanuel Macron direkt an sie: "Wir haben die Gesichter derer, die sie so sehr geliebt haben, in unsere Erinnerung eingeschrieben. Die ganze Nation hat an jenem Tag den Schwindel erlebt, den der Tod eines nahen Menschen auslöst. Das waren Tage des Horrors und der Trauer."

Frankreichs Präsident Macron spricht bei der Gedenkfeier in Nizza | Bildquelle: AFP
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Frankreichs Präsident Macron erinnerte in seiner Rede an die Opfer des Attentats

Einen besonderen Dank richtete der Präsident auch an die Einsatzkräfte und Helfer: "Sie, die sie auch angegriffen wurden, wie waren sie heldenhaft, wie haben sie sich aufgeopfert!"

Geschichten mit Mut und Zuversicht

Als Anerkennung hatte Macron zuvor bereits zahlreiche Helfer mit Orden ausgezeichnet. Dabei war sogar Applaus aufgebrandet, als der Mann aufgerufen wurde, der während des Attentats von seinem Motoroller aus an die Tür des Terror-Lkw gesprungen war und versucht hatte, den Attentäter mit seinen Händen zu stoppen.

Franck Terrier wird am Jahrestag des Anschlags in Nizza mit einem Orden ausgezeichnet | Bildquelle: REUTERS
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Franck Terrier wurde als "Motorroller-Held" bekannt

Seine Geschichte hatte damals vielen im tiefsten Schmerz Mut und Zuversicht gegeben. Eine Zuversicht, die Nizza und ganz Frankreich seit einem Jahr Stück für Stück wiederzufinden versuchen. Auch wenn am Abend dieses sonnigen und bunten Nationalfeiertags Französinnen und Franzosen fühlten, was ihr Präsident in Worte fasste: "Der 14. Juli in Nizza wird nie mehr der gleiche sein. Und er wird auch in Frankreich nie wieder der gleiche sein."

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Weltweite Trauer um die Opfer von Nizza (Fotos vom 15.7.2016)

Trauer um die Opfer von Nizza: Botschaft in Wien

Trauer um die Opfer des Anschlags von Nizza. In vielen Hauptstädten der Welt kamen die Menschen vor die französische Botschaft, um ihr Mitgefühl auszudrücken, wie hier vor der Botschaft in Wien.

Tag der Trauer in Nizza
Marcel Wagner, ARD Paris
14.07.2017 22:07 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 14. Juli die Tagesschau um 17:00 Uhr und die Tagesthemen um 21:45 Uhr.

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