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Nach den Anschlägen von Kano mit mehr als 180 Toten ist Nigeria noch immer im Schockzustand. Präsident Jonathan machte sich in der Stadt ein Bild von der Lage. Die anhaltende Gewalt durch die militante Islamistengruppierung Boko Haram erhöht auch den Druck auf ihn.
Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika
Es war ein Blitzbesuch: Unter massivsten Sicherheitsvorkehrungen war Nigerias Präsident Goodluck Jonathan nach Kano geeilt. Das Zentrum der Neun-Millionen-Stadt sieht aus wie ein Kriegsgebiet.
Der Präsident kam mit Anwohnern völlig zerstörter Häuser zusammen, ließ sich von Leichen in den Straßen berichten, besuchte Verletzte und Angehörige von Opfern der mehr als 20 koordinierten Bombenanschläge vom Freitag. Ein Krankenhausarzt erklärte dem Präsidenten, dass die Zahl der Toten von bisher 186 noch weiter steigen könne: Noch immer müssten viele Leichen aus den Trümmern geborgen werden.
So fassungslos, sagen Beobachter, habe man Goodluck Jonathan noch nie gesehen. "Dies ist eine furchtbare Phase in der Geschichte unseres Landes", sagte er. Aber man sei zuversichtlich, "diese Leute" bekämpfen zu können. "Unsere Sicherheitskräfte werden nicht ruhen, bis Nigeria von ihnen befreit ist. Boko Haram ist keine organisierte Armee, wir wissen nicht, wie viele es sind", sagte er weiter. Aber einige Kämpfer habe man festnehmen können, andere seien getötet worden, und wieder andere seien Selbstmordattentäter gewesen.
Es waren die bislang blutigsten Anschläge von Boko Haram, der radikal-islamischen Sekte, die aus dem Nordosten Nigerias stammt und gegen westliche Einflüsse kämpft. Boko Haram gilt als größtes Sicherheitsrisiko im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas, in dem fast ebenso viele Christen wie Muslime leben. Die Ziele waren vor allem das Polizeihauptquartier und andere öffentliche Einrichtungen. Teilweise hatten sich die Angreifer offenbar als Polizisten verkleidet.
Es sei wie in einem Kriegsfilm gewesen, sagt ein Anwohner, dessen Haus in Schutt und Asche liegt: "Ich bin schockiert und traurig, weil diese Leute mein Land zerstören. Und sie werden weitermachen, denn sie sind gut ausgerüstet und schwer bewaffnet."
Dieser Mann scheint zu bestätigen, was Jonathan schon lange vermutet: Boko Haram sei als Terrorgruppe offenbar gut organisiert und verfüge über ausreichende finanzielle Mittel, um den Kampf mit Nigerias Sicherheitskräften immer wieder aufs Neue aufzunehmen. Erst vor wenigen Tagen hatte Jonathan darauf hingewiesen, Boko Haram habe längst die Lokalverwaltungen und sogar seine eigene Regierung unterwandert - und sei zudem aus dem Ausland finanziert.
Terrorexperten sagen, sie hätten eindeutige Beweise für Verbindungen zwischen Boko Haram und Al Kaida im Islamischen Maghreb, kurz AQIM. Heute sitzen nigerianische Vertreter mit am Tisch, wenn Mali, Mauretanien, Niger, Algerien und die EU in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott über den organisierten Terror beraten.
Doch statt Reden verlangen die Nigerianer endlich Taten - besonders im Norden des Landes. Schließlich reißt die Blutspur, die Boko Haram durch Nigeria zieht, seit Jahren nicht ab. Die verheerenden Anschläge vom Freitag erhöhen nun den Druck auf den Präsidenten. Bislang fand er keinen Weg, um die Gewalt von Boko Haram einzudämmen und die gefährliche Spannungen in Nigeria zu entschärfen.
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