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10.02.2012

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Ausland
USA: Besuch des israelischen Ministerpräsidenten
Israels Ministerpräsident in den USA

Heimspiel für Netanjahu

Das Klima zwischen Israel und den USA ist angesichts des Streits um den Siedlungsbau angespannt. Beim Auftritt von Israels Ministerpräsident Netanjahu vor der konservativen Organisation AIPAC in Washington war davon jedoch nichts zu merken.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv, zzt. Washington

Das Publikum im Kongresszentrum von Washington begrüßte den israelischen Ministerpräsidenten wie eine messianische Gestalt - stehend, mit lang anhaltenden Beifallsstürmen. 7500 Mitglieder der pro-israelischen Lobby-Organisation AIPAC versammelten sich in einer 200 Meter langen Messehalle zu ihrem Jahreskongress. AIPAC bedeutet: "Komitee für amerikanisch-israelische öffentliche Angelegenheiten".

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ein Auftritt wie ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat: Israels Ministerpräsident Netanjahu ]
Netanjahu tritt ans Pult, als wäre er ein dynamischer amerikanischer Präsidentschaftskandidat. "Das jüdische Volk hat vor 3000 Jahren Jerusalem erbaut, und das jüdische Volk erbaut Jerusalem heute", sagt er. "Jerusalem ist keine Siedlung. Es ist unsere Hauptstadt." Frenetischer, fast hysterischer Beifall tost durch die Messehalle. Plötzlich schreit eine Frau dazwischen, im Protestton. Sie will ein Transparent in die Höhe halten. Ordner reißen das Tuch herunter und führen die Frau aus dem Saal.

"Guter Wille reicht nicht aus"

Netanjahu hat ein Heimspiel. Acht Großbildleinwände zeigen sein Konterfei, dazwischen Fotos vom Kapitol, von der Knesset, Wahrzeichen Israels und der USA. AIPAC ist die konservative Israel-Lobby. Sie versucht, bei Senatoren und Kongressmitglieder für eine pro-israelische Politik zu werben - seit Jahrzehnten mit Erfolg. Netanjahu redet vom Holocaust, von der Atombombe, die der Iran bauen will.

"Die Zukunft des jüdischen Staats kann nicht vom guten Willen, nicht einmal vom guten Willen des bedeutendsten Menschen abhängen", fordert er. Israel müsse sich immer das Recht vorbehalten, sich selbst zu verteidigen. Guter Wille reiche nicht, meint der israelische Ministerpräsident - eine Anspielung auf die Politik von US-Präsident Barack Obama, der den Iran mit diplomatischen Mitteln und Sanktionen zum Einlenken bewegen will.

Wandelnde symbolische Siedlungen

Vor der Tür des Kongresszentrums treffen sich all die anderen jüdischen Gruppen: antizionistische religiöse Juden, Frauen mit einem rosa Transparent, auf dem steht "Gerechtigkeit für Gaza" und drei junge Leute, die in weißen und gelben Papphäusern stecken - wandelnde symbolische Siedlungen. Einer trägt eine Netanjahu-Maske mit Bauarbeiterhelm.

Proteste gegen Israels Siedlungsbaupläne (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mit symbolischen Siedlungen protestieren diese Amerikaner gegen die israelischen Baupläne in Jerusalem. ]

"Die Hoffnungen auf Frieden sinken"

Ein Mann in Schlips und Kragen, der daneben steht, hat das Schauspiel arrangiert. Ben Wikler ist einer der Direktoren des weltweiten "Kampagnen-Netzwerks" namens "Avaas". "Solange Ministerpräsident Netanjahu es für angebracht hält, illegale Siedlungen zu bauen, wo er will, da dachten wir, könnten wir auch hier bei der AIPAC-Konferenz in Washington ein paar Siedlungen bauen", sagt er. "Ministerpräsident Netanjahu will 1600 neue Wohnungen in Ost-Jerusalem bauen. Aber immer wenn eine dieser Siedlungen gebaut wird, sinken die Hoffnungen auf Frieden." Das friedlich-beschauliche Washington erlebt den Nahost-Konflikt dieser Tage auf der Straße. Für heute bleibt es beim Streit mit Worten.

Stand: 23.03.2010 08:32 Uhr
 

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