Erste Wahlergebnisse von New Hampshire auf einem Bildschirm | Bildquelle: dpa

Vorwahl in New Hampshire Politischer Zwerg, symbolischer Riese

Stand: 10.02.2016 12:33 Uhr

Frenetischer Jubel bei Sanders' Anhängern, tosender Applaus auch bei Trumps Fans: Der Demokrat und der Republikaner haben sich für ihre Siege in New Hampshire feiern lassen. Denn der Bundesstaat ist politisch zwar ein Zwerg, symbolisch aber ein Riese.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington, zzt. New Hampshire

Zwei höchst unterschiedliche New Yorker gewinnen die Vorwahlen in New Hampshire: Ein Immobilienmilliardär und ein demokratischer Sozialist, der in Brooklyn aufwuchs.

Im Lager von Bernie Sanders gibt es kein Halten mehr, als feststeht, dass der Senator aus dem Nachbarstaat Vermont die Vorwahl der Demokraten gewonnen hat: "Bernie, Bernie"-Rufe, die nicht enden wollen.

Vor allem junge Wähler aus New Hampshire jubeln dem 74-jährigen Mann mit den weißen Strubbelhaaren zu. "Feel the Bern", heißt ihr Slogan. Und die Menschen hier, so scheint es, haben die Botschaft mindestens so sehr gefühlt wie politisch befürwortet: "Was letzte Woche in Iowa anfing, ist nichts Geringeres als eine politische Revolution."

Bernie Sanders | Bildquelle: REUTERS
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Bernie Sanders kommt vor allem bei jungen Wählern gut an.

Ergebnisse in New Hampshire (90 Prozent ausgezählt)

Demokraten:
Bernie Sanders: 60,0 Prozent
Hillary Clinton: 38,4 Prozent

Republikaner:
Donald Trump: 35,1 Prozent
John Kasich: 15,9 Prozent
Ted Cruz: 11,6 Prozent
Jeb Bush: 11,1 Prozent
Marco Rubio: 10,6 Prozent
Chris Christie: 7,5 Prozent
Carly Fiorina: 4,2 Prozent
Ben Carson: 2,3 Prozent

Clinton will weiterkämpfen

Die Unterlegene Hillary Clinton hat keinen Anlass, mit weniger Elan in die nächsten Vorwahlen zu gehen. Schließlich hatte Sanders quasi ein Heimspiel in New Hampshire. Umfragen sehen bei den kommenden Vorwahlen einen Vorteil für Clinton.

Sie gratuliert Sanders, macht aber deutlich, dass sie die erste Wahl für progressive Politik sei. "Menschenrechte, Sozialprogramme, Ende der Diskriminierung von Minderheiten - wer macht den politischen Wechsel?", fragt sie und lässt ihr Publikum antworten. Sie werde sich mehr als irgendjemand sonst einsetzen, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

Hillary Clinton mit ihrem Mann Bill und ihrer Tochter Chelsea | Bildquelle: AFP
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Hillary Clinton will sich von der Niederlage nicht unterkriegen lassen.

Trump attackiert Sanders

Donald Trump kann seinen ersten Sieg auf der Seite der Republikaner einfahren. "Wow", sagt Trump und wiederholt seine Mischung aus freier Wirtschaft, Fremdenfeindlichkeit und harter Hand gegen Terroristen. Und auch Sanders greift er an: "Er will unser Land wegschenken. Das werden wir nicht zulassen."

Auch die gemäßigten Kandidaten bei den Republikanern können erste Erfolge vermelden. Präsidentensohn und -bruder Jeb Bush, bisher im tiefsten Umfragetief, konnte aufholen, vor allem aber John Kasich, Gouverneur von Ohio.

Donald Trump | Bildquelle: AP
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In Iowa hatte es nicht geklappt, dafür in New Hampshire: Der US-Republikaner Trump feiert seinen Sieg.

"Ich wette auf Bernie"

Der Bundesstaat ist klein - mit 1,3 Millionen Einwohnern und einer Wählerschaft von etwa 900.000 Menschen. "In New Hampshire wissen sie nie, wie es läuft. Die Leute ändern ihre Meinung im Wahllokal", sagt ein Wähler. Ein anderer Passant ergänzt: "Ich wette auf Bernie. Wenn er Hillary hier schlägt, verdopple ich meinen Einsatz."

Etwa 5000 Delegierte schicken die Demokraten zu ihrem Parteitag im Sommer, knapp 2500 die Republikaner. Aus New Hampshire werden 32 Demokraten und 23 Republikaner zur Wahl des Präsidentschaftskandidaten entsandt. New Hampshire in Neuengland, ein politischer Zwerg für die Kandidaten mit Ambitionen auf das Weiße Haus - und zugleich ein symbolischer Riese. Denn ohne ordentliches Ergebnis hier im Norden wenden sich Spender, freiwilliger Helfer und Unterstützer von Bewerbern ab, die nicht genug Eindruck auf die Wähler gemacht haben.

Die Kandidaten haben keine Zeit, sich auszuruhen. Schon am 20. Februar finden die nächsten Vorwahlen in South Carolina und Nevada statt. Am 1. März, dem "Super-Dienstag", entscheiden Wähler in 14 Bundesstaaten, welchen Kandidaten sie den Vorzug im Rennen um das Weiße Haus geben.

Bernie Sanders gewinnt Vorwahlen in New Hampshire
tagesthemen 21:20 Uhr, 10.02.2016, Stefan Niemann, ARD Washington

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US-Präsidentschafts-Vorwahl in New Hampshire
A. Horchler (HR, Washington)
10.02.2016 06:57 Uhr

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