Die "Aquarius" hat "Ärzte ohne Grenzen von der NGO "SOS Méditerranée" gechartert. | Bildquelle: dpa

Mittelmeer Immer mehr NGOs stoppen Rettungseinsätze

Stand: 13.08.2017 22:01 Uhr

Nach "Ärzte ohne Grenzen" haben weitere NGOs ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer gestoppt. Die Bedrohung durch die libysche Küstenwache sei ein Grund. "Ärzte ohne Grenzen" will darüber hinaus vermeiden, Migranten auf Anweisung zurück nach Afrika bringen zu müssen.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Zwei Schiffe hat die deutsche Nichtregierungsorganisation "Sea Eye": Diese sollen eigentlich im Mittelmeer Migranten in Seenot retten. Doch beide Schiffe liegen im Hafen und werden da erst einmal bleiben, so Michael Buschheuer, der Gründer der NGO. Denn die Organisation setzt die Seenotrettung im Mittelmeer aus - die Rettungsfahrten seien momentan zu gefährlich.

"Die libysche Küstenwache hat für sich eine eigene Such- und Rettungs-Area proklamiert, die sie aber gar nicht in ihrer Ausdehnung verifizieren und haben den NGOs deutlich gedroht, diese Zone nicht ohne ihre Erlaubnis zu befahren." Es sei eine "sehr konkrete Drohung, die wir auch leider sehr ernst nehmen müssen", sagt Buschheuer. Seine NGO hätte gar keine Möglichkeit, anders zu handeln, "weil man das Gebiet nicht definiert hat".

Buschheuer befürchtet, dass seine Schiffe beschossen werden könnten, wenn sie versehentlich in diese Such- und Rettungszone fahren. Berichten zufolge soll sich die neue Zone von der libyschen Küste aus etwa 70 Seemeilen ins Meer erstrecken.

Debatte um Seenotrettung vor Libyen
tagesschau 20:00 Uhr, 14.08.2017, Alexander Stein, SWR

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Auch "Save the Children" zieht sich zurück

Ob eine solche Zone in internationalen Gewässern legal wäre oder von der EU toleriert würde, ist unklar. Die libysche Küstenwache geht offenbar davon aus, dass ihr Vorgehen mit internationalem Recht übereinstimmt.

"Sea Eye" ist nicht die einzige Organisation, die jetzt die Seenotrettung einstellt, zumindest vorübergehend. Auch das Schiff der NGO "Save the Children" bleibt vorerst aus Sicherheitsgründen in Malta, solange die Situation so unklar ist.

Die Sea-Eye bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer. | Bildquelle: dpa
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Die Sea-Eye bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer. Die Rettungsfahrten seien momentan zu gefährlich, sagt Gründer der gleichnamigen NGO, Michael Buschheuer.

Vor Sicherheitsrisiken gewarnt

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hatte schon eine Tag zuvor ebenfalls beschlossen, ihr Schiff "Prudence" vorläufig nicht mehr auslaufen zu lassen. Und das nicht nur, weil die Seenotrettungsleitstelle in Rom sie konkret vor Sicherheitsrisiken gewarnt habe, so Stefano Argenziano von "Ärzte ohne Grenzen".

"Das grundlegende Problem ist nicht die Sicherheit", so Argenziano. Er und seine Kollegen seien es gewohnt, in unsicheren Umgebungen zu arbeiten. "Das Problem ist, dass wir es ablehnen, uns in ein System zu integrieren, in dem Libyen die Seenotrettung koordinieren kann und uns anweisen kann, gerettete Migranten nach Libyen zu bringen", sagt er.

46 Millionen Euro für Libyens Grenzschutz

Das wäre in solch einer neuen Such- und Rettungszone möglich. Möglicherweise würden Italien und die EU ein solches Vorgehen sogar dulden, befürchtet Argenziano. Italien hatte erst vor kurzem beschlossen, die libysche Küstenwache technisch und logistisch zu unterstützen. Die Europäische Union hatte 46 Millionen Euro bereitgestellt, um Libyen beim Grenzschutz zu unterstützen.

Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer | Bildquelle: dpa
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Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer. Italien hat vor kurzem beschlossen, die libysche Küstenwache technisch und logistisch zu unterstützen.

Man wolle Europa abriegeln und die Migranten nach Libyen zurückschicken, in die umstrittenen Flüchtlingslager, in Zustände, die nach Berichten von Hilfsorganisationen menschenunwürdig sind, vermutet Argenziano.

"Italien und die europäischen Länder sind dabei, ein Todesurteil zu unterschreiben für Tausende von Flüchtlingen, für Frauen, Männer und Kinder, indem sie sie in die Hände ihrer Henker übergeben - in die Hände derer, die sie ausgebeutet, eingesperrt, vergewaltigt und gefoltert haben", sagt er. "Da werde ein Pakt mit dem Teufel geschlossen, aus dem er sich raushalten wolle.

Gefahr für die Migranten

Die Kehrseite des Rückzugs aus dem Mittelemeer kennen die NGOs auch. Wenn weniger Schiffe im Mittelmeer humanitäre Hilfe leisten, dann ist die Gefahr für die Migranten, die es durch die Kontrollen der libyschen Küstenwache schaffen, deutlich höher, zu ertrinken. Trotz der Rettungsaktionen der NGOs sind allein in diesem Jahr mindestens 2400 Menschen im Mittelmeer gestorben - das macht es zum tödlichsten aller Meere.

Rettungs von Flüchtlingen im Mittelmeer | Bildquelle: dpa
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Die "Aquarius" soll weiter Migranten in Not helfen. "Ärzte ohne Grenzen" hat das Schiff von der NGO "SOS Méditerranée" gechartert.

Und so will sich auch die NGO "Ärzte ohne Grenzen" nicht ganz aus der Seenotrettung zurückziehen. Ein Team der Organisation soll weiterhin an Bord der "Aquarius" bleiben, ein von der NGO "SOS Méditerranée" gechartertes Schiff. Die "Aquarius" soll weiter Migranten in Not helfen. Jedenfalls solange ihre Besatzung einigermaßen sicher ist - trotz der libyschen Drohungen.

Mehrere NGOs setzen Seenotrettung im Mittelmeer aus
Lisa Weiß, ARD Rom
13.08.2017 20:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2017 um 05:44 Uhr.

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