Solidaritätsplakate für den tot aufgefundenen Staatsanwalt Nisman | Bildquelle: AFP

Ein Jahr nach Tod des argentinischen Staatsanwalts Der Fall Nisman wird neu aufgerollt

Stand: 18.01.2016 06:31 Uhr

Der Fall Nisman bewegt Argentinien weiter. Vor dem heutigen Jahrestag des immer noch ungeklärten Todes des Staatsanwalts hat Argentiniens Präsident Macri seiner Familie Gerechtigkeit versprochen. Ein anderer Chefermittler soll den Fall neu aufrollen.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Südamerika

18. Januar 2015, Buenos Aires: Sonderstaatsanwalt Alberto Nisman wird tot in seinem Badezimmer gefunden. Mit einer Kugel im Kopf. Nisman war Sonderermittler im Fall des Terroranschlages auf das jüdische Gemeindezentrum Amia vor 21 Jahren. Bis heute ist sein Tod nicht aufgeklärt.

Staatsanwalt Alberto Nisman | Bildquelle: REUTERS
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Der Tod von Staatsanwalt Alberto Nisman gibt weiter Rätsel auf.

Von Anfang an war der Fall Nisman stark politisch gefärbt. Denn wenige Tage vor seinem Tod hatte er die damalige Staatspräsidentin Cristina Kirchner beschuldigt, die Aufklärung des Attentats zu torpedieren. Stichhaltige Beweise für seine Anklage gab es allerdings keine, wie im Nachhinein insgesamt drei Richter feststellten.

Viele Ermittler, wenig Ergebnisse

Doch die Verschwörungstheorien hatten ihren Lauf genommen und wurden geschürt. Die damalige Regierung Kirchner warf genauso mit Spekulationen um sich wie die Opposition. Die Familie Nismans trieb parallele Untersuchungen voran. Und die Medien wurden zu Anklägern, Verteidigern und Richtern.

All das habe die Wahrheitssuche behindert, sagt der investigative Journalist Santiago O’Donnell: "Die kleine Minderheit, die den Fall von Beginn an seriös begleitet hat, das heißt abseits politischer Überzeugungen auf die Fakten guckte, alle werden dir sagen: Es gibt keine stichhaltigen Beweise, die für einen Mord sprechen würden. Bisher deutet alles auf Suizid hin. Aber das ist ein Ergebnis, dass politisch von keinem gewollt ist."

Politik mischt sich ein

Die ermittelnde Staatsanwältin Viviana Fein hatte angekündigt, ihr Gutachten nach den Präsidentschaftswahlen zu veröffentlichen. Doch dazu kam es nicht. Kurz nach Amtsantritt der neuen Regierung unter Mauricio Macri im Dezember 2015 entzog ihr die zuständige Richterin die Beweisaufnahme und bestellt derzeit erneut Zeugen ein - für den Journalisten O’Donnell ein politisch motiviertes Hinhaltemanöver.

Bei dem Anschlag auf die jüdische Organsiation AMIA wurden 85 Menschen getötet, mehr als 300 verletzt. | Bildquelle: AP
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Bei dem Anschlag auf die jüdische Organsiation AMIA wurden 85 Menschen getötet, mehr als 300 verletzt.

Von einem Paradigmenwechsel spricht dagegen der Jurist Mario Cimadevilla. Er wurde von der Regierung unter Präsident Mauricio Macri an die Spitze der Unidad Amia gesetzt, der Sondereinheit zur Aufklärung des Amia-Attentas, welche die Justiz unterstützen soll. "Nisman ist passiert, was ihm passiert ist aufgrund der Nachforschungen, die er vorangetrieben hat im Fall des Terroranschlages auf das jüdische Gemeindezentrum Amia", meint Cimadevilla. "Und ich habe meine Zweifel, ob die Justiz bisher in der Lage war, gegen die Herrschenden zu ermitteln. Wir werden die Justiz dabei unterstützen, endlich unabhängig zu arbeiten."

Seit 21 Jahren gleicht die Aufklärung des Amia-Attentates einem Verwirrspiel mit endlosen Vertuschungsmanövern. Und der mysteriöse Todesfall des Sonderermittlers Alberto Nisman erscheint als ein weiteres Kapitel dabei.

 

Ein Jahr nach dem Tod von Staatsanwalt Nisman
A. Herrberg, ARD Buenos Aires
18.01.2016 02:42 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 18. Januar 2016 um 08:12 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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