Frauen in Nepal - erschüttert von einem weiteren, starken Erdbeben.

Erneutes Erdbeben im Himalaya Die Katastrophe nach der Katastrophe

Stand: 12.05.2015 21:59 Uhr

Während die Menschen in den abgelegenen Bergregionen von Nepal noch auf Hilfe nach dem verheerenden Beben von vor 17 Tagen warten, hat die Erde erneut gebebt. Wieder begruben einstürzende Gebäude Menschen unter sich. Dutzende Opfer wurden geborgen.

Im Himalaya werden nach dem erneuten Erdbeben immer mehr Opfer geborgen. Bisher forderte die Katastrophe mindestens 70 Todesopfer. Die größten Schäden werden wieder aus Nepal gemeldet. Auch aus Indien und China wurden Tote gemeldet.

Erdrutsche in den Bergen

In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu stürzten zahlreiche Gebäude ein, die durch das verheerende Beben vor 17 Tagen mit mindestens 8000 Toten schon instabil geworden waren. Das indische Militär veröffentlichte Bilder, auf denen zahlreiche Erdrutsche an Berghängen zu sehen sind. "In einigen Dörfern in diesen (am schwersten getroffenen) Gegenden erwarten wir völlige Zerstörung", teilte das Innenministerium mit.

Zerstörung unklar

Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gab die Stärke des Bebens mit 7,2 an, die US-amerikanische Geologiebehörde USGS sogar mit 7,3. Der Erdbebenherd lag in einem wenig besiedelten Gebiet an der Grenze zu China in einer Tiefe von zehn Kilometern.

Wie groß die Zerstörungen nach dem neuerlichen Beben sind, stand zunächst nicht fest. "Wir bekommen noch immer viele Berichte über Opfer und Schäden herein", sagte Ram Kumar Dangal, Chef der Katastrophenhilfe Nepals. Die Erdrutsche hätten ganze Siedlungen unter sich begraben. Mindestens 1129 Menschen wurden dem Innenministerium zufolge verletzt.

Abgebaute Zelte werden wieder hervorgeholt

Das Hauptbeben, auf das kleinere Nachbeben folgten, dauerte etwa eine Minute. "Die Menschen waren alle total verängstigt und schrien", sagt Sunjuli Singh, die für die Hilfsorganisation World Vision in Kathmandu arbeitet. "Sie versammelten sich in der Mitte der Straßen, möglichst weit weg von den Wänden, aus Angst, diese würden einstürzen." Die Telefonverbindungen in Kathmandu waren zunächst völlig überlastet. Jeder habe versucht, Familienmitglieder zu erreichen, sagte Singh.

In Kathmandu kam der Verkehr zum Erliegen. Die Menschen begannen damit, Zelte auf öffentlichen Plätzen und in ihren Gärten aufzubauen - dabei hatten sie diese erst vor wenigen Tagen abgebaut und waren in ihre Häuser zurückgekehrt. Anders ist die Situation in den abgelegenen Bergregionen, wo die einfachen Lehm- und Steinhäuser den Erschütterungen nicht standhielten. Schätzungen der Behörden zufolge wurden bei dem Beben vom 25. April 300.000 Häuser vollständig zerstört und rund 250.000 weitere stark beschädigt.

Nach UN-Angaben waren etwa ein Viertel der Bevölkerung des armen südasiatischen Landes von dem ersten Beben betroffen. In den am stärksten betroffenen Gegenden seien 95 Prozent der Häuser zerstört. Hilfsorganisationen aus aller Welt verteilen Trinkwasser, Nahrungsmittel und Medikamente.

US-Militär vermisst Hubschrauber

Nach dem Beben hat das US-Militär einen Hubschrauber mit einer achtköpfigen Besatzung als vermisst gemeldet. Der Helikopter habe nahe dem Ort Chartikot einen Rettungseinsatz geflogen, teilte das Pentagon mit. Der Hubschrauber habe Hilfsgüter abgeworfen, als der Kontakt abbrach.

Tote in Indien und China

In den Nachbarländern Indien und China war das neue heftige Erdbeben ebenfalls zu spüren. In der indischen Hauptstadt Neu Delhi wurde eine U-Bahn vorübergehend gestoppt. Im Norden des Landes kamen 17 Menschen ums Leben - die meisten davon im Bundesstaat Bihar, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Neu Delhi mitteilte. In China starb eine Frau. Sie wurde von herunterstürzenden Steinen erschlagen.

Nepal liegt auf der Stelle, wo sich die Indische in die Eurasische Platte schiebt. Deswegen kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben.

ARD-Korrespondenten bei Twitter

Unsere Korrespondenten in Asien, Gabor Halasz und Jürgen Webermann, informieren auch auf Twitter über die aktuellen Ereignisse in Nepal.

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