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Youssou N'Dour will Präsident in Senegal werden
Youssou N'Dour will Präsident in Senegal werden

Ein Musiker betritt die politische Bühne

Der senegalesische Sänger Youssou N'Dour gilt als der musikalischer Botschafter Afrikas. Doch nun verabschiedet er sich von Konzerten und Musikstudios und drängt auf die politische Bühne. Er will in seiner Heimat Senegal Präsident werden.

Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Youssou N'Dour (Foto: dpa) [Bildunterschrift: Er trägt den Titel "Afrikanischer Künstler des Jahrhunderts". ]
"Seven Seconds" - mit diesem Song, den er gemeinsam mit Neneh Cherry sang, beförderte sich der senegalesische Sänger Youssou N’Dour in den Pop-Olymp. Seitdem ist er berühmt. Und das nicht nur in Afrika, sondern rund um den Globus - als musikalischer Botschafter des Senegal, als Künstler, der mit afrikanischer Weltmusik auch im Westen ganze Stadien füllt. Er war mit Musikgrößen wie Sting, Peter Gabriel, Bruce Springsteen, Bono und vielen anderen auf Tour.

Doch Ende 2011 verkündete Youssou N’Dour überraschend seinen Abschied von der Bühne - vorübergehend. Seitdem brodelte es in der Gerüchteküche. Nun endlich hat der Musiker die Katze aus dem Sack gelassen - live, in den privaten Radio- und Fernsehsendern, die zu seiner Mediengruppe gehören: "Schon lange demonstrieren die Menschen im Senegal für eine bessere Zukunft, und schon lange verlangen sie, dass ich ins Rennen um die Präsidentschaft gehe. Ich habe zugehört, ich habe verstanden, und ich reagiere nun positiv auf Eure Bitte: Ich werde antreten, ich bin Kandidat."

Audio: Youssou N'Dour will Präsident des Senegal werden

AudioAlexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Rabat 03.01.2012 15:10 | 3'32
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Auf Wunsch der Bevölkerung

Alle wollen, dass ich Politiker werde, hat Youssou N’Dour früher einmal gesagt. Und hinterhergeschoben: Darauf könne die Welt vergeblich warten, denn als Politiker müsse man lernen zu lügen. Schnee von gestern. Jetzt will er das Gegenteil beweisen. Seine Kandidatur nennt er eine patriotische Pflicht. "Es stimmt, ich habe nicht studiert, aber ich bin Unternehmer, und außerdem bin ich viel gereist und habe in der Schule der Welt viel gelernt", sagt er. Er wolle aus dem Senegal ein stolzes Land machen und hart dafür arbeiten. "Mein Leben besteht zu zehn Prozent aus Inspiration, und zu 90 Prozent aus Transpiration", sagt er über sich selbst.

Die Menschen im Senegal jubeln. Denn Youssou N’Dour ist einer von ihnen. Er stammt aus einer ärmlichen Siedlung vor den Toren von Dakar, und er will den umstrittenen Präsidenten Abdoulaye Wade ablösen. Den 85-Jährigen, der seit elf Jahren an der Macht ist und noch einmal antreten will. Das Volk will ihn nicht mehr - und auch nicht seinen Sohn Karim, der als Nachfolger aufgebaut werden soll. Seit Monaten gehen immer mehr Menschen gegen Wade auf die Straße. Sie haben genug von Machtmissbrauch, Korruption, den ständigen Stromausfällen und den steigenden Preisen für Lebensmittel. Youssou N’Dour ist einer der größten Kritiker des "Système Wade".

Engagiert für Afrika

Prominente Globaliserungskritiker geben sich die Ehre: Bob Geldof (links, Youssouf N'Dour (zweiter von rechts) und Bono (rechts) in Begleitung der NGO-Vertreterin Claudia Warning bei Angela Merkel im Park von Heiligendamm (Foto: AP) [Bildunterschrift: Gemeinsam für Afrika: Bob Geldoff (links), Youssouf N'Dour (zweiter von rechts) und Bono (rechts) in Begleitung der NGO-Vertreterin Claudia Warning bei Angela Merkel ]
Doch der Musiker engagiert sich schon lange politisch. Er kämpft mit Bono und Bob Geldof für Schuldenerlass und fairen Welthandel, organisiert als UNICEF-Botschafter afrikaweite Kampagnen gegen Malaria und hat im Senegal eine Bank für Mikrokredite gegründet. Dass er nun Farbe bekennen und Präsident werden will - für viele Menschen im Senegal ist das nur konsequent: "Ich will ein stolzes Land, mit stolzen Menschen, so stolz und stark wie die roten Löwen der Savanne, die wir in unserer Nationalhymne besingen. Auf geht’s! Packen wir die erste Wahlrunde an. Gott segne den Senegal", sagt Youssou N'Dour.

Es gibt Leute, die Youssou N'Dours Kandidatur für absurd halten. Die glauben, dass die Senegalesen niemals einen Sänger zum Präsidenten wählen werden, dass die Kampagne sogar N'Dours Image als Superstar schaden könnte. Aber es gibt auch viele andere, die froh sind, dass der bisher verhinderte Politiker nun Verantwortung übernehmen will. Und wer weiß - sollte Youssou N’Dour es tatsächlich schaffen, dann müsste er doch nochmal auf die Bühne. Mit "Seven Seconds", als singender Präsident. Und Neneh Cherry wäre dann bestimmt auch dabei. 

Stand: 03.01.2012 15:53 Uhr
 

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