Voodoo-Altar in New Orleans

New Orleans gegen Trump Zur Not auch mit Voodoo-Zauber

Stand: 21.05.2017 12:49 Uhr

Nur rund 15 Prozent der Wähler in New Orleans haben für Trump als US-Präsidenten gestimmt. Die meisten waren und sind gegen ihn und wollen ihn am liebsten so schnell wie möglich wieder los werden. Viele beten dafür, andere versuchen es mit Voodoo. Dafür und für den Jazz ist die Stadt schließlich bekannt.

Von Maiken Nielsen, für tagesschau.de

"Wir wollen, dass ein Impeachment gegen Trump eingeleitet wird", erklärt Sandy Hester und hebt ihre Stimme, denn genau in diesem Moment beginnt eine Gruppe von Kindern neben ihr auf Eimern zu trommeln. "Dafür beten wir jeden Tag - und manch einer in New Orleans nutzt sogar Voodoo dafür."

Die Stadtführerin aus New Orleans weiß, wovon sie spricht. Sie hat sich auf Voodoo-Touren im French Quarter spezialisiert. Tatsächlich bildet die Stadt des Jazz und der Voodoo-Rituale eine Insel im traditionell republikanisch geprägten Louisiana: Bei der Präsidentschaftswahl 2016 ging die Mehrheit der Stimmen mit 84,7 Prozent an Hillary Clinton. 15,3 Prozent wählten Donald Trump.

"Wir sind eine gespaltene Stadt", erklärt Dorothy, eine Afroamerikanerin, die in New Orleans Taxi fährt und so spricht, wie andere Frauen rappen. "Die Weißen haben diesen Hohlkopf gewählt und die Schwarzen Hillary. Wir müssen jetzt irgendwas tun, sonst steht uns noch der dritte Weltkrieg bevor."

Jazzband in New Orleans
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Ob auf den Straßen oder in den Innenhöfen der Cafés - überall erklingt der für New Orleans typische Jazz.

Heiß begehrt: Donald-Trump-Voodoo-Puppen

Es ist Mittag im Herzen des Big Easy. In den Innenhöfen der Cafés spielen Jazz-Combos, auf der Bourbon Street haben die ersten Cocktailbars geöffnet. Scharen von Touristen schlängeln sich hier vorbei. Ein paar Straßen weiter strömen Besucher in ein Geschäft mit dem Namen "Voodoo Authentica". Einige bewundern den Altar mit den Puppen, Ketten und Bildern, andere suchen nach einem geeigneten Gris-Gris Bag, einem Talisman gegen böse Geister, oder kaufen einen Stift, den eine Voodoo-Puppe schmückt, um sich ungeliebte Kollegen vom Hals zu halten, wie ein Schild verspricht.

Voodoo-Puppen in Form eines Donald Trump gibt es derzeit nur im Internet zu kaufen - zur größten Überraschung von Sarry Noedel. Die Kleinunternehmerin nähte während des Wahlkampfs "ironische Donald-Trump-Voodoo-Puppen" und wachte am 9. November 2016 mit einer Mailbox voller Bestellungen auf. "Jetzt komme ich mit der Produktion kaum noch hinterher", sagt sie.

Für Homosexuelle, Künstler und Hippies das reine Paradies

Sandy Hester, Stadtführerin in New Orleans
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Stadtführerin Sandy Hester

"In Wahrheit hat Voodoo nichts mit Puppen, Zombies und diesen ganzen Hollywood-Klischees zu tun", führt Statdtführerin Sandy Hester aus.

Wir stehen mittlerweile vor dem Haus von Marie Laveau in der St. Ann Street im French Quarter. "Laveau war die Voodoo Queen im New Orleans des 19. Jahrhunderts. Ihr haben wir es zu verdanken, dass Voodoo heute über die Grenzen von New Orleans hinaus international so bekannt ist. Niemand hat Voodoo so genial kommerzialisiert wie sie."

Heute ist die St. Ann Street mit regenbogenbunten Gay-Pride-Fahnen geschmückt. Für Homosexuelle, Künstler und Hippies ist New Orleans das reine Paradies. Afroamerikaner, die 67 Prozent der Bevölkerung ausmachen, musizieren gemeinsam mit weißen Amerikanern und Latinos. Und selbst für Vegetarier ist die Südstaaten-Stadt kein Problem mehr: Gumbos, die stark gewürzten traditionellen Fisch- und Fleischeintöpfe, gibt es hier seit einigen Jahren sogar in veganer Form.

Konföderierten-Denkmäler abgebaut

"Die Menschen in New Orleans haben immer dicht aufeinander gelebt", erklärt Hester. "Auf diese Weise sind die unterschiedlichen Kulturen und Religionen ineinander geflossen. Und das ist heute noch so. Der beste Ausdruck dafür ist der New Orleans Voodoo - eine westafrikanische Spiritualität, die sich mit dem katholischen Glauben der alten französischen und spanischen Einwanderer vermengt hat und heute noch von fast 20 Prozent der Bewohner New Orleans' praktiziert wird."

Zu dieser weltoffenen Stimmung passen keine Denkmäler mehr, auf denen Sklaverei verherrlicht wird, findet Mitch Landrieu. Der demokratische Bürgermeister von New Orleans ließ am Freitag das letzte von vier Konföderierten-Denkmälern vom Sockel heben. Die ersten drei noch in der Nacht, um mögliche Proteste klein zu halten, das letzte hingegen bei vollem Tageslicht vor den Augen Hunderter verblüffter Fußgänger.

Leerer Sockel - ehemaliges Konföderiertendenkmal der Statue von Robert E. Lee in New Orleans
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Leerer Sockel - ehemaliges Konföderiertendenkmal der Statue von Robert E. Lee

"Nicht mehr auf der falschen Seite stehen"

"Ich bin stolz darauf, dass wir das tun", sagte Landrieu bei einer Pressekonferenz. Um dann mit einem Satz zu schließen, der für einen Südstaaten-Politiker von nahezu historischer Bedeutung ist: "Die Konföderierten standen auf der falschen Seite."

Auf der falschen Seite zu stehen - das versuchen in New Orleans heute die meisten zu vermeiden. Deshalb prangert der Bürgermeister rassistische Symbole im Stadtbild an, deshalb protestierte der Stadtrat gegen Trumps Einreiseverbot, und deshalb beten die Menschen im Big Easy darum, dass ein Gott oder die Geister sie von Trump befreien mögen. Zur Not eben auch mit einem Voodoo-Ritual.

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