Suche nach Snowden-Material Auch "New York Times" bedrängt

Stand: 31.08.2013 09:24 Uhr

Das Gebäude der "New York Times" (Bildquelle: dapd)
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Besuch aus der britischen Botschaft: die "New York Times"

Großbritannien soll offenbar auch von der "New York Times" verlangt haben, Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zu vernichten. Ein ranghoher Vertreter der britischen Botschaft in Washington sei deswegen bei der Chefredakteurin der Zeitung, Jill Abramson, vorstellig geworden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Das Blatt habe aber nicht darauf reagiert. Auch von britischer Seite habe es seitdem keine Aufforderungen mehr gegeben, dass die Zeitung die Informationen über das geheimdienstliche Ausspähen von Internetnutzern und Telefonkunden vernichtet.

Nicht weiter verwunderlich

Die "New York Times" wollte sich nicht dazu äußern. Ein Sprecher der britischen Botschaft sagte lediglich, dass es niemanden verwundern dürfte, wenn man an eine Person herantreten würde, die dieses Material besitze.

Der Chefredakteur der britischen Zeitung "Guardian" wies darauf hin, dass britische Stellen die "New York Times" erst drei Wochen nach der Vernichtung von Snowden-Dokumenten bei seiner Zeitung kontaktiert hätten. Dies stehe im Widerspruch zu der angeblichen Dringlichkeit, die die Regierung das stundenlange Verhör von David Miranda, dem Lebenspartner des Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald, am Londoner Flughafen Heathrow begründet hatte. ProPUblica, ein weiterer Partner des "Guardian" bei der Aufarbeitung des Snowden-Materials, sei überhaupt nicht kontaktiert worden.

Snowden hatte nicht nur das Spähprogramm des US-Geheimdienstes NSA sondern auch Informationen über ähnliche Aktivitäten des britischen Dienstes GCHQ ans Tageslicht gebracht. Der "Guardian" und andere Medien veröffentlichten die Enthüllungen. Die britische Zeitung wurden nach eigenen Angaben von der Regierung in London zur Vernichtung der Snowden-Dokumente gezwungen.

Angaben über Cyberangriffe

Unterdessen veröffentlichte die "Washington Post" weiteres Material aus dem Snowden-Fundus. Daraus geht hervor, dass die US-Geheimdienste 2011 insgesamt 231 Cyberangriffe ausgeführt haben.

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"Genie" soll angeblich breit gestreut werden.

Einem Haushaltsentwurf zufolge brechen US-Computerspezialisten bei einem Projekt mit dem Code-Namen "Genie" (Geist) in ausländische Netzwerke ein, um sie heimlich unter ihre Kontrolle zu bringen. Bis Ende dieses Jahres solle im Rahmen von "Genie" spezielle Software auf mindestens 85.000 strategisch ausgewählten Computern weltweit platziert werden. Diese Software könne zum Beispiel Daten mitschneiden und übermitteln. 2008 seien erst 21.252 Computer auf diese Weise angegriffen worden, schrieb die "Washington Post" unter Berufung auf den Geheimdienstetat. Zugleich könne in großen Computernetzwerken auch nur ein infiziertes Gerät den Zugang zu Hunderttausenden weiteren öffnen.

Von den 231 "offensiven Operationen" 2011 waren laut Budget fast drei Viertel gegen Ziele mit höchster Priorität gerichtet. Nach Angaben ehemaligen Beamter seien darunter Aktionen gegen Ziele in Ländern wie Iran, Russland, China und Nordkorea

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