Israels Premier Netanjahu bei der UN-Generaldebatte | Bildquelle: AFP

Rede bei der UN-Generaldebatte Netanyahus Schweigen

Stand: 02.10.2015 02:45 Uhr

Israels Premier Netanyahu hat mit Schweigen vor den Vereinten Nationen das Atomabkommen mit dem Iran angeprangert. Während seiner Rede herrschte fast eine Minute lang wortlose Stille. Aber Netanyahu fand auch klare Worte: Er bot den Palästinensern an, zu verhandeln - ohne Bedingungen.

Von Georg Schwarte, ARD-Hörfunkstudio New York

Benjamin Netanyahu schwieg. Er trat ans Rednerpult der UN und schaute in den Saal. Sekunde um Sekunde verging. Und als er dann nach endlosen Blicken in den Weltsaal sprach, redete er wieder vom Schweigen. 70 Jahre, nachdem sein Volk vernichtet werden sollte, würden die Führer des Iran wieder ankündigen, sein Volk zu zerstören, seine Mitbürger zu ermorden. "Und die Reaktion hier: Nichts. Stille. Schweigen. Ohrenbetäubendes Schweigen", brüllte Netanyahu.

Wieder schaute Netanyahu in den Saal. 45 Sekunden lang ohrenbetäubende Stille folgten. Kein Wort von ihm. Nur Blicke. Einst hätte das jüdische Volk geschwiegen. "Nie mehr", sagte er dann. Rom, Babylon, das "Tausendjährige Reich" - alle seien untergegangen, hier im Weltsaal nicht repräsentiert. Das Volk Israels aber lebe. Beifall im Saal.

"Aus einem Tiger wird kein Kätzchen"

Netanyahu, ein Meister der Rede. Der Atomdeal mit dem Iran: ein Desaster, eine Bedrohung, die Krieg wahrscheinlicher mache, Der Iran, sagte Netanyahu, baue gerade an Interkontinental-Raketen. "Die gelten nicht uns. Die sind auf Euch gerichtet, auf Europa auf die Vereinigten Staaten. Massenvernichtungswaffen, die überall und zu jeder Zeit zuschlagen können."

Netanyahu sprach 41 Minuten, länger als fast jeder andere Redner bisher hier vor der Generalversammlung. Der Iran gebe Milliarden für Waffen aus. "Doch nicht um Frieden zu machen? Glaubt ihr, Hunderte Millionen Dollar an Sanktionserleichterungen und dicke Handelsverträge machen aus einem gefräßigen Tiger ein harmloses Kätzchen?"

Ausschnitte der Rede Netanjahus vor der UN-Vollversammlung
02.10.2015

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Angesichts der großen Mehrheit derer, die für den Atomdeal seien, so Netanyahu, wäre es für ihn einfacher zu schweigen. "Aber die Tage, da wir Juden angesichts völkermordender Feinde schweigen, sind vorbei!" Und weil Israel den Atomdeal schon nicht verhindern konnte, lautete sein Appell: "Stellt wenigstens sicher, dass die Inspektoren ihren Job machen und dass die Verstöße des Iran nicht unter den Perserteppich gekehrt werden." Iran und die IS-Terroristen, alle beide seien Feinde, fügte Netanyahu mit Blick auf den Krieg in Syrien hinzu. Man dürfe nicht einen stärken, man müsse beide schwächen. Wieder Beifall im Saal.

Bedingungslose Verhandlungen angeboten

Tags zuvor hatte Palästinenserpräsident Abbas das Friedensabkommen von Oslo aus dem Jahr 1993 faktisch aufgekündigt und Israel abgesprochen, wirklich Frieden zu wollen. Netanyahu drehte den Spieß um. Er sei zu sofortigen, bedingungslosen direkten Verhandlungen bereit. Jederzeit. An Präsident Abbas gerichtet sagte Netanyahu am Ende: "Wir schulden es unseren Völkern, es zu versuchen. Wir könnten großes für beide Völker erreichen!"

Abgang Netanyahu. Schon vor 31 Jahren übrigens hatte Netanyahu damals als UN-Botschafter Israels an gleicher Stelle hier im Weltsaal der Vereinten Nationen vor dem Iran gewarnt. 31 Jahre später hat sich daran nichts geändert. 

Netanjahu warnt vor dem Iran
G. Schwarte, ARD New York
02.10.2015 03:14 Uhr

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