Düstere Aussichten für Nigeria Ölpreis-Crash, Flüchtlinge, Terror

Stand: 07.02.2016 16:42 Uhr

Nigeria ist die größte Volkswirtschaft Afrikas - allerdings ist der Reichtum ungleich verteilt. Der niedrige Ölpreis verschärft das noch. Wenn Bundespräsident Gauck morgen Nigeria besucht, kommt er in ein Land, das mit vielen Schwierigkeiten kämpft.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari | Bildquelle: AP
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Nigerias Präsident Muhammadu Buhari.

Präsident Muhammadu Buhari ist nicht zu beneiden. Viele Nigerianer hatten ihn vor knapp einem Jahr als Hoffnungsträger gewählt. Jetzt agiert der 73-jährige mehr als Krisenmanager denn als Reformer. Buhari teilt mit dem Bundespräsidenten sicherlich eine zentrale Sorge - das ist die Situation in Libyen: "Ich muss unsere ernste Sorge über die alarmierende Situation im Süden von Libyen ansprechen. Das wird zur strategischen Zeitbombe für Afrika und Europa. Der Süden von Libyen ist ein florierender Basar für Waffen geworden und bedroht damit die Sicherheit der Sahel-Zone, West-Afrikas und anderer Regionen."

Das sagte Buhari vergangene Woche vor dem Europaparlament. Der nigerianische Präsident weiß, dass die Terrorgruppe "Boko Haram" Waffenlieferungen aus Süd-Libyen bezieht. Und dass diese Terror-Miliz damit nicht nur im Nordosten seines Landes, sondern auch in den Nachbarstaaten Niger, Kamerun und Tschad mordet. "Boko Haram" hat dem sogenannten Islamischen Staat Treue geschworen, der sich immer stärker in Libyen festzusetzen scheint. Das besorgt auch Deutschland - insofern haben Bundespräsident Jopachim Gauck und Muhammadu Buhari da schon mal ein gemeinsames Interesse. Und eine gemeinsame Sorge.

Millionen fliehen vor "Boko Haram"

Buharis zweites Problem hängt mit dem ersten zusammen: Der "Boko Haram"-Terror hat mehr als zwei Millionen Menschen aus ihren Heimatregionen in Nigeria vertrieben. Jetzt hat die nigerianische Armee die meisten dieser Regionen wieder einigermaßen unter Kontrolle. Aber viele Dörfer sind zerstört. Sie müssen wieder aufgebaut werden. Es muss für Sicherheit gesorgt werden. Und für eine wirtschaftliche Perspektive.

Präsident Buhari sagt deshalb, seine Regierung wolle mögliche Ursachen für Migration aus Nigeria nach Europa direkt angehen: "Wir arbeiten auch mit unseren Bundesstaaten und den lokalen Behörden daran, die Berufsausbildung zu stärken. Wir wollen außerdem unsere Wirtschaft diversifizieren. Deshalb setzen wir Impulse in der Landwirtschaft und beim Abbau von Rohstoffen, um Wohlstand und Arbeit zu schaffen."

Flüchtlingsmädchen in einem nigerianischen Lager | Bildquelle: AP
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Nigerianische Binnenflüchtlinge: Mehr als zwei Millionen Menschen fliehen vor der Terrorgruppe "Boko Haram".

Investitionen trotz Ölpreis-Crash

Das alles kostet allerdings viel Geld - das ist das dritte große Problem Nigerias. Der Preisverfall für Rohöl trifft das Land hart. Dennoch hat Präsident Buhari für das laufende Jahr einen Staatshaushalt auf den Weg gebracht, der hohe Investitionen in Landwirtschaft, Bildung und Infrastruktur Nigerias finanziert. Weil aber die Einnahmen aus dem Erdöl-Export eingebrochen sind, muss sich das Land dafür höher verschulden.

Und schließlich hat Buhari noch ein erhebliches Problem: Wegen des Klimawandels droht der riesige Tschad-See im Grenzgebiet von Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad auszutrocknen: "Nigeria schaut hilflos zu, wie der Tschad-See austrocknet. Das hat monumentale Konsequenzen für die Menschen dort. Deren Lebensgrundlage hängt seit Generationen von den Ressourcen des Tschad-Sees ab. Diese Ressourcen verschwinden und nehmen damit den Menschen die Arbeit", erklärt Buhari.

Terrorismus, interne Flüchtlinge, Ölpreisverfall und die Folgen des Klimawandels - Nigerias und Deutschlands Präsidenten haben wahrlich keinen Mangel an Themen bei diesem Besuch. Afrikas größte Volkswirtschaft kämpft an verschiedenen Fronten.

Nigeria kämpft mit den Folgen von Terrorismus und Ölpreisverfall
J. Borchers, ARD Rabat
07.02.2016 16:19 Uhr

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Karte von Nigeria, Tschad, dem Tschad-See und N Djamena.
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Nigeria, Tschad und der Tschad-See

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