Afrikanischer Esel | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/M

Afrikanischer Esel kurz vor Ausrottung Nigeria verhängt Exportstopp für Esel

Stand: 14.11.2016 16:31 Uhr

In Westafrika floriert der Export von Eseln nach China. Für Länder wie Nigeria ist der Heißhunger aus Fernost inzwischen ein ernsthaftes Problem: Der afrikanische Esel steht jetzt auf der Liste der bedrohten Tierarten.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Eselfleisch gilt in bestimmten Regionen Chinas als Delikatesse, die Gelatine der Tiere als besonders wertvoll – für Süßigkeiten, Kosmetik und teure, traditionelle Medizin. Weil China seinen Bedarf aber selbst nicht mehr decken kann, importiert das Land vor allem aus Westafrika riesige Mengen.

Mali, Burkina Faso, Niger und Nigeria: Ein westafrikanisches Land nach dem anderen verhängt gerade einen Exportstopp für Esel nach China. Behörden melden: Im Niger wurden in diesem Jahr bisher mehr als 80.000 Esel exportiert. Das sind jetzt schon drei Mal mehr als im gesamten Vorjahr. In Burkina Faso stiegen die Exporte innerhalb eines Jahres sogar um das Achtzehnfache.

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Die hohe Nachfrage Chinas nach Eseln stellt viele westafrikanische Länder vor ein Problem.

Preise sind in die Höhe geschossen

In Nigeria haben sich Unternehmer anfangs noch gefreut. Heute ist die hohe Nachfrage auch ein Problem, sagt Unice Noble. Sie handelt mit Eseln in Nigeria: "Früher hast Du einen Esel für 21 Euro verkauft, heute bekommst Du 33 Euro dafür. Es gibt aber mehr Konkurrenz, der Markt kann der jetzigen Nachfrage nicht mehr nachkommen – sie ist einfach viel höher als das Angebot."

Nach offiziellen Angaben werden jeden Monat 10 bis 15 Tonnen Eselknochen, -haut und -fleisch aus Nigeria exportiert. Die Konsequenzen: Die Eselzucht kommt nicht hinterher, die Preise sind in die Höhe geschossen. Viele Menschen können sie nicht mehr bezahlen.

Der Esel ist das Auto Nordnigerias

Dabei spielen die Tiere in vielen Teilen Westafrikas eine bedeutende Rolle, sagt Entwicklungsexperte Abdurahman Abu Hamisu. Er arbeitet beim Afrikanischen Zentrum für Führungsfragen, Strategie und Entwicklung, einer Nichtregierungsorganisation in der Hauptstadt Abuja. "In Nordnigeria gibt es drei hauptsächliche Transportmittel: den Esel, das Pferd und das Kamel", sagt Abu Hamisu. "Aber der Esel stach da schon immer heraus, weil er das einzige Tier ist, das hohe Belastungen auf Dauer durchhält. Esel sind in Nordnigeria einfach das, was woanders Autos sind."

Die Esel kommen in der Landwirtschaft zum Einsatz, werden zum Beispiel auf dem Acker vor einen Pflug gespannt oder dienen schlicht und einfach als Transportmittel – gerade in ländlichen Gegenden, um Menschen und Waren von A nach B zu transportieren.

Illegaler Handel blüht

Die hohe Nachfrage aus China biete aber auch ein wirtschaftliches Potenzial, findet Entwicklungsexperte Abdurahman Abu Hamisu. "Für mich ist die hohe Nachfrage eine Bedrohung, aber auch eine Chance, wenn ich daran denke, dass wir in Nigeria unsere Wirtschaft breiter aufstellen müssen. Das gibt der Regierung eine Chance, die Menschen zu ermutigen, ins Eselbusiness einzusteigen, sodass wir davon profitieren."

Die Eselproduktion muss erst einmal hinterher kommen, um in Zukunft den in- und ausländischen Markt ausreichend mit Eseln made in Westafrika versorgen zu können. Das wird dauern: Esel brauchen bis zu zwei Jahre, bis sie sich fortpflanzen können. Und so blüht momentan der illegale Handel mit den Tieren. Immer wieder decken nigerianische Behörden illegale Eselexporte auf. Damit der Esel vor der Ausrottung bewahrt werden kann, muss das erst einmal gestoppt werden.

Rettet den Esel! Wie Nigeria gegen Chinas Heißhunger kämpft
D. Sadaqi, ARD Rabat
14.11.2016 16:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 10. November 2016 um 17:25 und 22:56 Uhr.

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