Neonazi Martin Wiese auf Demo  (Bildquelle: Rüdiger Löster)

Terror von rechts Alter Hass - neuer Feind

Stand: 04.03.2016 11:15 Uhr

Wiese, Statzberger und Schatt von der Partei "Der 3. Weg" wirken wie engagierte Bürger - sie wollten aber schon einmal einen Sprengstoffanschlag verüben. Früher richtete sich ihr Hass gegen Juden, heute gegen Flüchtlinge. Wie gefährlich sind sie?

Von Thomas Reutter, ARD-Studio Baden-Baden

Sie wollten bei der Grundsteinlegung des jüdischen Zentrums in München eine Bombe zünden. Das war 2003. Martin Wiese, Karl Heinz Statzberger und Thomas Schatt planten eine blutige Revolution in Deutschland. Ihr Ziel war es, den Nationalsozialismus wieder einzuführen. Doch die Terrortruppe flog auf. Bei einer Razzia konnte die Polizei rechtzeitig eine Handgranate, ein Metallrohr und 1,2 Kilogramm TNT sicherstellen. Hätten die Täter diesen Sprengstoff bei der Veranstaltung gezündet, an der auch Johannes Rau, Edmund Stoiber und Paul Spiegel teilnehmen sollten, hätten sie damit ein Blutbad angerichtet.

Die drei Neonazis wurden festgenommen und als Terroristen verurteilt. Jahrelang saßen sie im Gefängnis. Jetzt sind sie wieder aktiv in der Neonazi-Szene, diesmal nicht gegen Juden, sondern gegen Flüchtlinge.

Alle drei haben sich der rechtsextremistischen Partei "Der 3. Weg" angeschlossen, einem Auffangbecken ehemaliger Mitglieder der Neonazi-Truppe "Freies Netz Süd", die 2014 verboten wurde. Das "Freie Netz Süd" war schon die Fortsetzung der verbotenen "Fränkischen Aktionsfront". Die wurde aufgelöst, weil sie sich offen zu Hitler und der NSDAP bekannte.

2003 gegen Juden, 2016 gegen Flüchtlinge

Karl-Heinz Statzberger tritt als Redner beim "3. Weg" auf und hetzt gegen Asylbewerber. Gemeinsam mit mehr als 200 Kameraden marschierte er im November 2015 mit einer Fackel in der Hand durch Wunsiedel, um die Soldaten der Wehrmacht zu ehren. Veranstaltet hatte den Aufmarsch "Der 3. Weg".   

Statzberger war zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie unerlaubten Sprengstoff- und Waffenbesitzes.

Fotos zeigen ihn bei einer Kundgebung gegen den Bau eines Asylbewerberheims 2015 in Limburgerhof (Rheinland-Pfalz). Auch Martin Wiese, der Rädelsführer der Terrororganisation, die den Anschlag auf das jüdische Zentrum verüben wollte, sei bei einer dieser Kundgebungen des "3. Weges" gegen Asylbewerber in der Region aufgetreten, sagt Jürgen Stein. Der Rechtsextremismus-Experte des DGB war bei der Veranstaltung vor Ort. In den Monaten, in denen die Kameraden vom "3.Weg" vor Ort auftraten, wurde ein Brandanschlag auf das als Asylbewerberheim vorgesehene Gebäude verübt.

Thomas Schatt wurde von der ARD in München bei einer Kundgebung vom "3.Weg" gegen Asylbewerber gefilmt. Schatt trug eine grüne Binde mit der Aufschrift "Presse" am Arm und machte Videoaufnahmen.

Werden neue Mordpläne geschmiedet?

Burkhard Lischka, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sagte dazu gegenüber tagesschau.de: "Wir müssen wachsam sein, dass in diesen Tagen nicht neue rechtsterroristische Zellen entstehen, die feige Morde und Anschläge gegen Migranten und Andersdenkende planen." Die Beispiele der "Old School Society" und des "Bamberger Mix" würden zeigen, wie real die Gefahr tatsächlich sei. "Insoweit müssen wir verurteilte Rechtsterroristen - wie Wiese, Statzberger und Schatt - nicht nur im Blick und unter Beobachtung halten, sondern deren Aktivitäten, wo auch immer sich rechtliche Ansatzpunkte bieten, stören, indem auch kleinste Verstöße, Straftaten und Ordnungswidrigkeiten geahndet werden."

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