Netanyahu | Bildquelle: dpa

Israels Premier unter Druck Neue Vorwürfe gegen Netanyahu

Stand: 08.01.2017 17:15 Uhr

Wegen Vorteilsnahme im Amt wird bereits gegen Netanyahu ermittelt, nun setzen neue Korruptionsvorwürfe Israels Ministerpräsidenten weiter unter Druck: Für eine wohlwollende Berichterstattung soll er einer Zeitung eine Gegenleistung versprochen haben.

Der mit Korruptionsvorwürfen konfrontierte israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gerät weiter unter Druck. Ein Fernsehsender veröffentlichte den Mitschnitt eines Gesprächs, in dem Netanyahu dem Besitzer einer der auflagenstärksten Zeitungen einen Handel als Gegenleistung für eine wohlwollendere Berichterstattung vorschlägt.

Wenn "Yedioth Ahnoroth" besser über ihn berichte, werde er sich dafür einsetzen, dass die von einem US-Milliardär herausgegebene Zeitung und Marktführer "Israel Hayom" ihre Auflage drossele, sagte der Regierungschef laut Channel 2 in dem Gespräch mit "Yedioth-Ahnoroth"-Eigner Noni Moses.

Bisher keine Reaktion

Weder vom Regierungschef noch von Moses waren am Sonntag Stellungnahmen dazu zu erhalten. Wann die Unterredung stattfand, wurde nicht gesagt. Laut der Zeitung "Haaretz" wurde das Gespräch vor einigen Monaten geführt.

Es sei sehr erstaunlich, dass Netanyahu überhaupt mit Moses gesprochen habe, hieß es in israelischen Medien. Schließlich hat der Ministerpräsident Moses und dessen Zeitung öffentlich vorgeworfen, ihn durch eine gezielt verdrehte Berichterstattung stürzen zu wollen.

Das Verhältnis Netanyahus zur Presse des Landes ist angespannt. So warf er ihr noch vor Veröffentlichung des Berichts am Sonntag erneut vor, ihn zu jagen. Die Presse übe unablässig Druck auf die Ermittlungsbehörden aus, lasse ständig Ballons aufsteigen, aus denen dann später nur heiße Luft entweiche, sagte er vor Ministern seiner Likud-Partei. Das sei auch jetzt wieder so.

Vorwurf der Vorteilsnahme

Netanyahu war Anfang vergangener Woche wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme im Amt von der Polizei vernommen worden. Nach Ansicht von Generalstaatsanwalt Awischai Mandelbit gebe es genügend Hinweise, um strafrechtliche Ermittlungen zu beginnen, berichtete die Zeitung "Haaretz". Dem Regierungschef werde vorgeworfen, von Unternehmern aus dem In- und Ausland Geschenke angenommen zu haben. Netanyahu bestreitet dies.

Er und seine Frau Sara haben in den vergangenen Jahren wiederholt Skandale ausgestanden. Darunter waren unter anderem Ermittlungen wegen Missbrauchs öffentlicher Gelder. Beide haben stets betont, sich keines Fehlverhaltens schuldig gemacht zu haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2017 um 13:00 Uhr

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