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Die Zerstörungen in New Orleans durch den Hurrikan "Katrina" hätten verhindert werden können: Dieser Ansicht ist ein US-Richter, der den Behörden "monumentale Fahrlässigkeit" vorwirft und eine Entschädigung von 720.000 Dollar verfügte. Die Regierung wird das Urteil vermutlich anfechten.
Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington
Craig Taffaro ist die Erleichterung über das Urteil anzuhören. "Das ist ein wichtiger Sieg", sagt der Stadtteils-Vorsitzende von St. Bernard Parish, "es rehabilitiert unser Viertel". St. Bernard Parish gehört zu den zwei Stadtteilen von New Orleans, die am schlimmsten von den Überschwemmungen beim Hurrikan "Katrina" betroffen waren, als der örtliche Abflusskanal versagte und Dämme brachen.
Schon direkt nach der Katastrophe gab es Beschwerden, ein solches Ausmaß hätte verhindert werden können, wenn man nur auf die Warnungen der Anwohner gehört hätte. "Viele Menschen haben 40 Jahre lang gekämpft, die Öffentlichkeit wissen zu lassen, dass dieser Kanal eine Gefahr ist und letztlich zur Verwüstung des Stadtteils führen wird", so Taffaro. Er sieht das Urteil als späte Bestätigung dafür, dass die Zerstörungen durch "Katrina" kein Akt Gottes waren, keine unabwendbare Naturkatastrophe, wie die US-Regierung immer betonte, sondern eine menschengemachte Katastrophe.
Bezirksrichter Stanwood Duval warf dem Army Corps of Engineers "monumentale Fahrlässigkeit" vor, das riesige Abflusskanalsystem sei nicht ausreichend gewartet worden. Duval sprach sechs Anwohnern und einem Unternehmen insgesamt 720.000 Dollar Entschädigung zu. Zum ersten Mal wird damit die US-Regierung haftbar für die Schäden von Hurrikan "Katrina" gemacht, der 2005 an der nordamerikanischen Golfküste 1800 Menschen tötete.
Das Urteil ist brisant, denn es könnte weitere Klagen von bis zu 100.000 Anwohnern von New Orleans nach sich ziehen, auf die Regierung könnten dann viele Millionen oder sogar Milliarden Dollar an Entschädigungsforderungen zukommen.
[Bildunterschrift: Nach den Dammbrüchen mussten viele Bürger evakuiert werden. (Archivbild) ]
Was die Opfer enttäuscht: der Richter hat das Urteil auf zwei Stadtteile beschränkt. Er sagte, für die Schäden in der gesamten Stadt könne die Armee nicht verantwortlich gemacht werden. Taffaro sagt, es gehe nicht nur darum, so viel Geld wie möglich an Tausende Bürger zu verteilen, sondern darum, für anständigen Schutz der Einwohner zu sorgen.
Die US-Regierung hat sich noch nicht geäußert, aber es gilt als sicher, dass sie das Urteil anfechten wird. Insgesamt wurden wegen "Katrina" bisher 500.000 Klagen gegen die Regierung eingereicht. Laut einer Studie der Armee könnten sich daraus Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 500 Milliarden Dollar ergeben.
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