Staatsanwalt Alberto Nisman. | Bildquelle: REUTERS

Kriminalfall in Argentinien Staatsanwalt Nisman wurde ermordet

Stand: 27.12.2017 09:58 Uhr

Der argentinische Staatsanwalt Nisman ist vor drei Jahren ermordet worden. Zu diesem Einschätzung kommt ein Bundesrichter. An der von offizieller Seite aufgebrachten Selbstmord-Theorie bestehen schon lange Zweifel. Der Fall hatte international für Aufregung gesorgt.

Drei Jahre nach dem mysteriösen Tod eines Staatsanwalts in Argentinien geht die Justiz sicher von Mord aus. Bundesrichter Julian Ercolini kam in seiner nun vorgelegten Einschätzung zu dem Ergebnis, dass der im Januar 2015 durch einen Kopfschuss getötete Staatsanwalt Alberto Nisman nicht durch eigene Hand gestorben sei.

In seiner 656 Seiten umfassenden Beschlussschrift kommt Ercolini zu einem eindeutigen Fazit: "Nismans Tod kann kein Selbstmord gewesen sein." Dafür gebe es hinreichende Beweise. Einem früheren Mitarbeiter Nismans warf er Beihilfe zum Mord vor. Diego Lagomarsino hatte zugegeben, Nisman die Pistole geliehen zu haben, durch deren Kugel dieser starb. Nach Darstellung Lagomarsinos bat Nisman ihn um die Waffe, um sich selbst und seine Familie damit zu schützen.

Kirchner brachte Selbstmord-Theorie auf

Unmittelbar nach Nismans Tod hatte die damalige Präsidentin Cristina Kirchner von Selbstmord und dann von einer "Verschwörung" gesprochen, die ihre Regierung destabilisieren wolle. Der mysteriöse Tod des Sonderermittlers hatte zahlreiche Spekulationen ausgelöst. Denn kurz vor seinem Tod hatte Nisman Kirchner beschuldigt, die Rolle des Irans beim Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires im Jahr 1994 verschleiert zu haben. Bei dem Attentat kamen 85 Menschen ums Leben, etwa 300 wurden verletzt.

Nisman hatte Kirchner vorgeworfen, die wahren Tatverdächtigen geschützt zu haben, um die Handelsbeziehungen mit dem ölreichen Iran zu verbessern. Irans Staatsführung hatte eine Verwicklung in den Fall stets bestritten.

Nisman wurde nur wenige Stunden vor einer wichtigen Parlamentsanhörung zu dem Fall tot aufgefunden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2017 um 09:30 Uhr in den Nachrichten.

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