Karte Nigeria mit Gwoza

Kampf gegen Terrorgruppe Boko Haram Nigerias Armee befreit 90 Menschen

Stand: 19.09.2015 07:02 Uhr

Es ist ein kleiner Erfolg im Kampf gegen Boko Haram: 90 Männer, Frauen und Kinder hat die nigerianische Armee nach eigenen Angaben aus der Gewalt der Terrorgruppe befreit. Und es gibt noch eine weitere Erfolgsmeldung.

Nigerias Armee hat nach eigenen Angaben 90 Menschen, darunter Dutzende Frauen und Kinder, aus der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram befreit. Aus den beiden Dörfern Dissa und Balazala im nordnigerianischen Bezirk Gwoza seien am Donnerstag 23 Männer, 33 Frauen und 34 Kinder gerettet worden, teilte Armeesprecher Sani Usman am Freitagabend mit.

Das Militär habe außerdem eine Grundschule wiedereröffnet, die im Zuge des Konflikts mit Boko Haram geschlossen worden war. Es würden nun Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um Schüler und Lehrer zu schützen. Die Wiedereröffnung der Schule sei "bedeutend", weil Boko Haram ausdrücklich westliche Bildung bekämpfe.

Stichwort: Boko Haram

Die Gruppe Boko Haram kämpft seit ihrer Gründung 2002 für einen islamischen Gottesstaat im muslimischen Norden Nigerias. Immer wieder verübt sie blutige Anschläge auf Kirchen, Schulen, Sicherheitskräfte, Politiker oder Behördenvertreter und entführt Menschen.

Der Name der Gruppe bedeutet in einem örtlichen Dialekt "Westliche Bildung ist eine Sünde". Seit 2010 tragen sie auch den arabischen Namen "ǧamāʿat ahl as-sunna li-d-daʿwa wa-l-ǧihād" - übersetzt etwa "Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad". Die Mitglieder sehen sich selbst als "Nigerianische Taliban". Boko Haram wird verdächtigt, Verbindungen zum nordafrikanischen Arm des Al-Kaida-Netzwerks und zur islamistischen al-Shabaab-Miliz in Somalia zu unterhalten.

Lange galt die Gruppe als internes nigerianisches Problem. Doch mittlerweile schlagen die Terroristen auch in den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad zu.

Das Kinderhilfswerk Unicef hatte am Freitag mitgeteilt, vor Boko Haram seien in den vergangenen fünf Monaten 500.000 Kinder geflohen. Damit sei ihre Zahl auf 1,4 Millionen gestiegen. Am schlimmsten betroffen ist demnach Nigeria mit 1,2 Millionen Kindern auf der Flucht, aber auch in den Nachbarländern Kamerun, Tschad und Niger hätten die islamistischen Rebellen zuletzt ihre Angriffe verstärkt.

Am 14. April 2014 hatten Boko-Haram-Kämpfer eine Schule in Chibok im Nordosten Nigerias gestürmt und 276 Mädchen verschleppt. 57 Schülerinnen kamen zwischenzeitlich frei, von den übrigen Mädchen gibt es keine Nachrichten. Die Boko-Haram-Extremisten kämpfen seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Staats im muslimisch geprägten Norden Nigerias. Mindestens 15.000 Menschen wurden seither getötet.

1,4 Millionen Kinder vor Boko Haram auf der Flucht
H.-J. Maurus, ARD Zürich
19.09.2015 11:20 Uhr

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